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17.08.2012

11:15 Uhr

In der Image-Falle

Jede Menge Probleme für Fondsgesellschaften

VonIngo Narat

Die vier großen deutschen Fondshäuser stehen vor einem Umbau. Das margenträchtige Geschäft mit Privatkunden schrumpft, weil die Branche unter ihrem Image leidet. Aber das ist nicht das einzige Problem.

Das Anlagegeschäft bei der Dekabank wird umstrukturiert. dpa

Das Anlagegeschäft bei der Dekabank wird umstrukturiert.

FrankfurtMichael Rüdiger soll es richten. Der ehemalige Privatbanker und Chef der Credit Suisse für Zentraleuropa soll die Sparkassen-Fondstochter Dekabank wieder auf Spur bringen. Die Personalie ist der Startschuss für den Umbau. Der Dekabank geht es wie der Deutschen Bank und der Allianz: Auch hier stehen die Fondssparten vor einer Umstrukturierung.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Aktienfonds

Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

Geldmarktfonds

Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

Mischfonds

Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

Rentenfonds

Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

„Das hat es noch nie gegeben“, urteilt Oliver Heist, Leiter Asset-Management beim Wirtschaftsprüfer Ernst & Young. „Die Gesellschaften müssen jetzt die Weichen richtig stellen, damit sie ihre Aufgaben lösen können.“ Von den vier großen heimischen Anbietern steht nur die Tochter der Genossenschaftsbanken, Union Investment, auf stabilen Beinen. Es geht um einen riesigen Markt. Allein in Deutschland verwalten die „großen Vier“ knapp eine Billion Euro, den Großteil des Geldes für Großinvestoren wie Pensionskassen und Versicherungen.

Zwar sehen die Probleme bei jedem der Großen in Schwierigkeiten anders aus. Aber die allgemeinen Ursachen sind überall die gleichen. Spätestens seit dem Beginn der Finanzkrise vor fünf Jahren hat sich die Welt für die Fondsanbieter verändert. „Die Branche leidet unter drei Belastungen“, sagt Heist: Die Privatanleger stoßen Fondsanteile ab, die Branche kämpft mit Imageverlusten, und dann greifen Aufsichtsbehörden heute stark in das Geschäft ein, machen es teurer.

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Ein großes Ertragsproblem verursacht der Rückzug der Privatanleger aus Fondsprodukten. Mehrere Krisen haben die Freude gerade an Aktienprodukten verleidet. Auch die Fondsbranche wird verantwortlich gemacht für die Exzesse im Investment-Banking, obwohl gerade sie daran nicht schuld ist. „Insgesamt schrumpfte das Vermögen der Publikumsfonds, die auf Private zugeschnitten sind, von 731 Milliarden Euro Ende 2007 auf 678 Milliarden Euro Mitte dieses Jahres“, sagt ein Sprecher des hiesigen Fondsverbandes BVI.

Kommentare (10)

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Mazi

17.08.2012, 11:56 Uhr

Dieser Schluss ist eindeutig zu kurz gedacht.

Zu den Fons zählen auch sogenannte Rentenfonds. Wie sollen die wirtschaften, wenn die EZB den Zins einfach dirigistisch gegen Null stellt. Wenn von diesen Nulleinnahmen dann noch die Kosten abgesetzt werden, wie soll da noch ein Ergebnis erwirtschaftet werden. Die Versicherer können auch ein Lied davon singen.

Was bei den Fonds laufend berichtet wird, erhascht die Lebensversicherungspoliceninhaber am Ende der Laufzeit ebenso.

Das diese Finanzkonstruktion kaputt ist hängt nicht mit den Fonds sondern mit der zielgerichteten Politik des Herrn Draghi zusammen. Die Sparer zahlen halt jetzt schon für die so "erfolgreiche" Politik von Draghi, Merkel, Schäuble und Konsorten.

Wenn wir Namen nennen, dann sollten es auch die richten, die verantwortlichen Personen sein. Es bringt nichts die Stellvertreter der Stellvertreter öffentlich auspeitschen zu lassen.

Account gelöscht!

17.08.2012, 12:26 Uhr

Die Fonds und die deutschen Fondgesellschaften, vor allen Dingen DEKA müssen sich mehr an Benchmarks orientieren und diese überspringen. - Bis jetzt hat man manchmal den Eindruck, dass die Zielsetzung statt dessen ist, im letzten Viertel des Ranking einen Platz zu finden!

hallowach

17.08.2012, 12:27 Uhr

Die meisten Fonds sind (viel) zu teuer, dass weiss inzwischen auch der Zahnarzt von nebenan. ETFs sind billiger - aber schaun wir auch mal auf die Leistung: fast kein temporärer Highfligher im offenen Fondsbereich schafft es über einen langen Zeitraum, den Markt zu schlagen (weder vor Kosten, und nach sowieso nicht). Und auch wer 10 Jahre lang gut war, erlebt irgendwann seinen Einbruch. Und dafür soll man 1,2% Gebühren oder eine (sowieso frisiert) TER von 2,0% zahlen (die TER umfasst nicht alle Kosten, sieh WIKI)? Klartext: das bedeutet, dass in 10 Jahren gerundet 20% (ja, muss man anders rechnen, Daumengröße) weg sind. Das aktive Management im Fondsbereich bleibt den Beweis schuldig, dass es sein Geld wert ist. Daher lieber passiv und preiswert, gute Streuung und fertig. Und die Versicherungen merken auch, dass sie ihre Produkte nicht mehr unbemerkt in überteuerte Fondsprodukte stecken können (schade um die kick-back-Zahlungen.....) das merken die Anleger (sogar bei den Fonds-Riester-Verträgen setzt sich diese Erkenntnis durch). Sollten Sie einen solchen Vertrag haben: still-legen (nicht kündigen).

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