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13.02.2013

14:49 Uhr

Hedge-Fonds-Wetten

„Die Ölpreis-Rally ist eine wundervolle Party“

Hedge-Fonds und Großbanken haben ihre Wetten auf den Ölpreis in nur kurzer Zeit verdoppelt. Für die Spekulanten ist die Ölpreis-Rally eine „wundervolle Party“. Treiben sie den Ölpreis nach oben?

Ölraffinerie in Basra. Hedge-Fonds haben ihre Wetten auf den Ölpreis verdoppelt. ap

Ölraffinerie in Basra. Hedge-Fonds haben ihre Wetten auf den Ölpreis verdoppelt.

Frankfurt/New YorkFür Otto Normalverbraucher ist die Sache klar: Ohne die Spekulationen von Hedgefonds und Großbanken am Ölmarkt wäre das Benzin an der Zapfsäule deutlich billiger. Die Daten der Börsen und Aufsichtsbehörden scheinen ihm Recht zu geben.

Seit Mitte Dezember haben Investoren ihre Wetten auf steigende Kurse fast verdoppelt. Das Volumen der offenen Futures und Optionen repräsentiert rund 420 Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter). Dieser Wert liegt nur etwa 24 Millionen Barrel unter dem Rekordhoch von 2011 und entspricht der Menge an Rohöl, die Deutschland in einem halben Jahr importiert oder die weltweit in viereinhalb Tagen verbraucht wird. Entsprechend ging der Preis für die richtungsweisende Nordsee-Sorte Brent in den vergangenen beiden Monaten um knapp neun Prozent in die Höhe auf derzeit rund 119 Dollar. Das US-Öl WTI verteuerte sich sogar um mehr als zwölf Prozent auf knapp 98 Dollar.

Was 2012 aus 1.000 Euro wurde

Zypriotische Aktien (CSE)

407 Euro

Öl (WTI)

899 Euro

Spanische Aktien (Ibex)

968 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

989 Euro

Sparbuch (Durchschnitt)

1005 Euro

Tagesgeld (Durchschnitt)

1014 Euro

US-Staatsanleihen

1029 Euro

Gold

1034 Euro

Bundesanleihen

1038 Euro

Dow Jones

1049 Euro

Silber

1052 Euro

Nikkei 225

1069 Euro

EuroStoxx 50

1149 Euro

Schweizerische Aktien (SMI)

1167 Euro

Italienische Staatsanleihen

1203 Euro

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Investment-Grade)

1242 Euro

Irische Staatsanleihen

1297 Euro

Dax

1299 Euro

Griechische Aktien (ASE)

1342 Euro

Griechische Staatsanleihen (inkl. Schuldenschnitt, ohne Rückkauf)

1452 Euro

Türkische Aktien (ISE 100)

1576 Euro

Venezolanische Aktien (IBC)

2882 Euro

Vor diesem Hintergrund befürchten viele eine Wiederholung der Ereignisse vom Sommer 2008, als spekulativ orientierte Anleger die Preise für Brent und WTI auf jeweils knapp 150 Dollar trieben. Wie groß aber der Einfluss von Hedgefonds und Banken auf die Preise wirklich ist und ob und wie man ihn begrenzen kann, darüber streiten Händler, Analysten und Börsenaufseher noch immer.

„Das einzig Sichere ist die Unsicherheit“

Denn beim Ölpreis spielen viele Faktoren eine Rolle: Neben der rückläufigen Produktion in Saudi-Arabien und einer steigenden Nachfrage in China sorgten potenzielle oder tatsächliche Nachschub-Schwierigkeiten für Unruhe, sagt Volkswirt James Williams von der Beratungsfirma WTRG. Im Blickpunkt stünden die Unruhen in Nordafrika, die Spannungen im Nahen Osten sowie Probleme bei der Förderung in Venezuela oder Nigeria. "In den vergangenen drei Monaten war das einzig sichere die Unsicherheit", fügt Williams hinzu.

Irans größte Ölabnehmer

China

China kaufte im ersten Halbjahr 2011 22 Prozent des iranischen Öls auf - will allerdings weg von der großen Abhängigkeit von Iran. Stattdessen wird unter anderem Saudi Arabien zu einem immer wichtigeren Lieferanten. Schon als der Iran-Konflikt im vergangenen Herbst brodelte, drosselte China seine Investitionen in die örtliche Öl- und Gasindustrie.

EU

Die EU nimmt dem Iran 18 Prozent seiner Ölvorräte ab. Aus EU-Sicht ist diese Menge allerdings nicht allzu groß: Im ersten Quartal 2011 importierten die 27 EU-Staaten insgesamt 896 Millionen Barrel Rohöl. Davon kamen 4,4 Prozent aus dem Iran.

Japan

14 Prozent seines Öls liefert Iran an Japan, den drittgrößten Ölverbraucher der Welt.

Indien

Iran exportiert 13 Prozent seiner Ölproduktion an Indien - doch auch in diesem Geschäftsverhältnis hat es in den vergangenen Monaten gekriselt, als Indien mit Zahlungen für geliefertes Öl in Verzug geriet.

Südkorea

Zehn Prozent seiner Ölproduktion liefert Iran an Südkorea. Das sind gleichzeitig auch zehn Prozent des südkoreanischen Bedarfs. Das Land halte Ausschau nach alternativen Lieferanten, berichten Experten.

Türkei

Sieben Prozent des iranischen Öls gehen an die Türkei. Diese ist damit besonders von den Lieferungen aus dem Nachbarland abhängig: Die Türkei bezieht 30 Prozent ihres Ölbedarfs aus Iran.

Das zieht besonders risikofreudige Anleger an, die auf eine Unterbrechung des Nachschubs wetten. Irgendwann werde so eine Rally dann zum Selbstläufer, weil andere Investoren befürchteten, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, sagt Energie-Experte Tim Evans von Citi Futures Perspective.

Auf das falsche Pferd gesetzt

Die Hoffnung auf das große Los kann sich aber schnell als Niete entpuppen. In den vergangenen beiden Jahren verloren Hedgefonds am Ölmarkt viel Geld. Jeweils im Frühjahr gingen sie "Long", erwarteten also steigende Kurse. Die damaligen Wetten entsprachen 444 beziehungsweise 422 Millionen Barrel Rohöl. Dennoch brachen die Preise für Brent und WTI bis zum Sommer um jeweils rund 30 Prozent ein.

„Es ist eine wundervolle Party“, kommentiert Citi-Experte Evans die aktuelle Ölpreis-Rally. „Pass' nur auf, dass Du sie nicht als letzter verlässt.“

Von

rtr

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