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14.01.2010

12:20 Uhr

Hochzins-Anleihen

Ramsch ist nicht mehr billig

VonAndrea Cünnen

Anleihen von Unternehmen mit schwächerer Bonität gehören zu den Gewinnern des vergangenen Jahres. Doch mittlerweile hat sich das Verhältnis von Chancen und Risiken deutlich verschlechtert, sagen Experten. Am Markt für hochverzinsliche Unternehmensanleihen könnte sich eine Blase bilden.

Fresenius Medical Care plant eine Hochzinsanleihe. ap

Fresenius Medical Care plant eine Hochzinsanleihe.

FRANKFURT. Nach der unglaublich guten Entwicklung von Junk-Bonds im vergangenen Jahr werden Experten skeptisch. "Die Renditen und Risikoprämien sind inzwischen sehr niedrig, und dabei sind die konjunkturellen Probleme noch nicht gelöst", sagt Richard Seissler, Kreditstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Er sieht die "große Gefahr, dass sich am Markt für hochverzinsliche Unternehmensanleihen eine Blase bildet".

Die Rally sei zuletzt vor allem von positiven Erwartungen getrieben worden, meint auch Daniel Lamy, Kreditstratege bei JP Morgan. Und Credit Suisse hat schon im Dezember dazu geraten, Gewinne bei den hochverzinslichen Bonds von Unternehmen mitzunehmen. Denn sie seien inzwischen relativ teuer und die "Event-Risiken" - also die Gefahren, dass unerwartete Ereignisse den Markt belasten - gestiegen.

Junk-Bonds sind Anleihen von Firmen, denen die Ratingagenturen nur eine mangelnde Bonität zubilligen. Diese Einstufung beginnt bei Standard & Poor?s und Fitch bei "BB+" sowie bei Moody?s bei "Ba1". Nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 kamen die Junk-Bonds unter die Räder, weil Investoren alle Ausfallrisiken neu bewerteten.

Mit der Rally der Aktienmärkte ab März 2009 starteten auch die Kurse der Junk-Bonds nach oben durch, weil Investoren wieder mutiger wurden. Im Gegenzug fielen die durchschnittlichen Renditen um zwei Drittel auf gut neun Prozent. Auch die Risikoprämien - also die Renditeaufschläge im Vergleich zu ausfallsicheren Bundesanleihen - fielen massiv. Dass nach Berechnungen von Moody?s im vergangenen Jahr 12,5 Prozent aller Junk-Schuldner ausfielen, bremste die Euphorie nicht. Insgesamt blieben dabei 266 Unternehmen den Investoren Zahlungen über 309 Mrd. Dollar schuldig - beides sind Rekordwerte.

Auch wenn die Renditen jetzt schon stark gesunken sind, ist der Trend zu Hochzinsbonds noch ungebrochen. Das zeigt sich auch am Markt für neue Anleihen. So sammelte in dieser Woche der angeschlagene Baustoffkonzern Heidelberg Cement 1,4 Mrd. Euro bei Investoren ein. Für die Anleihen mit Laufzeiten von fünf und zehn Jahren bot Heidelberg Cement Renditen von knapp 6,9 und 7,9 Prozent. Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care plant eine Hochzinsanleihe über 250 Mio. Euro.

"Der Optimismus vieler Anleger und die große Liquidität an allen Märkten durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken könnten die Kurse der Junk-Bonds noch auf absurd hohe Bewertungsniveaus führen", meint Seissler von der LBBW. Der Ausstieg der Notenbanken aus der extrem lockeren Geldpolitik und Rückschläge in der Konjunktur könnten die Hochzinsanleihen aber unter Druck bringen, zumal dann auch die Ausfallraten unerwartet hoch bleiben sollten.

Moody?s prognostiziert für die nächsten zwölf Monate einen Rückfall der globalen Ausfallquote auf 3,3 Prozent. Wenn die wirtschaftliche Erholung scheitere, und sich die Firmen mit schwächeren Ratings schlechter über neue Bonds refinanzieren könnten, dürfte die Ausfallrate indes höher ausfallen, räumt Moody?s ein. Seissler hält eine globale Ausfallrate von mehr als neun Prozent für wahrscheinlich.

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