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29.10.2013

11:35 Uhr

Interview

„Anleihen sind berechenbarer“

VonKatharina Schneider

Trotz Niedrigzinsphase bieten manche Unternehmen für ihre Anleihen eine ordentliche Rendite – bei gleichzeitig überschaubarem Risiko. Tom Price von Wells Fargo Asset Management erklärt, worauf es bei der Auswahl ankommt.

Dollar-Noten: „Jeden Monat zahlt der Emittent der Anleihe den vereinbarten Kupon“, sagt Tom Price. dpa

Dollar-Noten: „Jeden Monat zahlt der Emittent der Anleihe den vereinbarten Kupon“, sagt Tom Price.

Mr. Price, die niedrigen Leitzinsen sorgen dafür, dass Bankkredite günstig sind und Unternehmen für Anleihen weniger Zinsen zahlen. Warum setzen Sie dennoch auf Anleihen?
Tom Price: Das ist grundsätzlich richtig und ich rechne in absehbarer Zeit auch nicht damit, dass der Zinssatz für kurzfristige Anleihen steigen wird. Trotzdem können wir mit unserer Strategie eine ordentliche Rendite erzielen. Es kommt nur darauf an, die richtigen Anleihen auszuwählen.

In welche Art von Anleihen investieren Sie genau?
Wir setzen auf kurzzeitige Unternehmensanleihen, die sich knapp unter Investmentniveau befinden, also von der Ratingagentur Standard&Poor’s mit B oder BB bewertet sind. Das bringt einen deutlichen Renditevorteil gegenüber höher bewerteten Anleihen mit ähnlicher Laufzeit.

Tom Price ist Fondsmanager bei Wells Fargo Asset Management.

Tom Price ist Fondsmanager bei Wells Fargo Asset Management.


Welchen Vorteil bringt das?
Je kürzer die Laufzeit, desto überschaubarer ist das Risiko. Wenn ein Unternehmen ein BB-Rating bekommt, kann es damit seine zweijährigen Anleihen genauso bewerben wie die zehnjährigen. Ich würde aber eher zu den zweijährigen greifen – ganz einfach, weil sich in einer kurzen Zeitspanne gewöhnlich nicht so viel an der Substanz des Unternehmens ändert wie in einer längeren.

Ein gewisses Risiko gibt es – besonders angesichts des Ratings – dennoch. Wie gehen Sie bei der Auswahl der Anleihen vor?
Wir suchen nach qualitativ hochwertigen Unternehmen, bei denen wir sicher sind, dass sie das geliehene Kapital zurückzahlen werden. Dafür fokussieren wir stark auf quantitative Analyse. Außerdem setzen wir nur auf US-Firmen, denn wir wollen nicht zusätzlich ein Währungsrisiko eingehen.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Wie oft kommt es vor, dass Ausleihen ausfallen?
Ich bin schon seit elf Jahren mit für diesen Fonds verantwortlich und in dieser Zeit und wir hatten bisher nur ein Mal eine Position, die tatsächlich ausgefallen ist. Da das Portfolio jedoch durch 200 Positionen diversifiziert ist, fällt das kaum ins Gewicht.

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