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17.05.2011

12:58 Uhr

Hedge-Fonds

Die geheimen Geldmacher der Wall Street

VonThorsten Giersch, Christian Panster

Wer schafft es, 27 Jahre lang eine Rendite von 39 Prozent einzufahren? Richtig: nur ein Hedge-Fonds. Die geheimnisvollen Fonds sind vielen ein Dorn im Auge. Dabei haben sie Banken einiges voraus.

John Paulson ist aktuell der große Star der Hedge-Fonds-Branche. Quelle: dpa

John Paulson ist aktuell der große Star der Hedge-Fonds-Branche.

Düsseldorf/FrankfurtDer erste Hedge-Fonds-Manager der Welt kam nicht von der Wall Street. Er war kein Banker, hatte nicht Wirtschaftswissenschaften studiert und trug auch keine Anzüge. Alfred Winslow Jones erhielt die wesentlichen Teile seiner Ausbildung auf einem Trampdampfer und studierte an der marxistischen Arbeiterschule in Berlin. Er agierte im Untergrund gegen die Nazis und verbrachte seine Flitterwochen an der Front des spanischen Bürgerkrieges.

Jones Lebensweg war von Wanderlust geprägt und das Gegenteil von gradlinig. Nach seiner Zeit auf dem Dampfer arbeitete er in der Exportbranche und als Statistiker bei einem Investmentberater. Per Zufall landete Jones im Außenministerium und kam als Vizekonsul nach Deutschland. 1948 bot ihm das Wirtschaftsmagazin Fortune die Chance, sich mit der Finanzbranche zu beschäftigen. Doch Jones schrieb nicht nur Artikel, er setzte seine Erkenntnisse auch in der Praxis um. Der Grund war recht einfach: Mit Ende 40 und zwei Kindern brauchte er Geld. So sammelte Jones von Freunden 40.000 Dollar ein und investierte sie in den von ihm geschaffenen ersten Hedge-Fonds der Geschichte.

Der Job eines Hedge-Fonds-Managers bestand zunächst darin, die akademische Sicht der Märkte ausnutzen. Von Mitte der 1960-Jahre bis Mitte der 80er-Jahre herrschte die Meinung vor, der Markt sei effizient und der Erfolg der Hedge-Fonds beruhe eher auf Glück. Der Crash von 1987 ließ diese Gewissheit kollabieren, die Zeit der Hedge-Fonds war endgültig gekommen. Wenn die Märkte nicht effizient waren, konnte man umso mehr Geld verdienen. Plötzlich wollten auch die Akademiker in Hedge-Fonds investieren.

Aber was sind eigentlich Hedge-Fonds und was bewegt die Größen der Zunft? Viel ist nicht überliefert über die geheimnisvollen Investoren: Sie gewinnen, wenn an den Börsen die Kurse steigen. Und sie gewinnen, wenn die Kurse fallen. Im Grunde also gewinnen Hedge-Fonds-Manager, die ihr Handwerk verstehen, immer. Und das macht sie verdächtig.

Kritiker sagen, sie seien, da sie niemand kontrolliere, eine Gefahr für die Finanzwelt. Weil sie zu hohe Risiken eingingen bei der Jagd nach immer höheren Gewinnen. Weil sie geliehenes Geld nähmen und damit spekulierten - auf Devisen, Anleihen, auf Aktien, Immobilienpreise oder Schweinebäuche. Weil die Kritiker befürchten, die Hedge-Fonds und ihre gierigen Manager könnten die nächste große Krise auslösen.

Sebastian Mallaby ist anderer Meinung. Der Brite, einst Journalist beim „Economist“, Kolumnist der „Washington Post“, ist an der Spitze des Council on Foreign Relations (CFR), einer der einflussreichen Denkfabriken in den USA. Drei Jahre hat er für „Mehr Geld als Gott“ recherchiert, das nun auf Deutsch erscheinen ist. Auf mehr als 500 Seiten schreibt er ein starkes Plädoyer für die Hedge-Fonds und ihre Manager, das bei seinem Erscheinen in der angelsächsischen Presse hochgelobt wurde.

Mallaby macht keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass sich die Finanzkrise „wahrscheinlich wiederholen“ wird: „An der Wall Street dreht sich das Rad weiter. Gier und Risiko werden uns immer begleiten.“ Die Hedge-Fonds sind seit rund 60 Jahren ein Teil dieses Rads – ein immer wichtigerer. Die Finanzkrise habe gezeigt, dass das System kaputt ist. „Aber sie hat eben nicht gezeigt, dass Hedge-Fonds dabei das Problem sind“, schreibt Mallaby.

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