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14.02.2011

17:05 Uhr

Interview

"Viele Gebühren sind in den Prospekten versteckt"

VonJens Hagen

Die Verbraucherzentrale NRW stellt die Fondsgesellschaften wegen übertriebener Gebühren an den Pranger. Im Gespräch mit Handelsblatt Online erklären Ralf Scherfling und Markus Feck, wo die Fondsanbieter überall zulangen.

Ralf Scherfling ist Finanzexperte von der Verbraucherzentrale NRW und Leiter des Internetportals Verbraucherfinanzwissen.de. Quelle: PR

Ralf Scherfling ist Finanzexperte von der Verbraucherzentrale NRW und Leiter des Internetportals Verbraucherfinanzwissen.de.

Herr Scherfling, Sie haben die Gebühren der 50 beliebtesten Fonds für Privatanleger untersucht. Was haben Sie entdeckt?

Der Erfindungsreichtum der Gesellschaften hat uns wirklich überrascht. Es gibt knapp 60 verschiedene Gebührenposten.

Welche sind für Kunden besonders unangenehm?

Einmalige Gebühren wie der Ausgabeaufschlag erscheinen auf den ersten Blick mit bis zu acht Prozent besonders hoch. Kunden können die Gebühr aber durch einen Kauf bei Direktbanken oder Fondsvermittlern umgehen. Unangenehmer sind die laufenden Gebühren, etwa die Verwaltungsgebühren, die bei mehr als zwei Prozent per anno liegen können. Das mindert die Renditechancen doch nachhaltig.

Welche Gebühren haben Sie besonders geärgert?

Viele Gesellschaften nehmen neben der Management-Gebühr eine hohe Performance-Fee, wenn der Fonds eine bestimmte Renditevorgabe erzielt. Diese Gebühr wurde von vielen Gesellschaften pünktlich zu dem Zeitpunkt eingeführt, an dem die Kurse im Keller waren. Ebenfalls geärgert haben wir uns über die Vertriebsgebühr. Bei einigen Fonds zahlen die Bestandskunden für die Akquise von Neukunden. Ganz besonders dreist finden wir eine Gebühr für „unerwartete Kosten“. Ein Freibrief für die Fondsgesellschaften, Kunden können nicht mal im Ansatz kalkulieren, was dahintersteckt.

 

Wissen alle Kunden, für was sie zahlen?

Leider in der Regel nicht. Die Gebühren werden häufig in den Prospekten versteckt und nicht vollständig auf einen Blick aufgeführt. Selbst wenn der Kunde sich alle Gebühren zusammensucht, hilft ihm das kaum weiter, da ihre Auswirkungen in Euro und Cent meist nicht nachvollziehbar sind.

 

Wieso ist das so schwierig? Es gibt doch Fondsprospekte?

Für die einzelnen Posten gibt es meist keine verständliche Erklärung. Zudem fehlt selbst an einer einheitlichen Terminologie: Wir haben mehrere unterschiedliche Bezeichnungen allein für die Verwaltungsgebühr gefunden. Außerdem sind einige Gebühren an bestimmte Vorgaben gebunden, nicht nur die Performance Fee. Anleger können die Höhe der Gebühren beim Kauf nicht einmal annähernd kalkulieren.

 

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