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01.06.2011

11:46 Uhr

Geschlossene Fonds

Olympia-Stars bringen Tausende Anleger um ihr Erspartes

VonFidelius Schmid

Die ehemaligen Olympia-Fechter Elmar Borrmann und Thomas Gerull haben nach ihrer Sportkarriere Werbung für Investmentfonds gemacht. Doch genau diese Fonds brachte viele Kleinanleger um ihr gesamtes Geld.

Borrmann (2.v.r.) mit seinem Team bei den Fechtweltmeisterschaften in Den Haag 1995.

Borrmann (2.v.r.) mit seinem Team bei den Fechtweltmeisterschaften in Den Haag 1995.

Als Spitzensportler schworen Elmar Borrmann und Thomas Gerull mehrfach den olympischen Eid. Sie wollten "im ritterlichen Geist zum Ruhme des Sports und zur Ehre unserer Mannschaften" kämpfen. Im Degenfechten gehörten sie zu den ganz Großen. In den 1980er- und 90er-Jahren errangen sie olympische Medaillen und Weltmeistertitel. Borrmann wurde bei den Olympischen Spielen 1996 sogar fast Deutschlands Fahnenträger.

Nach ihrem Fechter-Leben stiegen die beiden gemeinsam in die Finanzbranche ein: Ab Mitte der 90er-Jahre warben sie mit Investmentfonds unter dem Dach der Deutschen Frankonia Beteiligungs AG um Anlegergeld. "Neue Maßstäbe" seien "Gütekriterien für jede Entscheidung und Garant für den zukünftigen Erfolg im Anlagemarkt", warben sie in einer Broschüre der Deutschen Frankonia. Der Fonds sei "eine wachstumsstarke und erstklassige Anlageform mit sich wechselseitig bedingenden Vorteilen". "Wir stehen mit unserem Namen dafür ein", verkündeten Borrmann und Gerull. Immer wieder tauchten sie mit Foto in ihren Broschüren auf.

Geschlossene Fonds: Die schlechteste Geldanlage der Welt

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Der Begriff "Spiegelfechten" umschreibt Täuschungshandlungen. Und viele der rund 50.000 Menschen, die bei den Ex-Fechtern Geld anlegten, dürften angesichts der vollmundigen Versprechen der beiden inzwischen den Eindruck haben, reingelegt worden zu sein. Davon zeugen zahlreiche Gerichtsverfahren zwischen Anlegern und den von beiden gestarteten Fondsgesellschaften. Die Mehrheit der Verfahren beenden außergerichtliche Vergleiche. Dennoch gibt es - teilweise noch nicht rechtskräftige - Urteile aus Berlin, Stuttgart, Düsseldorf und anderen Städten gegen die Frankonia, ihre Nachfolger oder Vermittler.

Fest steht: Anstatt Renditen gab es für viele Anleger hauptsächlich Verluste. Nach Recherchen des Handelsblatts haben die von den beiden angeschobenen Gesellschaften, zu denen auch Fonds mit den Namen Capital Sachwert Alliance (CSA) und Deltoton gehören, für ihre Anleger bislang mehr als 150 Millionen Euro Verluste angehäuft.

Ursula F.* ist eine der Anlegerinnen, die Geld verloren haben. Sie will ihren Namen nicht nennen, weil sie versucht, sich mit einem der Fonds zu vergleichen, und dafür eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet hat. Die Verkäuferin hatte ihr kleines Erbe genommen, eine Lebensversicherung aufgelöst und alles bei einer CSA-Gesellschaft einbezahlt.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

01.06.2011, 14:01 Uhr

Anlegerschutz ist ein sehr, sehr mühsames Geschäft! Kaum hören oder lesen Menschen irgendwo das Wort Rendite, brennen alle Sicherungen durch. Und dann dieser unbegreifliche Geiz: Wenn sie einen Fön im Wert von 59 Euro kaufen wollen, geben sie ohne zu zögern 10 Euro für die Zeitschrift der "Stiftung Warentest" aus. Aber bei einer Kapitalanlage von 20 oder gar 100.000 Euro mal (kostenpflichtig) einen Fachman fragen? Nein, bewahre - erstens bin ich ja slbst ein Cleverle und zweitens habe ich doch diesen wahnsinnig netten "Berater" von der Kloppertruppe gefragt, und der hat auch gaaanz seriös geguckt... Gier frisst Hirn, ganz einfach.

DgBmdsS

01.06.2011, 14:52 Uhr

Spitzensportler und Geldanlage? Boris Becker hat auch mal ganzseitig für Dubai Immobilienfonds geworben, bevor dann 2008 alles den Bach runterging. Wie soll jemand, der jahrelang Spitzensport betreibt, Zeit und Gelegenheit haben, auch etwas über Geldanlage zu lernen, was über ein Sparbuch hinausgeht?

T.Setzer

01.06.2011, 17:02 Uhr

Ich bin immer wieder verwundert, wie diese Menschen, die über Jahre jeden Tag dafür arbeiten, solch ein System am Laufen zu halten, mit ihrem Leben zurechtkommen. Nicht nur die Macher, auch die Sekretär/in und andere Angestellte. Was erzählen die ihren Familien? Schläft es sich gut? Nichts aber auch nichts ist interessant daran, Geschäftssitze im Provinzgewerbegebiet.. da ist selbst die Mittagspause deprimierend.
Selbst wenn es Geld abwirft.. diese Arbeit ist unheimlich langweilig und dazu noch erzeugt sie soviel Unzufriedenheit, Not und Ärger bei anderen Menschen. Wie halten diese Leute ein solch erbärmliches Leben aus?

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