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11.01.2016

16:53 Uhr

Indexfonds

ETF-Optionen hängen Aktien locker ab

Fast unbemerkt sind Indexfonds zum Epizentrum des Marktes für Aktienoptionen geworden. ETFs verzeichnen ein höheres Optionsvolumen als Aktien, weil sie Investorengelder von außerhalb des Aktienmarktes anlocken.

ETFs werden immer beliebter. Aktuell machen sie rund 70 Prozent des Handelsvolumens bei Aktienoptionen aus. dpa

Börse Frankfurt

ETFs werden immer beliebter. Aktuell machen sie rund 70 Prozent des Handelsvolumens bei Aktienoptionen aus.

New YorkAngesichts des turbulenten Jahresanfangs wollen viele Investoren ihre Portfolios schützen. Dabei greifen sie inzwischen bevorzugt zu Optionen auf börsennotierte Fonds. 

In letzter Zeit lag der Fokus bei dem Phänomen der ETFs vor allem auf den Zuflüssen in die börsennotierten Fonds und den steigenden Handelsvolumen. Aber fast unbemerkt sind sie zum Epizentrum des Marktes für Aktienoptionen geworden. 

Aktuell machen ETFs rund 70 Prozent des Handelsvolumens bei Aktienoptionen aus. Auf Basis der vergangenen 20 Handelstage waren es 770 Mrd. Dollar des täglichen Handelsvolumens von 1,1 Billionen Dollar, doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Aktuell kaufen und verkaufen so viel mehr Anleger wie nie zuvor Kauf- und Verkaufsoptionen denn Optionen auf einzelne Aktien. 

Das Optionsvolumen auf ETFs im Vergleich zu Aktien ist im Endeffekt das Gegenbild zum gesamten Aktienhandel. Dort machen ETFs rund 30 Prozent aus und einzelne Aktien 70 Prozent. Hinter dem großen Volumen bei den Optionen steckt ein Riese - der SPDR S&P 500 Trust ETF (SPY). Er trägt rund 554 Mrd. Dollar oder annähernd die Hälfte zum täglichen Handelsvolumen bei Aktienoptionen bei.

Bei vielen besonders stark gehandelten Aktien gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen dem Handel in der Aktie und dem Optionshandel. Das wird beispielsweise daran deutlich, dass der SPY nur 13,6 Prozent des Aktienhandels ausmacht, aber 47,6 Prozent des Optionshandels.

Die Geschichte der ETFs

Von der Idee zum Standardprodukt

Erst existierten börsengehandelte Indexfonds nur als Idee auf dem Papier von US-Ökonomen. Doch im Laufe der Jahre hatten immer mehr Menschen Interesse, ihr Investment-Risiko möglichst breit zu streuen. So haben sich Indexfond zum beliebten Anlageprodukt entwickelt.

1952: Die „Modern Portfolio-Theorie”

Die Idee der börsengehandelten Fonds, so genannten ETFs, geht auf den US-Ökonomen Harry M. Markowitz zurück. 1952 entwickelte dieser mit seiner „Modern Portfolio-Theorie” ein neues Anlagekonzept. Die besagt, dass ein „optimales Portfolio“ aus allen vorhandenen Anlagemöglichkeiten aufgebaut werden sollte, so dass das Risiko-Chancen-Profil des Anlegers bestmöglich abgebildet wird. Weil die ETFs Indizes nachbilden, erfüllen sie diese Anforderung besonders gut - der Anleger profitiert von der Entwicklung besonders vieler Firmen.

1970: „Efficient Market Theory”

„You can't beat the market” - diese Anlage-Maxime stammt von dem US-Ökonomen Eugene Fama. Seine „Efficient Market Theory”, die besagt dass die Preise für Finanzmarktprodukte alle auf den Märkten vorhandenen Informationen wiederspiegeln. Das bedeutet auch: Kein einzelner Investor kann auf Dauer besser als die Summe aller Investoren, also der Markt, informiert sein und diesen dauerhaft schlagen. In der Finanzkrise 2008 geriet die Theorie des Ökonomen unter Beschuss. Dennoch er als ein Ideenvater des ETFs gelten: Schließlich bilden diese Produkte die Entwicklung von Indizes ab - und somit das Wissen aller Investoren der in ihnen gelisteten Firmen.

1971: Erstes Index-Portfolio

Der erste Indexfonds folgte ein Jahr darauf. Dabei wurde er im Auftrag von Keith Shwayder von der Bank Wells Fargo aufgelegt. Shwayders Familie gehörte die Kofferhersteller-Firma Samsonite Luggage und er war Schüler von Markowitz. Die Pensionen der Firma waren bis dahin in vielen verschiedenen Fonds angelegt. Shwayder fand das aber ineffizient und wollte sein Geld nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen verwaltet wissen. Dem Wunsch kam Wells Fargo entgegen und erfand mit dem „Samsonite Luggage Fund” den ersten Indexfonds.

1976: Erste Chancen für Privatanleger

Der erste Indexfonds für Privatanleger folgte fünf Jahre später. Das war der von John C. Bogle und Burton Malkiel aufgelegte Vanguard 500 Index Fund. In diesen können die Anleger bis heute investieren. 2013 verwaltete der Fonds mehr als 125 Milliarden Dollar.

1993: Die Wall Street mischt mit

An der Wall Street vollzogen die Indexfonds dann den endgültigen Wandel zu den ETFs, wie wir sie heute kennen. 1993 bot State Street Global Advisors mit dem Standard & Poor's Depositary Receipt (SPDR) den ersten ETF an. Der später unter dem Spitznamen „Spider” bekannte ETF bildete die Entwicklung des amerikanischen Indexes S&P 500 nach. Auch in ihn können Anleger bis heute investieren.

2000: ETFs starten in Europa

Es dauerte noch sieben weitere Jahre, bis die damals neuartigen Anlageprodukte auch an den europäischen Börsen erlaubt wurden. Die ersten konnten die Anleger an der Deutschen Börse sowie an der London Stock Exchange handeln.

2014: ETFs werden Standard

Inzwischen gehören Indexfonds zum Standard bei den meisten Anlegern. Es gibt sowohl passiv als auch aktiv verwaltete ETFs und sie bilden die verschiedensten Indizes nach. Weltweit gibt es heute 5200 verschiedene ETFs, in denen 2400 Milliarden US-Dollar investiert sind.

Aber woher kommt die ganze Liquidität in SPY-Optionen? Ebenso wie bei den Kapitalflüssen ist es schwierig festzustellen, woher die Aktivität bei den ETFs kommt, da der Handel in den Fonds anonym stattfindet. Nichtsdestotrotz kommt ein Teil von einzelnen Aktien selbst, die über die Jahre einen Rückgang beim Optionshandelsvolumen in Relation zum Gesamtmarkt verzeichnet haben. Außerdem saugt der SPY höchstwahrscheinlich Handelsvolumen von den Optionen auf S&P-500-Terminkontrakte ab, in denen rund 160 Mrd. Dollar täglich gehandelt werden.

Die nächste Frage ist, warum strömen die Investoren besonders in die Optionen auf den SPY? Das extrem hohe Optionsvolumen bei dem ETF kann auf mehrere Faktoren zurückgeführt werden. Zum einen ist es für Vermögensverwalter der beliebteste Weg geworden, um ein Portfolio abzusichern - eine sinnvolle Sache, wenn man bedenkt, dass aktuell rund 2,2 Billionen Dollar den S&P 500 als Benchmark verwenden. Die Idee einer Absicherung von Marktpositionen über Optionen auf ein voll gedecktes Wertpapier wie einen ETF hat einige frühe große Investoren in den 1990er Jahren zum SPY gelockt.

Auch eine Reihe spekulativer Handelsstrategien bringt dem SPY Volumen. Beispielsweise versuchen Händler, Arbitragegeschäfte mit Optionen auf den SPY gegen Terminkontrakte auf den ETF oder gegen den ETF selbst durchzuführen. Doch das gibt es bei vielen Wertpapieren. Damit kommen wir zum wirklich unterscheidenden Faktor: Der Größe der Investoren.

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