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21.08.2011

09:17 Uhr

Interview mit Anlagestrategen

„Das Vertrauen in die Märkte ist zerrüttet“

VonNicole Bastian, Peter Köhler, Robert Landgraf, Anke Rezmer

Wie reagiert man erfolgreich auf die Abstürze an den Finanzmärkten? Das Handelsblatt diskutierte mit Anlagestrategen von Union Investment, Berenberg Bank, Dekabank und PEH Wertpapier über die beste Investmentstrategie.

Welches sind die besten Anlagestrategien? Quelle: dpa

Welches sind die besten Anlagestrategien?

Handelsblatt: Herr Kater, die Börse steht unter Druck. Ist das aus konjunktureller Sicht gerechtfertigt?

Ulrich Kater: Der Aufschwung ist zuletzt in schweres Störfeuer geraten. Denken Sie an Fukushima, die Aufstände in den arabischen Ländern und auch die Schuldenkrise. Aber kein Aufschwung verläuft linear, es gibt immer wieder Durchhänger. Dass die Schwankungsanfälligkeit der Märkte stark zugenommen hat, ist sicher ein neues Phänomen und hat andere Gründe. Aber grundsätzlich gehe ich davon aus: Der Aufschwung läuft weiter, es wird lediglich eine Abkühlung geben.

Wie lange hält das Wachstum noch an?
Kater: Der Aufschwung wird nach normalen Maßstäben noch zwei bis drei Jahre dauern, für Deutschland rechnen wir für dieses Jahr mit einem Wachstum von 2,9 Prozent und von 1,7 Prozent im nächsten Jahr, für die Euro-Zone von immerhin 1,9 beziehungsweise 1,6 Prozent. Deshalb sind auch die Rezessionsängste absolut übertrieben.

Herr Stürner, stehen wir angesichts der konjunkturellen Delle vor schweren Zeiten?

Martin Stürner: Es ist sicherlich heute anders als in den 90er-Jahren, als das höhere Zinsniveau von fünf bis sieben Prozent einen Risikopuffer bei der Geldanlage darstellte. Trotz schwieriger Lage konnte damals eine auskömmliche Rendite erzielt werden. Das sieht heute in Zeiten niedriger Zinsen und Staatsschuldenkrise anders aus. Die sicheren Häfen Staatsanleihen gab es gestern. Mittel- bis langfristig bekommen Aktien ein deutlich höheres Gewicht. Meist haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren gut gearbeitet, viel Geld auf die hohe Kante gelegt. Beste Zeiten, um für die nächsten zwei bis drei Jahre in werthaltige Aktien etwa aus dem Bereich Nahrungsmittel sein Geld anzulegen.

Schützt Diversifizierung Investments?
Stürner: Die jüngste Finanzkrise hat gezeigt, dass Diversifizierung nicht wirklich hilft. Risiken werden eher addiert, die vorher nicht miteinander zusammenzuhängen schienen wie Investments in westlichen Staaten und Schwellenländern. Wichtig ist es deshalb, in liquide Anlagen zu investieren, um bei Bedarf in schlechten Tagen seine Wertpapiere wieder verkaufen zu können.

Was lernen wir aus der aktuellen Krise an den Börsen, Frau Mikus?

Anja Mikus: Seit der Finanzmarktkrise sind wir auf dem Weg zu einem neuen Gleichgewicht unter neuen Bedingungen: Dazu gehören ein geringeres Wirtschaftswachstum, mehr Regulierung, mehr Risikoaversion und höhere Kursschwankungen an den Märkten.

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