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01.01.2013

15:29 Uhr

Gottfried Heller

„Das Gespenst lässt sich nicht unterm Teppich halten“

VonGottfried Heller

Die Krise ist noch nicht vorbei – welche Gefahren im neuen Jahr an den Finanzmärkten drohen. Und warum sich ein Börseneinstieg trotzdem noch lohnt, wenn Anleger einige Tipps für ihr Depot beachten.

Gottfried Heller, Vermögensverwalter, Anlageberater und Buchautor in seinem Münchener Büro.

Gottfried Heller, Vermögensverwalter, Anlageberater und Buchautor in seinem Münchener Büro.

München2012 war das Jahr der Euro-Krise. Die Euro-Retter waren pausenlos im Einsatz. Daher war es nicht überraschend, dass „Rettungsroutine“ zum Unwort des Jahres gewählt wurde. In den einzelnen Schuldnerländern wurden schmerzhafte Reformen eingeleitet und dauerhafte Rettungsschirme installiert. Nirgendwo sonst in er Welt ging es so dramatisch zu, wie in der Euro-Zone.

Wer aber auf die aktuellen Kursstände der Börsen blickt, stellt fest, dass der deutsche Aktienindex Dax trotz der Turbulenzen und einem scharfen Rückschlag von Mitte März bis Ende Mai, bei dem er 17 Prozent einbüßte, am Ende des Jahres mit einem Kursplus von fast 30 Prozent an der Spitze aller Börsen steht.

Auch der Euro Stoxx konnte ein Kursplus von 14 Prozent verbuchen und lag damit gleichauf mit dem amerikanischen S&P 500. Besonders bemerkenswert ist, dass der Dax-Volatilitätsindex, das Angstbarometer, wieder auf dem niedrigsten Stand steht wie 2007, vor Ausbruch der Immobilienkrise in den USA. Ist die Krise etwa vorbei? Keinesfalls.

Gottfried Heller

Ausbildung in Deutschland

Gottfried Heller ist 1935 in Weissach im Tal geboren. Nach einem Ingenieurstudium arbeitete er als Unternehmensberater.

Ausbildung in den USA

1963 ging Heller in die USA, wo er als Unternehmensberater arbeitete und daneben an der Abenduniversität der New York University Geschichte und Journalismus studierte sowie Kurse über Börsenkunde und Finanzanalyse besuchte.

Vermögensverwalter und Fondsmanager

1971 gründete er gemeinsam mit der Börsenlegende André Kostolany die Vermögensverwaltung Fiduka in München. Ende 2008 schied er aus der Geschäftsführung aus und ist seither in der Fiduka als Gesellschafter und Senior Partner weiter aktiv.

Die Wohlstandsrevolution

1992 erschien Hellers Buch „Die Wohlstandsrevolution“. Darin wies er schon früh auf den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg der Schwellenländer, deren wachsenden Wohlstand und die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung hin.

Der einfache Weg zum Wohlstand

2012 beschrieb Heller in seinem Buch „Der einfache Weg zum Wohlstand“, welche Strategien in einer radikal veränderten Finanzwelt noch taugen, warum sich Anleger an Aktien herantrauen sollten und worauf sie bei der Gestaltung ihres Depots achten müssen.

Ein Blick auf die Fundamentaldaten der Schuldnerländer zeigt zwar, dass eine ganze Menge getan wurde und dass dies auch Wirkung zeigt. Die Haushaltsdefizite sind deutlich gesenkt worden, auf den Arbeits- und Gütermärkten wurden wichtige Reformen vorgenommen und die Lohnstückkosten sind in einzelnen Peripherieländern um zehn bis 15 Prozent gefallen. Dadurch ist die Wettbewerbsfähigkeit gestiegen.

Insgesamt hat vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht, noch in diesem Jahr alle Vorkehrungen zu treffen, damit im nächsten Jahr im Wahlkampf zum Bundestag im September weitgehend Ruhe herrscht an der Europa-Front.

Trends und Entwicklungen

Das bestimmt die Zukunft

In seinem Buch „Der einfache Weg zum Wohlstand“ nennt Gottfried Heller sieben Trends, die seiner Meinung nach die Zukunft der Welt und insbesondere der Finanzmärkte bestimmen werden.

1. Die Weltwirtschaft wächst langsamer

Als Hauptgründe für ein verlangsamtes Wachstum der Weltwirtschaft nennt Heller das nachlassende Wachstum der Schwellenländer, den Sparzwang der Industrieländer, die knapper werdenden Ressourcen sowie eine alternde Weltbevölkerung und steigende Arbeitslosigkeit.

2. Eine neue Finanzarchitektur entsteht

Ähnlich wie nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 dürfte laut Heller nach den Katastrophenjahren eine längere Zeit mit weniger Krise folgen, in der sich die Finanzmärkte stabilisieren.

3. Die Inflation nimmt zu

Hauptgrund ist die seit 2008 anhaltende Geldflut der Notenbanken. Bis 2014 wollen EZB und Fed die Zinsen niedrig halten.

4. Die Zinsen sinken nicht mehr

Nach 30 Jahren geht laut Heller der Trend der sinkenden Zinsen zu Ende. Die Renditen für Staatsanleihen sind auf einem Tiefpunkt. Wenn nicht mehr so viele Anleger in Anleihen als sichere Häfen fliehen und die Notenbanken nicht mehr „manipulieren“ sei wieder mit Zinsen von fünf bis sechs Prozent zu rechnen.

5. Ein freundlicher Börsenzyklus beginnt

Nach über zehn Jahren mit verlustreichen Börsenphasen sollte es wieder aufwärts gehen, das zeigt ein Vergleich mit vergangenen Krisenzeiten. Zudem sind die Aktien billig bewertet. Hellers Fazit: „Bei so niedrigen Aktienbewertungen wie heute ist das mögliche Gewinnpotenzial deutlich größer als das Verlustrisiko.“

6. Der Euro liegt in den Händen der Politik

„Ökonomisch macht der Euro keinen Sinn“, ist Euro-Kritiker Heller überzeugt. Deshalb werde auch die Politik über seine Lebensdauer entscheiden. Euro-Land bleibe jedenfalls eine „Problemzone“.

7. Die Schwellenländer sind im Aufschwung

Noch wachsen in den Schwellenländern die Bevölkerung und die Wirtschaft – das macht Aktien aus diesen Regionen interessant.

Aber schon jetzt droht Zypern, drittkleinstes Mitglied der Währungsunion, die Ruhe zu stören. Betrachtet man zwar die Unsummen, die für Rettungsaktionen und Schuldenschnitte bereits aufgewendet wurden, sehen die 17 Milliarden Euro, die Zypern braucht, wie Peanuts aus. Doch setzt man diese Summe ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung des Landes, dann zeigt sich, dass das Darlehen fast 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht.

Kommentare (28)

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forenfux

01.01.2013, 16:18 Uhr

Alles gut, schön und sicher richtig, was Herr Heller sagt. Aber leider ist bei internationalen Anlagen auch immer die Besteuerung ein Thema. Die macht eine theoretische sinnvolle regionale Streuung dann doch wieder unattraktiv.

Steuersparer

01.01.2013, 16:29 Uhr

Hatte meine Steuer daher zur Hälfte in Aktien angelegt. Wenn ich den Betrag brauchen sollte, kann ich z.Zt. im Plus verkaufen.

DoktorDip

01.01.2013, 16:31 Uhr

Da fahren Sie aber einen heissen Reifen - muss jeder selber wissen, wie weit er mit zur Zahlung anstehenden Beträgen zwischenzeitlich ins Risiko geht..

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