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15.04.2011

14:25 Uhr

Geschlossene Fonds

Die schlechteste Geldanlage der Welt

VonDaniel Schönwitz, Martin Gerth, Niklas Hoyer, Heike Schwerdtfeger

Nirgends war in den vergangenen Jahren mehr Geld zu verlieren als in geschlossenen Fonds. Wie sich die Branche bei den Anlegern bedient.

Der Schriftzug der Reederei Beluga am Firmensitz in Bremen. Quelle: dpa

Der Schriftzug der Reederei Beluga am Firmensitz in Bremen.

Niels Stolberg galt als Vorzeigeunternehmer. Als Selfmademan. Als talentierter Newcomer, der die Schifffahrtsbranche aufmischt. Doch das glanzvolle Image, das der 50-jährige Gründer der Reederei Beluga Shipping über Jahre gepflegt hatte, ist zerstört. Seit März rutschen reihenweise Beluga-Firmen in die Pleite, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdacht.

Stolbergs Absturz trifft Tausende Privatanleger. Mindestens 50 von 72 Schiffen der Beluga-Flotte gehören nicht seiner Reederei, sondern Schiffsfonds - Anlagevehikeln also, in denen sich Investoren zusammenschließen, um Containerriesen oder Tanker zu kaufen und an eine Reederei zu verchartern. Geht diese pleite, brechen die Einnahmen weg. Einige Fonds mit Beluga-Schiffen haben zwar inzwischen neue Betreiber gefunden, aber nur zu weit niedrigeren Charterraten. Den Anlegern drohen hohe Verluste.

Riesenauswahl an geschlossenen Fonds

Der Fall reiht sich ein in eine endlose Serie von Skandalen um geschlossene Fonds, die Anlegern Beteiligungen an Schiffen, Immobilien oder Filmprojekten anbieten. Was in den Hochglanzprospekten stets nach einer einmaligen Chance klingt, entwickelt sich immer wieder zum Desaster.

Nicht investiertes Kapital. Quelle: WirtschaftsWoche

Nicht investiertes Kapital.

Von Plattenbauten im Osten über Bauprojekte in Dubai bis hin zu Kino-Flops aus Hollywood: Wenn irgendwo auf der Welt Geld zu verlieren ist, sind die deutschen Fonds meist nicht weit. Nirgendwo sonst haben Anleger so viel gezittert, gelitten und verloren. Nach Daten des Ratinganbieters Feri haben sie in den letzten drei Jahrzehnten 200 Milliarden Euro in geschlossene Fonds investiert, hinzu kommen 204 Milliarden Euro Kredite, die die Fonds aufgenommen haben.

Einen Großteil des Geldes, 71,4 Milliarden Euro Eigenkapital, steckten sie in deutsche Bürotürme, Hotels oder Pflegeheime; an zweiter Stelle folgen Schiffe mit 34,7 Milliarden Eigenkapital.

Die gut 300 Fondsanbieter agieren auf dem Grauen Kapitalmarkt - nahezu unbeobachtet von der Finanzaufsicht. Die schiere Zahl der Skandale ist erschütternd. Anders als bei Aktienfonds, Lebensversicherungen oder Zertifikaten sind Flops nicht die Ausnahme - sondern die Regel.

Kommentare (11)

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canis.lupus

15.04.2011, 15:13 Uhr

Schlechter weil stark verallgemeinender Artikel. Pauschale Verdammung ist falsch: Jeder einzelne Fonds muss individuell analysiert und bewertet werden. Wie wär es ´mal mit einer neuen Serie/Rubrik, liebes Handelsblatt?! Der Wirtschaftsfaktor der Branche und die zahlreichen erfolgreichen Konzepte werden durch Namen wie Maschmeyer o.ä. zu negativ dargestellt. Bitte differenzierter berichten, dieses ist FTD-Niveau - weil es eine Bild-Zeitung der Wirtschaft Gott sei Dank nicht gibt. Ich überdenke mein Abo bei dieser Qualität und vor dem Hintergrund eines in den letzten Jahren zu stark gestiegenen Abo-Preises. Preis hoch Qualität runter ist die falsche Strategie!

assecure

15.04.2011, 16:37 Uhr

Ihre Recherchen werden der Anlageklasse nicht gerecht.
Im Krisenjahr 2009 sind auf den Aktienmärkten nicht nur „Mrd.“ sondern „Billionen“ vernichtet worden.
Z. B. Kleinanleger sitzen auf Garantieversprechen aus Fondanlagen ohne Renditeerwartung (nebulöse Kapitalgarantie)!
Bei den Geschlossenen Fonds kommt es immer auf das unternehmerische Konzept an:
Nur ein Konzept, welches der Kunde versteht und welches er als unternehmerisch denkender Mensch auch als schlüssig empfindet, erfüllt die notwendigen Kriterien an Sicherheit, Rendite und Verfügbarkeit.
Dies ist bei einer Schiffsanlage (oder Flugzeug) aber nur in Ausnahmefällen der möglich. Es ist ein Einzelrisiko, stark konjunkturabhängig (= nicht vorhersehbar!). Ausnahmen bilden nur Fonds, die Schiffe unter Wert erwerben können, und so einen entsprechenden Risikopuffer aufbauen.
Auch bei geschlossenen Immobilienfonds gilt: Wie sieht das Konzept aus: Kennt der Anleger die Objekte? Ist ein Vermietungskonzept mit solventen Mietern vorhanden? Und, und, …
Bei den erneuerbaren Energien stimmt es zwar, das die Kosten relativ hoch sind: Warum – die Anleger verlangen nachhaltige Anlagen! Trotz der Kosten werden immer noch Renditen zwischen 6 – 9 % aus garantierten Gewinnen erwirtschaftet (subventioniert). Dies ist in anderen Branchen nicht gegeben!
Was Sie gar nicht behandeln sind Anlagen im breit gestreuten Bereich „Private Equity“. Hier können Sie bei Scope auch nachlesen, das diese Anlagen im Schnitt im Krisenjahr 7,8 % erwirtschaftet haben. Institutionen wie Stiftungen oder große Vermögensverwalter (z. B. Allianz) haben ihre Bestände an PE ausgeweitet – warum: In der Regel handelt es sich hierbei um solide Mittelstandsfinanzierungen mit Streuung auf Eigenkapitalbasis. Derartige Anlagen entziehen sich der Spekulation, bieten gute Renditen, handelnde Personen sind Unternehmer, die ihre Expansion solide über Jahre finanzieren wollen.
Diese einseitige Schelte trifft nicht das Niveau des Handelsblatts!

goodluck

15.04.2011, 17:19 Uhr

Hallo Leute habt ihr's immer noch nicht kapiert.
Fonds (egal welche) ist das genialste Geschäftsmodell für die Initiatoren. Sprich, mit dem Anlegergeld wird
spekuliert.
Wenn's gut läuft, wird der Gewinn geteilt. Saftige Boni, Verwaltungsgebühr usw..
Wenn's schlecht läuft gibt's halt nur die "Verwaltungsgebühr". Sind in der Regel immer noch ein paar Millionen.
Und den Verlust ? Trägt natürlich der Geldgeber !!
Einfach genial !!

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