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12.09.2012

08:02 Uhr

Graham Clapp im Interview

„Ich bin ein überzeugter Aktieninvestor“

VonDörte Jochims

Graham Clapp hat sich als Fondsmanager einen Namen gemacht. Seit 2008 managt er zwei Fonds, mit denen er auch auf fallende Kurse setzen kann. Im Interview erklärt er, warum es nicht ausreicht, gute Aktien auszuwählen.

Graham Clapp hat sich bei Fidelity einen Namen gemacht. Fidelity Investments International

Graham Clapp hat sich bei Fidelity einen Namen gemacht.

Mr. Clapp, Sie sind vielen Investoren in Deutschland vor allem als Manager des Aktienfonds Fidelity European Growth bekannt. Unter Ihrer Ägide zählte das Portfolio zeitweise zu den besten und meistverkauften Portfolios in Deutschland. Unlängst wechselte bei diesem Fonds der Manager. Würden Sie manchmal gern Ihren jetzigen Job mit dem neuen Verantwortlichen Matt Siddle tauschen?

Nein, keineswegs. Ich bin sehr zufrieden damit, zwei Long-Short-Fonds bei Pensato aufgelegt zu haben. Zudem ist Matt Siddle eine hervorragende Wahl für diesen Job. Ich kenne ihn gut, denn er war zwei Jahre lang mein Assistent. Ihm dürfte auch helfen, dass das Fondsvolumen inzwischen wieder etwas zurückgekommen ist.

Unter ihrer Ägide wurde das hohe Volumen zum Problem. So waren zeitweise mehr als 20 Milliarden Euro im Fonds investiert. Gleichzeitig haben Sie vor allem mit Midcaps Geld verdient.  Das dürfte bei diesem Volumen schwierig gewesen sein. Warum haben Sie bei Pensato nicht einfach einen europäischen Aktienfonds aufgelegt, der ähnlich investiert hätte wie das Fidelity-Portfolio?

Im Zuge der Finanzkrise war damals zu wenig Liquidität in den Aktienmärkten. Vor allem bei Midcaps verschärfte sich die Situation zunehmend. Heute sind bei uns rund 300 Millionen Euro investiert. Ich hätte dieses Problem mit einem ähnlichen Fonds bei Pensato tatsächlich nicht. Doch die Aktienmärkte sind seit einigen Jahren auch auf Grund der politischen Situation äußerst volatil. Bei Aktienfonds können Sie als Stock Picker heute richtig gut sein und dennoch Geld verlieren. Ich würde sagen, etwa 20 Prozent der Performance hängen seit Ausbruch der Krise an der Aktienauswahl. 80 Prozent machen Marktschwankungen aus.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Und wie gehen Sie mit diesen Schwankungen um?

Bei Pensato können wir short gehen, dürfen also leer verkaufen. Wir hedgen dabei einzelne Positionen ab, gehen jedoch keine Wetten auf Märkte oder Portfoliostrukturen ein. Unser Ziel ist es, auf Sicht von einem Jahr positive Ergebnisse zu erzielen. Im Klartext: Wir setzen auf Aktien, von denen wir überzeugt sind, dass sie besser abschneiden als der Markt. Dann versuchen wir, das Marktrisiko weitgehend auszuschließen. Unsere Anleger sollen nur das Risiko tragen, dass eine Aktie stärker fällt als der Markt. Zeitweise können zwar auch unsere Titel in unruhigen Zeiten zurückfallen. Aber der Markt korrigiert solche Fehlbewertungen meist rasch.

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