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15.04.2013

15:00 Uhr

Hedge-Fonds-Manager

Paulson ruft zur Steuerflucht auf

Der bekannte US-Milliardär und Hedge-Fonds-Manager John Paulson demontiert sein eigenes Denkmal: Nach spektakulären Verlusten legt er nun einen umstrittenen Fonds auf. Anleger sollen damit vor allem Steuern sparen.

John Paulson will seinen Kunden zur Steuerflucht verhelfen. Reuters

John Paulson will seinen Kunden zur Steuerflucht verhelfen.

New YorkNach seinem spektakulären Verlusten mit Gold-Investitionen sorgt US-Milliardär John Paulson erneut für negative Schlagzeilen. Der Hedge-Fonds-Manager – der vergangene Woche mehr als 300 Millionen Dollar aus seiner Privatschatulle in den Sand gesetzt hat – will nun Investoren dabei helfen, ihre Einkommensteuerpflicht in den USA zu reduzieren. Dazu legt Paulson, der kürzlich selbst aus Steuergründen eine Übersiedlung nach Puerto Rico erwog, einen neuen Hedgefonds auf.

Paulsons 18 Milliarden Dollar schwere Hedge-Fonds-Gesellschaft hat potenzielle Investoren für den 24. April nach New York eingeladen. Dort wird Paulsen, 57, seinen neuen Premium-Fonds vorstellen, der als „Risiko-Arbitrage-Fonds für Investoren, die nach Möglichkeiten suchen, Einkommenssteuern zu reduzieren“, beschrieben wird.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Während der auf 75 Minuten angesetzten Präsentation ist auch eine Viertelstunde für eine Diskussion über Investments vorgesehen, bei denen die Steuerpflicht entweder ganz entfällt oder aber in die Zukunft verschoben wird. Das geht aus der Einladung hervor, die der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegt.

Nachdem Paulsons Hedgefonds in den vergangenen Jahren immer schlechter liefen, will er wohl Investoren mit anderen Mittel anlocken – und riskiert damit nicht nur die eigene Reputation. „Er ist offenbar mehr darauf bedacht, Einkommenssteuern zu vermeiden als Erträge für seine Investoren zu erzielen“, kommentiert Brad Alford, Chef von Alpha Capital. Er leitet einen Dach-Investmentfonds, der in Hedgefonds investiert. „Das rückt Milliardäre in schlechtes Licht“.

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Paulson, der 2007 mit Wetten gegen die US-Subprime-Hypotheken zum Milliardär wurde, erwog nach Puerto Rico umzuziehen, um die dortigen günstigen neuen Steuergesetze zu nutzen. Er verwarf die Idee im März wieder. Paulson versucht, sich von Verlusten bei einigen seiner Investmentstrategien in den letzten zwei Jahren zu erholen. Ein Sprecher für Paulsons Firma wollte sich zu dem geplanten neuen Hedgefonds nicht äußern.

Paulsons Advantage Plus Fund, einst Teil der wichtigsten Anlagestrategie seiner Gesellschaft, hat seit Ende 2010 rund 58 Prozent verloren. Das heißt, die Investoren mussten in den letzten beiden Jahren keine Steuern auf die Anlage zahlen. Fünf weitere Anlagestrategien von Paulson haben dieses Jahr unter ihren sogenannten Hochwassermarken begonnen, was die Investoren in eine günstige steuerliche Situation bringt.

Paulson und seine Mitarbeiter dürften von dem neuen Hedgefonds profitieren, denn auf sie entfallen 60 Prozent des Vermögens der Gesellschaft. Der Fusions-Fonds von Paulson hat seit Ende 1994 jährlich durchschnittlich 15 Prozent eingebracht und eine gehebelte Version hat seit Auflegung 2003 19 Prozent gewonnen. Diese Hedgefonds haben im ersten Quartal ihre Hochwassermarken überstiegen.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

15.04.2013, 16:40 Uhr


Aha, was sollen wir aus diesem Gehirnwäsche-Artikel lernen?
-> Legale Steuerflucht und Anlageformen, bei denen der Steuerstaat nicht voll zugreifen kann, z.B. legal sein Geld ins Ausland zu bringen, sind EIN VERBRECHEN.
(keine Ahnung, seit wann das so ist. Vermutlich seit "Zypern").

Der Staat braucht schließlich Geld um die Banken zu retten!

Vom HB-Lesen bekommen ich mittlerweile regelmäßig eine Gehirn-Erschütterung. Dermaßen viel Kopfschütteln ist bestimmt ungesund.

Der_ewige_Spekulant

15.04.2013, 17:15 Uhr

In den USA muss man auf Kapitaleinkünfte nur 15% Steuern zahlen - und selbst das ist denen zu viel.

Paulson und George Soros sind Brüder im Geister (...)


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

RumpelstilzchenA

15.04.2013, 17:44 Uhr

Die Kapitalverbrecher kommen langsam aus der Deckung!

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