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23.12.2011

11:10 Uhr

Immense Verluste

Hedge-Fonds-Star John Paulson stürzt immer tiefer

John Paulson war der unumstrittene Star der Hedge-Fonds-Szene. Doch in diesem Jahr hat sein Image schwer gelitten. Seine Fonds kamen unter die Räder. Und der Abwärtstrend geht ungebremst weiter.

In Erklärungsnot: Hedge-Fonds-Manager John Paulson hatte ein miserables Jahr. Reuters

In Erklärungsnot: Hedge-Fonds-Manager John Paulson hatte ein miserables Jahr.

New YorkVor einem Jahr war für John Paulson die Welt in Ordnung - sogar mehr als das. Der amerikanische Hedge-Fonds-Manager, der vor der Lehman-Pleite erfolgreich auf einen Zusammenbruch des amerikanischen Hypothekenmarktes gewettet hatte, wurde gefeiert wie kein anderer seines Fachs. Als "Wunderkind der Branche" titulierte ihn auch das Handelsblatt. Die Huldigungen hatte Paulson neben einer beeindruckenden Wertentwicklung seiner Fonds vor allem zwei Zahlen zu verdanken: Im Jahr 2007 verdiente Paulson 3,7 Milliarden Dollar. 2010 übertraf er diese Summe sogar noch: Laut Wall Street Journal bekam er mit fünf Milliarden Dollar den höchsten Gehaltsscheck aller Zeiten.

Doch der Ruhm ist schnell verflogen. In den vergangenen Monaten reihte sich für Paulson und seine Investmentgesellschaft Paulson & Co. eine Hiobsbotschaft an die andere. Das Jahr 2012, das steht schon lange fest, lief katastrophal. Paulsons Fonds haben massiv an Wert verloren. Auch im Dezember ging es noch einmal kräftig bergab, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf informierte Personen berichtet. So habe der Fonds "Advantage Plus" bis 16. Dezember weitere neun Prozent verloren. Sein Gesamtverlust belaufe sich damit auf 52 Prozent, schreibt Reuters. Nur unwesentlich besser sehe es für den "Advantage Fund" aus: Nach einem Verlust von sechs Prozent im Dezember liege das Jahresminus hier bei 36 Prozent. Zum Vergleich: Im Schnitt haben Hedge-Fonds bis Ende November gut vier Prozent an Wert verloren, der US-Aktienindex S&P 500 liegt aktuell auf dem gleichen Niveau wie zu Jahresanfang.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Ein Grund für den jüngsten Rückschlag dürfte eine erneute Korrektur am Goldmarkt gewesen sein: Der Goldpreis rutschte Anfang Dezember von rund 1.750 Dollar auf weniger als 1.600 Dollar ab. Zwar hatte Paulson in den vergangenen Monaten rund ein Drittel seiner Bestände am weltgrößten Gold-ETF, dem SPDR Gold Trust, verkauft. Mit gut 20 Millionen Anteilen war er Ende des dritten Quartals trotzdem noch der größte Einzelinvestor in dem Fonds.

Die Verluste mit Gold-ETFs reihen sich ein in eine große Reihe von Fehlschlägen im Jahr 2011: Mit seinem Optimismus für die US-Wirtschaft lag Paulson daneben, deshalb misslangen auch große Aktiendeals. Bei der Bank of America und der Citigroup langte der Hedge-Fonds-Manager ebenso gründlich daneben wie bei Hewlett-Packard.

Besonders bitter war das Kapitel Sino-Forest. Paulson hatte sich 14 Prozent der Anteile an dem in Toronto gelisteten chinesischen Waldkonzerns gesichert. Doch im April brach deren Aktienkurs ein. Eine Analysefirma hatte Sino-Forest vorgeworfen, den eigenen Waldbesitz gnadenlos übertrieben zu haben. Von rund 24 kanadischen Dollar ging es bis auf fast einen Dollar zurück. Zwar zog Paulson vor dem Tiefstand die Notbremse, vor hohen Verlusten schützte ihn das allerdings nicht.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

23.12.2011, 11:28 Uhr

"Das Jahr 2012, das steht schon lange fest, lief katastrophal. Paulsons Fonds haben massiv an Wert verloren."

Ein Bericht aus der Zukunft. Alle Achtung HB!!!

Dianacake

23.12.2011, 12:01 Uhr

Und wahrscheinlich muss er kein Geld zurückgeben, wenn er Verluste verursacht. Beim guten Jahren EUR 5 Mrd. Gehalt, beim schlechten...? bestimmt ein Chek in 9stelligen Bereich...das ist das Problem des Systems Belöhung sowohl Überbelohnung beim Performance als auch beim Underperformance...

Dianacake

23.12.2011, 12:01 Uhr

Und wahrscheinlich muss er kein Geld zurückgeben, wenn er Verluste verursacht. Beim guten Jahren EUR 5 Mrd. Gehalt, beim schlechten...? bestimmt ein Chek in 9stelligen Bereich...das ist das Problem des Systems Belöhung sowohl Überbelohnung beim Performance als auch beim Underperformance...

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