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06.01.2010

08:12 Uhr

Hedge-Fonds

Neue Vorwürfe im US-Insiderskandal

VonAstrid Dörner

Der wegen Insidertrading angeklagte Hedge-Fonds-Gründer Raj Rajaratnam muss mit weiteren Vorwürfen rechnen. Die US-Staatsanwaltschaft will ihre Anklage gegen den im Oktober verhafteten Milliardär ausweiten, kündigte sie am späten Dienstagabend an. Nach neuen Erkenntnissen wird Rajaratnam nun zum ersten Mal beschuldigt, einen Informanten bezahlt zu haben.

Raj Rajaratnam steht mit seinem Hedge-Fonds Galleon im Zentrum des US-Insiderskandals. Quelle: Reuters

Raj Rajaratnam steht mit seinem Hedge-Fonds Galleon im Zentrum des US-Insiderskandals.

NEW YORK. Bislang war die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, der Chef und Gründer des Hedge-Fonds Galleon habe mit illegalen Informationen gehandelt. In dem konkreten Fall geht es unter anderem um einen Tipp zu der Übernahme von ATI Technologies durch den Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD), den Rajaratnam 2006 bekommen haben soll. Der 52-Jährige habe dem Informanten eine nicht weiter spezifizierte Summe gezahlt und durch entsprechende Aktienkäufe illegale Gewinne in Höhe von 19 Mio. Dollar erzielt, so die Staatsanwaltschaft. Dadurch würde sich die Gesamtsumme der aus Insidertrading erzielten Profite auf 36 Mio. Dollar fast verdoppeln. Rajaratnam habe seit etwa 2004 „umfangreiche Zahlungen für Insider-Informationen geleistet“, hieß es.

Der Fall Galleon gilt als der größte Fall von Handel mit illegalen Informationen in der Hedge-Fonds-Branche. In die Affäre sind inzwischen über 20 Beschuldigte verwickelt, darunter Manager von Konzernen wie IBM und Intel, sowie der Unternehmensberatung McKinsey. Einige von ihnen haben bereits gestanden und kooperieren mit den Ermittlern. Rajaratnam weist alle Vorwürfe zurück.

Rajaratnam soll ins Gefängnis

Wegen der neuen Erkenntnisse fordert die Staatsanwaltschaft nun auch, dass Rajaratnam im Gefängnis auf den Prozessbeginn warten oder seine Kaution erhöht werden soll. Die Anwälte des Hedge-Fonds-Chefs bemühen sich gerade, die Kaution von 100 Mio. auf 20 Mio. Dollar zu reduzieren. Eine Anhörung ist für Freitag angesetzt.

Rajaratnams Anwalt John Dowd bestreitet gegenüber dem „Wall Street Journal“, dass sein Mandant für die ATI-Informationen bezahlt habe. Die Informationen seien bereits vor der offiziellen Bekanntgabe der Übernahme im Juli öffentlich gewesen. Ein Analyst habe den ATI-Kauf rund zwei Monate zuvor bereits vorhergesagt.

Im Zusammenhang mit dem Fall Galleon hatte im November auch der frühere AMD-Chef Hector Ruiz Konsequenzen gezogen und den Verwaltungsratsvorsitz bei der AMD-Produktionstochter Globalfoundries vorzeitig abgegeben.

Ermittler gehen aggressiver vor

Im Zusammenhang mit dem Fall Galleon hatte im November auch der frühere AMD-Chef Hector Ruiz Konsequenzen gezogen und den Verwaltungsratsvorsitz bei der AMD-Produktionstochter Globalfoundries vorzeitig abgegeben.

US-Ermittler haben bereits vor Monaten angekündigt, Hedge-Fonds genauer zu beobachten. Die US-Börsenaufsicht SEC sei entschlossen, „den Vorhang vor den Hedge-Fonds zurückzuziehen“, hatte Robert Khuzami von der US-Börsenaufsicht SEC nach der Verhaftung von Rajaratnam verkündet. Auch in Großbritannien sind die Ermittler deutlich aggressiver geworden. Allein im vergangenen Sommer hat die britische Finanzaufsicht FSA drei Insider-Ringe auffliegen lassen – die wohl größte Verhaftungsserie seit die FSA im Jahr 2001 ihre Arbeit aufgenommen hat.

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