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21.01.2014

07:59 Uhr

Hannover Leasing

Happy End für Filmfondsanleger

ExklusivÜber Jahre stritten Hannover Leasing und das Finanzamt München um Verlustzuweisungen für einen Filmfonds. Nun hat der Fondsanbieter einen Musterprozess gewonnen. Doch die Gerichtsentscheidung kann noch gekippt werden.

Anleger, die die Steuernachforderungen zahlten, können sich nun über die Rückzahlung plus Zinsen freuen. dpa

Anleger, die die Steuernachforderungen zahlten, können sich nun über die Rückzahlung plus Zinsen freuen.

DüsseldorfDem Fondsanbieter Hannover Leasing ist es nach eigener Einschätzung gelungen, 13.000 Anlegern Steuervorteile im Volumen von einer Milliarde Euro zu sichern. In einem über Jahre währenden Streit über steuermindernde Verlustzuweisungen für den Filmfonds „Lord of the Rings – Episode II“ gewann die Tochtergesellschaft von Helaba und hessisch-thüringischen Sparkassen am 19. Dezember 2013 einen Musterprozess vor dem Finanzgericht München gegen das Finanzamt München (Az.: 1 K 2603/11). Wie das Handelsblatt berichtet, muss das Finanzamt nun die ursprünglich von Hannover Leasing versprochenen Steuervorteile anerkennen.

„Wir hoffen, dass die Finanzverwaltung unsere übrigen sieben betroffenen Fonds genauso behandelt“, sagt HL-Geschäftsführer Andreas Ahlmann dem Handelsblatt. Zwar ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig, doch Ahlmann rechnet nicht damit, dass das Finanzamt noch einmal versucht, die auf 90 Seiten begründete Gerichtsentscheidung zu kippen. Er stützt sich dabei auf Aussagen von Experten. Das für das Finanzamt zuständige bayerische Landesamt für Steuern äußerte sich auf Anfrage mit dem Hinweis auf das Steuergeheimnis nicht zu den Plänen des Finanzamts.

So checken Sie Ihre geschlossenen Fonds

Ratings

Einige Agenturen bewerten geschlossene Fonds. Doch gute Noten zum Emissionszeitpunkt sagen wenig aus, befinden Experten von Finanztest (Ausgabe 11/2012). Für ein Urteil müsse bezahlt werden. Daher würden schlechte Noten kaum publiziert. Zudem hätten fast alle Agenturen bei Fonds gejubelt, die später in die Pleite schlitterten. Tatsächlich sollte eine Note allein niemals ausschlaggebend für den Kauf sein.

Aber Ratingberichte können dennoch für Anleger eine gute Quellen sein. Hier lohnt ein Klick auf die Seite der Ratingagentur Scope unter www.scope-ratings.com. Sie können den Namen Ihrer Fondsgesellschaft ins Suchfeld eingeben und erhalten dann eine Reihe von Analysen zu aktuell aufgelegten Portfolios. Wenn Sie danach die Detailanalyse anklicken, erhalten Sie einen mehrseitigen Ratingbericht des Hauses zu den jeweiligen Fonds. Die Analysen gehen dabei bis August 2010 zurück. Auch bei der G.U.B. (Gesellschaft für Unternehmensanalyse und Beteiligungsmanagement mbH) können Sie unter www.gub-analyse.de Ratingberichte lesen.

Emittent

Welche Erfahrungen hat der Emittent Ihres Fonds mit ähnlichen Portfolios und wo gab es Krisen. Unter www.fondsmedia.com finden Sie ausführliche Ratingberichte ausgewählter Fonds, aber auch Research zu den Emittenten. www.fondstelegramm.de bietet ebenfalls Analysen und News zu Beteiligungsmodellen und einzelnen Fondsanbietern.

Marktentwicklung

Egal ob Containerschiffe oder Auslandsimmobilie – wenn Sie auf Jahrzehnte investieren, müssen Sie den jeweiligen Markt im Blick haben. Hochklassige Marktstudien im Bereich Immobilien finden Sie beispielsweise unter http://frr.feri.de/de/produkte-dienstleistungen/immobilien/.  

Geschäftsmodell

Entscheidend für den Erfolg des Fonds ist, ob die Geschäftsidee, die in einer Art Business Plan präsentiert wird, wirklich aufgeht. Dazu müssen Sie als Anleger wie ein Unternehmer denken und ins Detail gehen. So sollten Sie Fragen nach den Aussichten des spezifischen Anlagesegments Ihres Fonds stellen: Investiert ein Immobilienfonds also beispielsweise in Büroimmobilien oder in Wohnobjekte? Wie ist es um die Lage der Objekte bestellt? Wie sicher sind die Mietverträge?

Prognose

Um Renditeversprechungen der Initiatoren zu beurteilen, sollten Sie auch die Ergebnisse von Fonds, die bereits geschlossen haben, ins Kalkül ziehen. So hat der Verband der geschlossenen Fondsemittenten (VGF) Ende 2012 alle Fonds der VGF-Mitglieder analysiert, die bis zum Berichtsjahr 2010 aufgelöst wurden. Insgesamt wurden 799 Portfolios ausgewertet, darunter 322 Immobilienfonds, 280 Schiffsfonds und 128 Flugzeugfonds. Die durchschnittliche Laufzeit lag bei 9,7 Jahren. Der durchschnittliche Vermögenszuwachs betrug 48 Prozent. Bei einer durchschnittlichen Laufzeit von  9,7 Jahren ergibt sich daraus eine Rendite von knapp vier Prozent per anno.

Von den 799 analysierten Fonds waren 147 Fonds nicht erfolgreich und haben ihren Anlegern Verluste beschert. Die Studie umfasst nur Titel von Mitgliedsunternehmen, die etwa 70 Prozent des Marktes abdecken. Fonds von Gesellschaften, die Pleite machten, wurden in dieser Analyse nicht berücksichtigt.

Kredite

Bei vielen geschlossenen Fonds werden Investments nicht nur mit den Einlagen der Anleger, sondern zusätzlich mit einem Kredit finanziert. Solange der effektive Zinssatz für die Kredite unterhalb der Rendite liegt, die mit der Anlage erzielt werden kann, steigert der Anbieter so die Rentabilität seiner Anlage. Steigt hingegen der Zins und übertrifft die erwartete Rendite der Anlage, verliert er überproportional. Ähnliches passiert, wenn die zu erwartende Rendite der Anlage negativ wird. Die Kreditquote sollte daher moderat ausfallen. So dürfen auf Grund einer neuen EU-Richtlinie geschlossene Fonds ab 2015 nur noch mit einem Kreditanteil von 60 Prozent arbeiten. Achten Sie darauf, dass Ihr Portfolio diese Grenze nicht überschreitet!

Steuervorteil

In der Vergangenheit wurden geschlossene Fonds oft als Steuerstundungsmodelle konstruiert: Sie wurden so aufgelegt, dass die Verluste in der Anfangsphase möglichst hoch ausfallen sollten, um dem Investor steuerliche Verlustzuweisungen zu verschaffen. Diese Möglichkeiten wurden vom Gesetzgeber 2005 deutlich eingeschränkt. Mit der Einführung des §15a und §15b EStG kann ein Anleger steuerrechtlich nur Verluste bis zur Höhe seiner Einlage verrechnen. Der Vorteil ist dadurch erheblich geringer. Die Besteuerung bleibt aber kompliziert. Wer investiert, konsultiert daher einen Steuerberater.

Das Finanzamt hatte bis zur Klärung des Sachverhaltes Anlegern auf Wunsch Aussetzung der Vollziehung gewährt, also die Steuernachforderungen nicht eingetrieben. Anleger die trotzdem zahlten, muss die Steuerbehörde nun die zu viel gezahlten Steuern plus sechs Prozent Zinsen zurückzahlen.

Das Steuerstundungsmodell Filmfonds erlebte in den Jahren 1998 bis 2005 einen Boom. Die Fonds erreichten ein Volumen von zwölf Milliarden Euro, Hannover Leasing zählte mit 1,9 Milliarden Euro zu den größten Anbietern.

Der Staat wollte den deutschen Film durch Steuersubventionen fördern. Menschen, die sich als Kommanditisten an einem Filmfonds beteiligten, erhielten Verlustzuweisung in Höhe der Einlage, so dass sich ihr zu versteuerndes Einkommen um diesen Betrag verminderte. Als der Staat bemerkte, das ihm zunächst Steuereinahmen in Milliardenhöhe verloren gingen und statt deutschen Filmen Hollywood-Produktionen finanziert wurden, stoppte er die Steuervorteile.

Von

rrl

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

21.01.2014, 10:03 Uhr

Das "Happy End" hält sich für die Zeichner von Medienfonds in äußerst engen Grenzen. Selbst wenn das Problem der steuerlichen Nichtanerkennung jetzt vom Tisch sein sollte, bleibt die Tatsache, daß sich fast alle Medienfonds für die Anleger als wirtschaftliche Totalschäden entpuppt haben. Das gilt gleichermaßen für die Medienfonds von Hannover Leasing, KGAL, LHI Kaledo,
GFP (Wulf-Freund Groenewold) etc. Fast alle Initiatoren haben mit viel Kreativität hunderte von Millionen Euro in
dubiosen Vertriebskanälen und anderen Netzwerken versickern lassen. Letztlich hat hier eine vorsätzliche und systematische Enteignung der (zugegebenermaßen oft
naiven) Anleger stattgefunden. Die juristische Aufarbeitung erweist sich wegen der internationalen Verstrickungen leider als äußerst schwierig. Außerdem sind einige Anwaltssozietäten, die von sogenannten Anlegerschutzvereinen empfohlen werden, dabei, in schönster Kumpanei mit den Initiatoren faule Vergleiche zulasten der Anleger auszuhandeln.

hermann.12

21.01.2014, 11:25 Uhr

@cicero2014,

Zum Verlustgeschäft wurden Filmfonds wegen der schon fast kriminell zu nennenden Politik des Staates verbindliche Zusagen zum Steuerkonzept im Nachhinein zu canceln.
Nicht jedes Anlagekonzept ist aufgegangen und neben dne genanten Intiatoren gab es auch weniger seriöse, aber wirtschaftlicher Totalschaden?
Dafür waren die Steueranreize ja da, damit das wirtschaftliche Risiko aufgefangen werden konnten.
Das wäre auch ok gewesen, wenn die Produktionen dann nicht ins Ausland abgewandert wären.
Da die Rendite bei dieser Art Fonds durch extrem kurze und dann niedrige Kapitalbindung bestimmt wurde, ist eine Totalverlust bei steuerlicher Anerkennung eigentlich ausgeschlossen.

Account gelöscht!

21.01.2014, 18:57 Uhr

Interessant, bitte dann nennen Sie Namen der Rechtsanwälte/ Anwalt-sozietäten. Haben Sie Belege/hinreichende Gründe zu Ihrer Behauptung/Annahme?

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