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04.07.2017

18:56 Uhr

Impact Investing

Geld machen und Gutes tun

Geld anlegen oder spenden? Rendite machen oder Gutes tun? Es geht auch beides, gleichzeitig. Auch wenn es noch keinen Boom gibt: Der Markt für solche Fonds wächst rasant. Die Anleger sind begeistert.

Eine Ananasfabrik des Familienunternehmens Dilifrost in Costa Rica soll Arbeitsplätze in einer ärmlichen Region schaffen. Ein Fall für Investoren, die mehr als nur Rendite wollen. dpa

Impact Investing

Eine Ananasfabrik des Familienunternehmens Dilifrost in Costa Rica soll Arbeitsplätze in einer ärmlichen Region schaffen. Ein Fall für Investoren, die mehr als nur Rendite wollen.

ZürichEine Ananasfabrik in Costa Rica: Um Arbeitsplätze in einer ärmlichen Region zu schaffen und die Qualität zu steigern, will das Familienunternehmen Dilifrost eine eigene Plantage kaufen. Ein Fall für Investoren, die neben Rendite auch Gutes tun wollen. Anderes Beispiel: In Ägypten verspricht der private Bildungsanbieter Cira Familien neben dem maroden staatlichen Bildungswesen eine gute Schulbildung für Kinder zu erschwinglichen Preisen. Die Nachfrage ist riesig, der Betreiber braucht Geld zum expandieren.

In beiden Fällen sorgen Kundengelder der größten Schweizer Bank UBS für Abhilfe. Sie hat schon 2,5 Milliarden Franken (rund 2,3 Milliarden Euro) in solchen Anlagen, und in den nächsten fünf Jahren sollen weitere 4,4 Milliarden Euro dazukommen. „Wir sind davon überzeugt, dass „Impact Investing“ in den nächsten 20 Jahren zu den besten Investitionsmöglichkeiten gehören wird“, sagt Mark Haefele von der UBS Vermögensverwaltung.

„Impact Investing“ heißt diese Geldanlage, wirkungsorientiertes Investieren auf deutsch. Dabei geht es nicht um schon lange bekannte „ethische Investitionen“ – beispielsweise solche, die nicht in Rüstungsfirmen oder Unternehmen investieren, die im Verdacht stehen, die Umwelt zu zerstören oder Menschen in Entwicklungsländern auszubeuten. Beim „Impact Investing“ fließen Gelder ausschließlich in Unternehmen, die den Zweck haben, soziale, gesellschaftliche oder Umweltprobleme zu lösen. Nicht nur in Entwicklungsländern. Bezahlbare Wohnungen in europäischen Ballungszentren, Job-Initiativen in verlassenen Kohlestädten der USA gehören auch dazu.

Die Rockefeller-Stiftung hat den Begriff 2007 geprägt. In den USA boomt dieser Markt bereits. Das Global Impact Investing Network (GIIN), ein Netzwerk umwelt- und sozialbewegter Anleger, schätzt das weltweit so angelegte Vermögen auf 144 Milliarden Dollar. Verglichen mit der Gesamtsumme gemanagter Investitionen ist das Peanuts: Die Summe ist nach Schätzungen 500 mal so groß, rund 75 Billionen Dollar (75.000.000.000.000). Aber die Wachstumsrate liegt bei 47 Prozent innerhalb eines Jahres. Seit 2013 sogar plus 1300 Prozent.

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Katherine Brown befasst sich bei der Stiftung Weltwirtschaftsforum mit nachhaltigen Investments. „Drei Faktoren beflügeln Trends“, sagt sie: „Die Millennials, die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen – die SDGs –, und die Volatilität des Marktes für kurzfristige Anlagen.“ Millennials – also Leute, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden – verlangten nach solchen Anlagen. Die 2016 in Kraft getretenen UN-Ziele – etwa: Armut beenden, Bildung für alle, menschenwürdige Arbeit – seien klare Handlungsvorgaben.

In Deutschland ist das wirkungsorientierte Investieren erst im Kommen. Immerhin hat sich der Umfang nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2012 bis Ende 2015 auf etwa 70 Millionen Euro verdreifacht. Die Deutschen seien generell aktienscheu, sagt Wolfgang Zirus, Professor an der Munich Business School, einer privaten Fachhochschule für Wirtschaft. „Ihnen ist ein solches Vehikel eher fremd.“ Einen Boom erkenne er noch nicht. Es fehlten Intermediäre wie spezialisierte Fondsverwalter und Ratingagenturen, die solche Fonds bewerten, ebenso staatliche Initiativen.

Klub der Hedgefonds-Milliardäre

George Soros

lm November machte das Gerücht über den Tod von George Soros die Runde. Doch der in Ungarn geborene Spekulant und Philanthrop, der erfolgreich gegen die Bank von England wettete, erfreut sich bester Gesundheit und rangiert auf Platz 25 der Reichenliste. So gut liegt kein anderer Manager eines Hedgefonds. Im November vergangenen Jahres war er bei seinen Goldinvestments ausgestiegen und hatte dadurch viel Aufmerksamkeit anderer Investoren auf sich gezogen.

Carl Icahn

Wer sich mit dem Starinvestor Carl Icahn anlegt, der hat einen schweren Stand. Das spürte Peter Hancock als Chef des Versicherungskonzerns AIG am eigenen Leib. Er verlor den Machtkampf gegen Icahn und musste gehen. Der 80-Jährige hatte Hancock zuvor vergeblich aufgefordert, seinen Konzern aufzuspalten. Mit dieser Methode hat der „harte alte Mann“ schon vielfach satte Gewinne erzielt.

Ray Dalio

Der von Ray Dalio gegründete Hedgefonds Bridgewater gleicht einem sozioökonomischen Experiment. In einer von manchen als sektenartig beschriebenen Kultur wird die Firma anhand von 210 Prinzipien geleitet. Ziel ist es, Emotionen wie Angst und Gier aus den Anlageentscheidungen herauszuhalten. Dass die Kultur nicht für jeden passt, zeigt der Abgang von Jon Rubinstein. Der designierte Nachfolger von Dalio ging bereits nach zehn Monaten wieder. Es fehlte einfach die Harmonie.

David Tepper

Mit seinem Hedge‧fonds Appaloosa zog David Tepper 2016 von New Jersey nach Miami Beach im Bundesstaat Florida und brachte damit die Steuerbehörde von New Jersey in Not. Denn Tepper spielt in der Liga der bestbezahlten Investmentgrößen weltweit. Nach seinem Abgang fehlten New Jersey Steuereinnahmen. Das Vermögen des 59-Jährigen wird auf elf Milliarden Dollar geschätzt.

Zwei größere spezialisierte Fondsmanager sind Ananda Ventures und BonVenture. Unter anderem ist auch die Deutsche Bank aktiv: „Das Investoreninteresse an solchen Nachhaltigkeits- und Wirkungsfonds, die einen Beitrag zu den von den Vereinten Nationen festgelegten SDGs leisten, wächst rasant“, heißt es da. 1,6 Milliarden Euro betreue sie in acht Fonds, die UN-Ziele fördern. Die Schweizer Credit Suisse weist knapp drei Milliarden Euro in „Impact Investments“ aus.

Knackpunkt, so Brown, ist das Bestimmen der Erfolge. „Wie misst man die Wirkung?“ An Standards dafür werde gearbeitet. In einer GIIN-Umfrage sagten 98 Prozent der befragten Anleger, ihre Erwartungen in Bezug auf die Wirkung seien übertroffen worden. 91 Prozent verdienten zudem auch noch mehr Geld als erwartet.

Von

dpa

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