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02.03.2011

13:48 Uhr

Interview Reinhold Hafner

„Nach der Krise ist vor der Krise“

VonJens Hagen

Risikomanager gehen auf die Jagd nach dem schwarzen Schwan. Darunter verstehen Experten extreme Ereignisse an dem Märkten, wie etwa die Finanzkrise. Wie Anleger ihr Vermögen vor neuen Crashs schützen können.

Reinhold Hafner ist Geschäftsführer der Allianz-Tochter Risklab. Quelle: PR

Reinhold Hafner ist Geschäftsführer der Allianz-Tochter Risklab.

Herr Hafner, als Leiter der Allianz Global Investors-Tochter Risklab analysieren sie Risiken auf den Finanzmärkten. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in den nächsten Jahren eine zweite Finanzkrise gibt? 

Das besondere an Finanzkrisen ist ja gerade dass sie sehr schwer zu prognostizieren sind.  Insofern ist eine Wahrscheinlichkeitsaussage schwierig. Wenn man die Gaußsche Normalverteilung als einfaches Modell zu Grunde legt, dürfte ein Einbruch amerikanischer Aktien wie im Herbst 2008 nur alle 598.000 Jahre vorkommen. Bei Bonds und Rohstoffen sind die Werte noch extremer. 

In der Realität kommen solche Crashs aber häufiger vor, man denke nur an die New-Economy-Blase oder den schwarzen Freitag 1929. 

Stimmt. Der Dow Jones verlor beispielsweise zwischen den Jahren 1916 und 2009 an 53 von 23.451 Handelstagen mehr als sieben Prozent an einem Tag. Das Problem vieler Rechensysteme ist, dass sie extreme Risiken einfach ausblenden. 

Viele Finanzmanager arbeiten trotzdem auf Basis dieser Annahmen. 

Das Gaußsche Modell wird immer noch genutzt. Es hat den Vorteil, dass es mathematisch einfach ist und wenig Rechnerkapazität benötigt. Dafür reicht der heimische PC. Es sorgt aber auch dafür, dass die Anleger während einer extremen Krise mehr verlieren als durch das Modell erwartet. Die realistische Abschätzung von Verlustrisiken in der Gegenwart  „schwarzer Schwäne“ ist daher wichtig. 

Welche Produkte sind von der mangelhaften Risikokalkulation besonders betroffen? 

Grundsätzlich profitieren alle Produkte von einer besseren Risikokalkulation. Denn je besser man Risiken einschätzen kann, desto besser kann man sie auch steuern Dies gilt natürlich besonders für risikogesteuerte Fonds wie zum Beispiel Garantiefonds. Aber natürlich profitiert vor allem auch der Anleger durch eine verbesserte Risikotransparenz und -Allokation

 Kennen viele Anleger ihre Risiken bisher nicht?

Kaum ein Privatanleger kann einschätzen, wie hoch das Verlustrisiko für sein Portfolio ist. Es wäre ein großer Fortschritt, wenn ein Kunde auf Basis seriöser Risikobewertungen einschätzen könnte, wie hoch das Verlustrisiko seines Portfolios auf einen bestimmten Zeithorizont ist

Kommentare (6)

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wohe

02.03.2011, 14:06 Uhr

... und wer beim Begiff "schwarzer Schwan" nur "Bahnhof" versteht, dem sei folgendes hochinteressante Buch ans Herz gelegt (es lohnt sich - natürlich auch im englischen Original):
http://www.amazon.de/Schwarze-Schwan-Konsequenzen-aus-Krise/dp/3446424105/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1299071071&sr=1-1

wohe

02.03.2011, 14:06 Uhr

... und wer beim Begiff "schwarzer Schwan" nur "Bahnhof" versteht, dem sei folgendes hochinteressante Buch ans Herz gelegt (es lohnt sich - natürlich auch im englischen Original):
http://www.amazon.de/Schwarze-Schwan-Konsequenzen-aus-Krise/dp/3446424105/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1299071071&sr=1-1

Kronecker

02.03.2011, 19:17 Uhr

Eine Finanzkrise kommt nicht von heute auf morgen: Sie kündigt sich an. So wie sich die letzte am 27.02.2007 angekündigt hat. Tut Herr Hafner nur so oder weiss er es wirklich nicht besser? Tatsache ist, dass der Diversifikationseffekt bereits unter normalen Umständen, beispielsweise beim DAX®, nur etwa ein Drittel vom nominalen Wert beträgt (aus 30 werden 10 Aktien), was sich aus nicht-lokalen Informationsmodellen problemlos ableiten lässt. Scheinbar ist Herr Hafner nicht auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Soll ja vorkommen.

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