Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.04.2015

19:10 Uhr

Griechenland

Das große Grexit-Spiel

VonJürgen Röder

Die Zeit läuft ab für Griechenland. Anfang April muss das Land 400 Millionen Euro überweisen. Unklar, wo das Geld herkommen soll. Doch Anleger kümmert das nicht. Sie spekulieren massiv auf eine Rettung in letzter Minute.

Schneller Gewinn? Griechische Aktien sind nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Getty Images

Alles setzen oder alles verlieren?

Schneller Gewinn? Griechische Aktien sind nichts für Anleger mit schwachen Nerven.

DüsseldorfDie Zahlen vom griechischen Aktienmarkt sprechen für sich: Fast die Hälfte des Wertes hat der griechische Auswahlindex ASE in den vergangenen zwölf Monaten verloren – trotz einer Aktienhausse in den USA und Europa.
Von dem Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank profitierten die griechischen Aktien überhaupt nicht. Im ersten Quartal gab der ASE 6,5 Prozent nach.

Und die Bankaktien, von denen die meisten nur noch den Wert eines Pennystocks haben, erreichten am 19. März ein neues Rekordtief. Der griechische Aktienmarkt war der einzige in Europa mit einem Verlust im ersten Quartal 2015.

Varoufakis im Gastkommentar: „Das Schwarzer-Peter-Spiel muss aufhören“

Varoufakis im Gastkommentar

Premium Schluss mit Schwarzer Peter

Yanis Varoufakis fordert deutsche und griechische Politiker auf, sich nicht mehr zu beschimpfen.

Im Gegensatz dazu stiegen die Aktienmärkte in Deutschland, Italien und Portugal in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent. Der umfassende Euro Stoxx 600 legte um 17 Prozent zu. Es war der größte Quartalsgewinn seit 2009.

Doch trotz dieser miserablen Zahlen am Aktienmarkt im Tsipras-Land und der ungewissen Aussichten, ob die Griechen in der Euro-Zone bleiben können und nicht doch Insolvenz an melden müssen: Anleger kaufen verstärkt griechische Aktien. „Diese Investoren möchten die ersten im Markt sein“, meint Andreas Kontogouris von der Investmentgesellschaft Beta Securities gegenüber Bloomberg. Sie sind offenbar mutig genug, um schon Wetten auf eine bessere Zukunft einzugehen. Schließlich sind hohe Renditen möglich, sollte das Land sich reformieren. Für Kontogouris gibt es durchaus eine Chance, dass Griechenland im Juni mit Reformen beginnt.

Nach Informationen des Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg ziehen börsengehandelte Indexfonds (ETF) jede Woche neue Gelder an. Auch der ETF des Anbieters Lyxor (WKN LYX0BF) wird seit Ende Februar 2015 verstärkt nachgefragt.

Fallstricke: Was für Griechenland noch alles schiefgehen könnte

Anhaltende Probleme

Griechenland steht auch fünf Jahre nach den ersten Kredithilfen vor einem Berg von Schwierigkeiten. Seit nunmehr anderthalb Monaten regiert die Links-rechts-Regierung in Athen. Die Liste an Fallstricken und Problemen ist indes lang. (Quelle: dpa)

Finanznot

Der Regierung geht das Geld aus. Sie kratzt die letzten Mittel zusammen, selbst die Rentenkassen werden angezapft. Im März muss Griechenland noch Verpflichtungen von rund sieben Milliarden Euro erfüllen. Ein Kassensturz soll Klarheit bringen – das verlangen die Geldgeber.

Zeitdruck

Dem linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras läuft die Zeit davon. Bis April soll die Regierung den Geldgebern eine tragfähige Liste von Reformen und Einsparungen vorlegen, bevor weitere Kredithilfen fließen. Diese werden längerfristig aber nicht reichen, es müssen neue Schuldenlösungen oder Konzepte her.

EZB-Zoff

Der neue Finanzminister Yanis Varoufakis liefert sich nicht nur mit den Kreditgebern, allen voran Deutschland, ideologische Gefechte, er stellt auch immer wieder die Europäische Zentralbank an den Pranger. Griechenland hängt jedoch am Tropf der EZB, der Hüterin des Euro.

Steuersünder

Wie schwierig es für die Regierung ist, die Kassen aufzufüllen, zeigen ihre jüngsten Reformvorschläge. Die Mentalität der Steuerverweigerung sitze so tief, dass Hausfrauen, Studenten oder auch Touristen als Amateur-Steuerfahnder eingesetzt werden sollen.

Kapitalflucht

Zwar steht die Mehrheit der Griechen jüngsten Umfragen zufolge weiter hinter der Regierung. Doch die Sorge vor der unsicheren Zukunft hat viele Griechen veranlasst, Gelder in Milliardenhöhe von ihren Konten abzuziehen. Das verlorene Vertrauen im In- und Ausland zurückzugewinnen, ist eines der größten Probleme.

Grexit/Graccident

Tsipras will nach eigenem Bekunden keinen Euro-Austritt („Grexit“), denn die Folgen sind unabsehbar. Ein versehentliches Herausfallen aus dem Euro („Graccident“) wird von Ökonomen nicht ausgeschlossen – wenn die Verhandlungen mit den Euro-Partnern scheitern, Chaos ausbricht, die Griechen ihre Konten plündern, Renten und Gehälter nicht mehr gezahlt werden. Dann, so das angenommene Szenario, wäre Athen zahlungsunfähig und müsste sein Heil in einer neuen Drachme suchen.

Das ausstehende Volumen an Fondsanteilen des passiven Investmentvehikels, das die Wertentwicklung des Auswahlindex Athex 20 nachbildet, ist seitdem deutlich gestiegen. Es beläuft sich derzeit auf 180 Millionen Stück. Im November und Dezember 2014, noch vor den Wahlen im südeuropäischen Land, belief sich das Volumen bei 150 bis 160 Millionen Stück.

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Fritz Yoski

31.03.2015, 13:54 Uhr

"Doch Anleger kümmert das nicht. Sie spekulieren massiv auf eine Rettung in letzter Minute."
Die Euro-Retter sind doch mal wieder voll in ihrem Element. Goldman-Sachs, Deutsche Bank, Soros & Co machen den Reibach und der Steuerzahler darf zahlen. Das ist auch gut so denn er waehlt ja immer wieder mit Begeisterung die Euro-Retter ins Amt. Wer die Musik bestellt der soll sie auch bezahlen.

Herr Robert Behrendt

31.03.2015, 14:01 Uhr

Die Betonung liegt auf dem Wort "Spekulieren", Bei einer Spekulaton ist auch die Möglichkeit des Scheiterns eingeschlossen. Wenn das alles, was Black Rock und GS tun, so attraktiv ist, warum springen dann Privatinvestoren wie z. B. Herr Fritz Yoski auf den vermeintlich sichern Zug auf und beklagen sich statt dessen lauthals.

Herr Jordache Gehrli

31.03.2015, 14:02 Uhr

Wo das Geld herkommen soll?? Na von Pkt. 19 der Liste:
"Alle Griechen melden sich ab sofort bei Günther Jauch an und spielen Lotto. Die Gewinne sind in bar beim griechischen Finanzamt abzugeben" Hieraus will Griechenland in diesem Jahr 1,5 Milliarden Mehreinnahmen erzielen! ;-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×