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24.04.2013

15:26 Uhr

Gesetzesentwurf

Hedge-Fonds werden für Privatanleger zum Tabu

Geht es nach dem Bundestags-Finanzausschuss dürfen Hedge-Fonds bald nicht mehr an Privatanleger verkauft werden. Auch für andere Anlageformen und ihre Manager sollen strengere Regeln eingeführt werden.

Finale Abstimmung: Der Deutsche Bundestag soll über einen Gesetzesentwurf entscheiden, wonach Hedge-Fonds nicht mehr an Privatanleger verkauft werden dürfen. dpa

Finale Abstimmung: Der Deutsche Bundestag soll über einen Gesetzesentwurf entscheiden, wonach Hedge-Fonds nicht mehr an Privatanleger verkauft werden dürfen.

BerlinDie als riskant geltenden Hedge-Fonds dürfen in Deutschland bald nicht mehr an Privatanleger verkauft werden. Der Bundestags-Finanzausschuss machte am Mittwoch den Weg frei für die finale Abstimmung im Bundestag über die Umsetzung der AIFM-Richtlinie der EU in Deutschland. Der deutsche Gesetzentwurf dazu sieht vor, dass Hedgefonds nicht mehr für Privatanleger aufgelegt werden dürfen. Auch ausländische Hedge-Fonds dürfen nur noch an professionelle oder semi-professionelle Anleger verkauft werden. Für andere alternative Anlageformen wie offene Immobilien-Fonds oder Private Equity-Fonds werden strengere Regeln eingeführt.

Mit dem deutschen Umsetzungsgesetz zur AIFM-Richtlinie wird ein neues Kapitalanlagegesetzbuch geschaffen. Darin wird die staatliche Aufsicht über alle Arten von Investment-Fonds und ihre Manager geregelt. Damit will die schwarz-gelbe Koalition eine zentrale Lehre aus der Finanzkrise ziehen, dass kein Finanzprodukt oder Marktakteur mehr unbeaufsichtigt sein darf.

Vorschlag:  Bonusgrenzen auch für Hedgefonds-Manager

Vorschlag

Bonusgrenzen auch für Hedgefonds-Manager

Hedgefonds-Manager gehören zu den Spitzenverdienern ihrer Branche. EU-Parlamentarier möchten sie nun in die Pflicht nehmen und ihre Boni begrenzen. In der Branche stößt der Vorschlag auf heftige Kritik.

Die vom Finanzausschuss nun dem Bundestags-Plenum vorgelegte Gesetzesvorlage der Koalition wurde auf Druck der Fondsbranche deutlich entschärft. Sie hatte vor einer Überregulierung und Standortnachteilen gewarnt. So ist das ursprünglich diskutierte Verbot milliardenschwerer Offener Immobilien-Publikums-Fonds, von denen etliche in der Finanzkrise in Schieflage geraten waren, vom Tisch. Sie sollen künftig aber strikten Anlagebeschränkungen unterliegen. Zudem dürfen Kleinsparer ihre Anteile nur noch einmal pro Jahr zurückgeben, damit die Fonds ihre Liquidität besser managen können. Auch Spezial-Fonds - also offene Fonds, die das Geld professioneller Investoren wie etwa Versicherer einsammeln - bleiben erhalten.

Auch in einem anderen Punkt kam die Koalition der Branche entgegen: Künftig soll es neben den Privatanlegern und den institutionellen Investoren eine dritte Kategorie, die semi-professionellen Anleger, geben. Dazu zählen etwa Stiftungen oder Verbände. Sie können weiter in komplexe Produkte investieren, wenn sie sich zutrauen, die Risiken abzuschätzen.

Die größten Hedgefonds der Welt

Man Group

Man Group

Sitz in London. Verwaltetes Vermögen: 69,0 Milliarden US-Dollar

Durch die Übernahme des Konkurrenten GLG Partner zum weltgrößten börsennotierten Hedge-Fonds mutiert, musste das Unternehmen zuletzt hohe Mittelabflüsse hinnehmen. So zogen Anleger im vierten Quartal 2010 der Gesellschaft netto eine Milliarde US-Dollar (743 Millionen Euro) ab. Man Group-Chef Manny Roman geht für die Zukunft von weiteren Konzentrationen innerhalb der Branche aus.

Bridgewater Associates

Bridgewater Associates

Sitz in Westport, USA. Verwaltetes Vermögen: 62,0 Milliarden US-Dollar.

Zuletzt durch Gründer und Chef Ray Dalio in den Medien. Er kündigte an, sich der philanthropischen Kampagne der Milliardäre Bill Gates und Warren Buffet anzuschließen und einen Großteil seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

JPMorgan Asset Management

JPMorgan Asset Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 45,5 Milliarden US-Dollar

Teil des globalen Finanzdienstleistungskonzerns JPMorgan Chase & Co. mit einer 130jährigen Tradition in der Vermögensverwaltung für private und institutionelle Investoren.

Paulson & Co

Paulson & Co

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 30 Milliarden US-Dollar

Amerikanischen Medien (Wall Street Journal) zufolge verdiente Gründer und Präsident John Paulson im Jahr 2010 fünf Milliarden US-Dollar und konnte sich damit selbst den dicksten Gehaltsscheck der Geschichte überreichen. Nach Daten der amerikanischen Finanzaufsicht SEC zählt neben Gold ein Aktienpaket an der amerikanischen Bank Citigroup zu den größten Positionen Paulsons. Zudem stehen die Bereiche Energie und Gesundheit in seinem Fokus. Doch der

Brevan Howard Asset Management

Brevan Howard Asset Management

Sitz in London. Verwaltetes Vermögen: 32,3 Milliarden US-Dollar

Sorgte ähnlich wie BlueCrest Capital Management mit dem Umzug in die Schweiz für Aufsehen. Seit Sommer 2010 verwalten nun Mitarbeiter in Genf einen Großteil der Investments. Als Grund wurden die Ungewissheit über die Besteuerung der Banker und die Marktregulierungen in Großbritannien angegeben.

Och-Ziff Capital Management

Och-Ziff Capital Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 28,7 Milliarden US-Dollar

Deutschen Anleger könnte der Name durch dessen frühere Beteiligung am Windkraftanlagenbauer Nordex ein Begriff sein.

Soros Fund Management

Soros Fund Management 

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 27,0 Milliarden US-Dollar

Der Quantum Fund von George Soros brachte seit seiner Gründung im Jahr 1973 bisher 35 Milliarden US-Dollar ein – nach Abzug sämtlicher Gebühren. Seine Anlagenstrategien basieren auf der Analyse von tatsächlichen oder vermeintlichen makroökonomischen Trends in verschiedenen Ländern. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, vom Druck auf Währungen zu profitieren. Dies kommt nicht von ungefähr: 1992 wette Soros gegen die Bank of England auf eine Abwertung des englischen Pfunds und verdiente damit mehr als eine Milliarde Dollar.

BlackRock

BlackRock

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 26,6 Milliarden US-Dollar

Durch den Kauf der Vermögensverwaltung der britischen Barclays Bank zum größten Aktionär Deutschlands aufgestiegen. In der Finanzwelt ist die Gesellschaft für ihr einzigartiges Risikomanagement bekannt. Über 5.000 vernetzte Computer spielen rund um die Uhr alle erdenklichen Szenarien eines Geschäfts durch.

Highbridge Capital Management

Highbridge Capital Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 25,0 Milliarden US-Dollar.

Tochter von JPMorgan. War zeitweise an der deutschen Immobiliengesellschaft Gagfah beteiligt.

BlueCrest Capital Management

BlueCrest Capital Management

Sitz in London. Verwaltetes Vermögen: 24,5 Milliarden US-Dollar

 Konkurrent Man Group verkaufte Ende März seinen Anteil von 25,5 Prozent wieder zurück an Bluecrest. Zudem sorgte die Firma ähnlich wie Brevan Howard Asset Management mit dem Umzug in die Schweiz für Aufsehen. Seit Sommer 2010 verwalten nun Mitarbeiter in Genf einen Großteil der Investments. Als Grund wurden die Ungewissheit über die Besteuerung der Banker und die Marktregulierungen in Großbritannien angegeben.

Baupost Group

Baupost Group

Sitz in Boston. Verwaltetes Vermögen: 24 Milliarden US-Dollar

Gründer und Präsident ist Seth Klarman. Die Gesellschaft verwaltet das Geld für vermögende Familien und Einzelpersonen in liquiden Kapitalanlagen.

Cerberus Capital Management

Cerberus Capital Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 24 Milliarden US-Dollar

Beteiligt sich an Unternehmen und veräußert sie nach Umstrukturierung weiter. In Deutschland ist die Gesellschaft durch den Kauf von Handelsimmobilien in Erscheinung getreten. Zuletzt mit dem Kauf von Großmärkten die an die Metro vermietet werden.

Angelo Gordon & Co

Angelo Gordon & Co.

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 23,5 Milliarden US-Dollar

1988 von den beiden ehemaligen LF Rothschild-Bankern John Angelo und Michael Gordon gegründet. Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Immobilien und Distressed Securities. Bei letzteren handelt es sich um Wertpapiere von Emittenten, die sich in einer wirtschaftlichen Notlage befinden, aufgrund dessen Zahlungsausfälle drohen oder bereits eingetreten sind. Dies kann ein in die Krise geratenes Schwellenland sein, meist handelt es sich aber um ein finanziell angeschlagenes Unternehmen.

Farallon Capital Management

Farallon Capital Management

Sitz in San Francisco. Verwaltetes Vermögen: 21,5 Milliarden US-Dollar

Von Thomas Steyer im Jahr 1986 gegründet, verwaltet die Gesellschaft in erster Linie Geld für College-Stiftungen, Stiftungen und vermögende Privatpersonen. Seine Firma benannte Steyer nach den Farallon-Inseln, einer Gruppe vulkanischer Inseln und Felsen vor der Küste San Franciscos.

Winton Capital Management

Winton Capital Management

Sitz in London. Verwaltetes Vermögen: 20 Milliarden US-Dollar

Der Neueinsteiger in den Top20. Gegründet 1987 vom britischen Mathematiker und Unternehmer David Winton Harding. Seit 1997 besitzt Goldman Sachs 10 Prozent an der Gesellschaft. Auf ihrer Homepage weist das Unternehmen auf seine Forschung rund um die Themen Finanzmathematik, statistische Analyse historischer Marktdaten und die Entwicklung von Handelssystemen unter Verwendung von mathematischen Algorithmen hin.

King Street Capital Management

King Street Capital Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 19,9 Milliarden US-Dollar

Gegründet 1995 von Brian J. Higgins, and Francis Biondi Jr.

Die Investitionen der Firma umfassen Public Equity- und Anleihe-Märkte weltweit mit dem Schwerpunkt auf notleidende Unternehmen, Aktien, Anleihen, Devisen, Optionsscheine und Optionen.

Goldman Sachs Asset Management

Goldman Sachs Asset Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 19,8 Milliarden US-Dollar

Gegründet 1988. Offen für private und institutionelle Investoren. Neben der Beratung von  Universitäten, Wohlfahrtsverbänden und Stiftungen unterstützt der Hedge-Fonds-Arm von Goldman auch Konzerne bei der Erfüllung von Pensionsverpflichtungen.

Canyon Partners

Canyon Partners

Sitz in Los Angeles. Verwaltetes Vermögen: 19 Milliarden US-Dollar

Die 1990 gegründete Gesellschaft kümmert sich um vermögende Privatkunden und institutionelle Anleger weltweit. Das Unternehmen bezeichnet seinen Ansatz selbst als risikoscheu und ereignisgesteuert und investiert in alle wesentlichen Asset-Klassen, inklusive unter anderem Bankschulden, Distressed Securities und verbriefte Forderungen.

Renaissance Tec.

Renaisssance Tec.

Sitz in East Setauket, USA. Verwaltetes Vermögen: 17,1 Milliarden US-Dollar

1982 vom Mathematiker James Harris Simons gegründet.

Seine für Kunden und die derzeit etwa 275 Mitarbeiter angepeilte überdurchschnittliche Rendite erzielt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge durch das Festhalten an mathematischen und statistischen Methoden. Simons selbst tritt wie andere Milliardäre in den USA mehr und mehr durch seine großzügigen Spenden an Forschungseinrichtungen in Erscheinung.

Elliott Management

Elliott Management

Sitz in New York. Verwaltetes Vermögen: 17,1 Milliarden US-Dollar

Chef Paul Singer gründete 1977 die Gesellschaft Elliott Associates. Der Hedge-Fonds war zuletzt mit einer Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in den Medien. Dabei ging es um die Auszahlung von argentinischen Staatsanleihen, die aufgrund des Staatsbankrotts im Jahr 2001 weitgehend ausgefallen seien.

KfW wird strengerer Aufsicht unterworfen
Außerdem machte der Finanzausschuss den Weg frei für einen Gesetzentwurf der Bundesregierung, mit dem die staatliche Förderbank KfW einer strengeren Aufsicht unterworfen wird. Das Gesetz sieht vor, dass das Bundesfinanzministerium eine Rechtsverordnung darüber erlässt, welche für normale Geldinstitute gelten Aufsichtsregeln künftig auch für die KfW gelten werden. Ihre Einhaltung soll von der Bankenaufsicht BaFin und der Bundesbank kontrolliert werden.

Die KfW ist mittlerweile das drittgrößte Kreditinstitut in Deutschland. Seit der Finanzkrise 2008 waren ihr von der Politik immer mehr Aufgaben übertragen worden. Bereits heute hält sie auf freiwilliger Basis weite Teile der Kontrollvorschriften ein, die normale Geschäftsbanken erfüllen müssen.

Beide Gesetzesvorhaben sollen noch vor der parlamentarischen Sommerpause verabschiedet werden.

Von

rtr

Kommentare (2)

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KWB

24.04.2013, 18:25 Uhr

Hier können wir wieder einmal sehen, von welch schlichten Geistern wir regiert werden und wie die Profi-Lobbyisten das geschickt ausnutzen. Die Einteilung in Privatanlegern, institutionellen Investoren und semi-professionellen Anleger zeigt, dass die Politik nichts gelernt und verstanden hat. Sie verwechselt wieder mal Status mit Qualifikation: der Privatanleger ist der schutzbedürftige Depp, die anderen die Profis. Dabei hat die Finanzkrise deutlich gezeigt wieviele naive Deppen die Finanzbranche beschäftigt. Dagegen ist so mancher Privatinvestor relativ gut durch die Krise gekommen - auch ohne Bankenrettung. Jetzt werden die Privaten wieder staatlich bevormundet und die Finanzverkäufer werden dafür die "passende" Produkte und Regeln kreieren.

Account gelöscht!

23.07.2013, 20:14 Uhr

Das ist schon total witzig. Angenommen es sei ein Portfoliomanager eines Hedgefonds (der irgendwo ganz offiziell in der EU existiert), der darf als "Privatanleger" dann keine Anteile an demselben Fonds erwerben, den er/sie selber verwaltet. So sind die Gesetze. Tagsüber von Montag bis Freitag ist ein und dieselbe Person clever genug einen Hedgefonds zu verwalten, und wenn er seine Badelatschen anzieht ist er per Gesetzesdefinition zu doof dafür.

Ja das mit dem schützeswerten Privatanleger war schon immer absurd.
- Wenn ich privat eine Firma gründe ist alles Ok, aber wenn ich in einen Private Equity Fonds investiere sei ich dafür zu doof.
- Wenn ich privat Optionen auf Margin leerverkaufe ist alles Ok, aber für einen Hedgfondsinvestment sei ich dafür zu doof.
- Wenn ich mir eine Immobilien (zum Vermieten) kaufe ist es Ok, wenn ich in einen Immobilienfonds investiere sei ich dafür zu doof.

Gesetze waren noch nie dafür da (Ok vielleicht ganz viel früher mal, irgendwann bevor ich geboren wurde), dass die irgendeinen Sinn ergeben, sondern müssen schön komplex, sinnfrei und unlogisch sein, damit Gesetze auch als ABM-Maßnahme für Anwälte funktionieren.

Eigentlich kann ich jeden Privatanleger nur empfehlen wirklich keine Fonds mehr zu kaufen. Dafür braucht man sich nur die Kostenstruktur von KAGs angucken, wo der größte Batzen der Feeeinnahmen für Vertrieb (d.h. man bezahlt dafür gesetzlich legal belogen zu werden), "Compliance" (d.h. ein Haufen von Leute die versuchen Gesetze zu verstehen), "Risikomanagement" (d.h. bei KAGs sind das i.d.R. potemkinsche Dörfer die für den Gesetzgeber aufbaut wurden) drauf. Am Ende bleibt dann nicht viel übrig für die Kerndienstleistung. Hmm was war das nochmal? Achja Portfoliomanagement, genau. Und wegen "Chinese Walls" tragen die zuvor genannten Wasserkopffunktionen auch garnichts (z.B. ökonomisch relevanten Informationen) zur Kerndienstleistung hinzu (Ist ja per Gesetz so oder so nicht erlaubt).

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