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24.01.2006

11:31 Uhr

Im Monat Dezember

Anleger zogen drei Milliarden Euro aus Immobilienfonds ab

Anleger in offenen Immobilienfonds haben allein im Dezember mehr als drei Milliarden Euro aus der kriselnden Anlageklasse abgezogen. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) will die Branche mit einem Maßnahmenpaket stabilisieren.

HB FRANKFURT. Die Mittelabflüsse aus offenen Immobilienfonds hätten sich im Dezember auf 3,06 Milliarden Euro summiert, teilte der BVI am Dienstag in Frankfurt mit. Insgesamt seien es im vergangenen Jahr 3,4 Milliarden Euro gewesen. Offene Immobilienfonds haben in Deutschland ein Volumen von rund 90 Milliarden Euro.

Mitte Dezember hatte die Deutsche Bank nach hohen Abflüssen einen Fonds ihrer Tochter DB Real Estate geschlossen. Damit wurde erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte die Anteilsrücknahme ausgesetzt. Der Fonds steht voraussichtlich vor hohen Wertberichtigungen. Nach BVI-Angaben wurden aus zwei Fonds der DB Real Estate im Dezember allein gut 1,2 Milliarden Euro abgezogen, aus den 33 offenen Immobilienfonds anderer Anbieter zusammen etwa 1,9 Milliarden.

Im Januar mussten zwei weitere Fonds des Anbieters KanAm dicht gemacht werden, nachdem die Rating-Agentur Scope für die diese eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen hatte. Die danach folgenden Mittelabflüsse sieht der Fondsverband nicht als Besorgnis erregend an. „Wir haben seitdem hohe Mittelabflüsse gehabt, die sich jetzt aber wieder beruhigen“, sagte BVI-Chef Markus Rieß. Vor der Schließung der KanAm-Fonds habe es sogar Zuflüsse gegeben.

Das Vertrauen der Investoren will der BVI mit einem Paket von Maßnahmen zurückgewinnen. Davon könne die Branche einen Großteil auch ohne Gesetzesänderungen umsetzen, sagte Verbandschef Rieß. So solle es künftig eine Meldepflicht bei Neuanlagen über eine Million Euro geben. Für solche Neuanlagen schlägt der BVI eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten vor, die plötzliche Abflüsse in großer Höhe verhindern könne.

Der Fondsverband schlägt zudem vor, die Mindestliquidität der Fonds auf zehn Prozent zu verdoppeln, um Mittelabflüsse besser abfangen zu können. Außerdem will der BVI die Transparenz offener Immobilienfonds fördern. Übersteige die Kreditaufnahme eines Fonds 40 Prozent, solle die Fondsgesellschaft das öffentlich mitteilen. Außerdem sollten die Anbieter die Struktur ihrer Anleger nach Größenordnungen offen legen.

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