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14.07.2011

10:28 Uhr

Indexfonds

Verhängnisvoller Erfindungsreichtum

VonJessica Schwarzer

Mit immer neuen, raffinierten Produkten buhlen die Anbieter börsennotierter Indexfonds um das Geld der Anleger. Die Folge: ETFs werden immer komplizierter. Das gefährdet den Ruf der Branche.

Anbieter von ETFs werden immer erfinderischer. Quelle: dpa

Anbieter von ETFs werden immer erfinderischer.

DüsseldorfDie Liste der börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) wird fast täglich länger. 835 ETFs sind mittlerweile an der Frankfurter Börse gelistet, weltweit sind es sogar mehr als 2700. Bekannte Standardindizes wie Dax, Euro Stoxx oder S&P 500 reichen den ETF-Anbietern aber längst nicht mehr aus. Sie bringen immer neue, ausgefallene und teilweise komplizierte Produkte auf den Markt. Doch nicht jeder Index eignet sich auch für einen Indexfonds, warnen Experten. Und viele ETFs sind für Privatanleger nicht unbedingt geeignet.

Die Kreativität der Emittenten kennt keine Grenzen. Ein Börsentrend, der noch nicht via Index abgebildet wird? Kein Problem. Was es noch nicht gibt, wird erfunden.  Aktuelles Beispiel: Amundi hat den ETF Green Tech Living Planet (FR0010949479) lanciert. Der gleichnamige Index wurde gemeinsam mit einer Tochtergesellschaft des WWF entwickelt – „mit Blick auf das wachsende Interesse an nachhaltigen Anlagekonzepten“ wie es heißt. Mit diesem Produkt investieren Anleger in europäische Unternehmen, die mehr als 20 Prozent ihrer Konzernumsätze mit grünen Technologien erzielen.

Doch gerade solche ETF-Kreationen kommen bei Verbraucherschützern nicht gut an, weil sie mehr einem aktiven Fonds gleichen als einem passiven Indexfonds. „Das ist im Prinzip ein Ökofonds, der seine Anlagegrundsätze sehr konkret veröffentlich“ sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Für Anleger, die ethische oder ökologische Motive verfolgen, sei das ein weiteres Angebot unter vielen. „In jedem Fall ist es wichtig, dass die Anlagerisiken über viele Länder und unterschiedlichen Branchen zu streuen.“ Eine gute Streuung hätten etwa Indexfonds auf Indizes wie den MSCI World oder der Stoxx 600.

Strategie-ETFs

Dividenden

Mit dieser Strategie setzen Anleger auf Papiere mit hoher Ausschüttungsrendite. Dem liegt die Meinung zugrunde, dass sich Titel mit einer hohen Dividendenrendite langfristig besser entwickeln.

Hebel oder Leverage

Risikobereite Anleger können mit Hebelpapieren etwa auf den LevDax Gewinne – aber auch Verluste – verdoppeln. Denn der Investor partizipiert mit einem Hebel von zwei an der Entwicklung des Dax.

Short

Wer „short“ geht, setzt auf fallende Kurse. Diese ETFs bilden die Entwicklung eines Index spiegelverkehrt ab. Fällt der Dax um drei Prozent, steigt der ShortDax entsprechend um drei Prozent.

Value

Der klassische Value-Investor sucht nach Unternehmen, die an der Börse günstig bewertet sind. Die entscheidenden Zahlen sind für ihn das Kurs-Buchwert-Verhältnis und die Dividendenrendite.

Growth

Bei der Suche nach Wachstumswerten sind im Gegensatz zur Value-Strategie Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder der erwartete Gewinn je Aktie wichtig.

Fundamental

ETFs, die auf die sogenannte Fundamentalstrategie setzen, erkennen Anleger am Zusatz „Rafi“. Die Gewichtung der im Rafi-Index enthaltenen Unternehmen erfolgt  nicht, wie sonst üblich, aufgrund deren Marktkapitalisierung, sondern nach quantativen Regeln. Dazu zählen der Fünfjahres-Durchschnitt der fundamentalen Kriterien Buchwert, Erlöse, Cash-Flow und Dividendenzahlungen.

Neben diesen klassischen Indexfonds gibt es am Markt mittlerweile zahlreiche sogenannte Strategieprodukte, wie Short-ETFs, Hebelprodukte oder ETFs auf neu gebildete Strategieindizes, auf Hedge-Fonds-Indizes oder Indizes für Kreditderivate. „Diese ETFs sind zum Teil hochriskant und mit den klassischen börsengehandelten Index-Fonds, die sich auf das passive Nachbilden eines marktbreiten Index beziehen, keinesfalls zu vergleichen“, sagt Verbraucherschützer Nauhauser. Sein vernichtendes Urteil: „Solche Strategie-ETFs braucht niemand, der sein Geld langfristig vernünftig anlegen will.“

Kommentare (4)

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petra

14.07.2011, 10:55 Uhr

Wer will schon vom japanischen Aktienmarkt abhängig sein, wenn er einen ETF auf den DAX gekauft hat?
ALLES SCHON PASSIERT! Erklärung: SWAP-Geschäfte des ETF!!!

Financial

14.07.2011, 11:21 Uhr

Hmm, ich finde den Artikel nicht besonders intelligent. Die meisten spezialisierten Produkte sind eh nicht für Privatanleger gedacht. Außerdem kann ich doch investieren wie ich will, und wenn ich keine Ahnung hab, dann lass ich das eben. Es gibt ja auch vom gleichen Produkt eine Riesenauswahl, wenn ich in den Supermarkt gehe, warum sollte das bei Finanzprodukte anders sein.
Herr Nauhauser weiß offensichtlich auch nur oberflächlich wovon er redet und Petra, wenn Du mal was über Swap ETFs lesen willst dann hier
http://www.absolut-report.de/news/detail/6318/
bei den x-trackers gibts schon lange kein japanischen Aktien mehr als Collateral in den Swap ETFs.
Toll übrigens, dass jetzt auch im Handelsblatt jeder seine Meinung in einem Artikel kundtun darf, ohne dass diese mal tiefgründig überprüft wird. Auf zum FTD-Niveau...

Petra

14.07.2011, 16:02 Uhr

@ Financial:
Nach dem Erdebeben in Japan wollte ich meinen DAX-ETF verkaufen. Das war aber leider nicht möglich. Nach langer Recherche erfuhr ich dann, daß in Japan der Handel japanischer Aktien ausgesetzt war und der ETF auf den DAX (!) deshalb ebenfalls nicht handelbar war! So lange ist es also noch gar nicht her und bis zu diesem Zeitpunkt wurden DAX-ETF als Anlagen in DAX-Aktien verkauft. Geh mal heute in eine Beraterbank, kaufe einen SWAP-ETF und laß es Dir erklären! Habe das mal spasshalber probiert, Lachnummer was da für Antworten kommen!

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