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03.10.2016

14:34 Uhr

Investieren in MDax und SDax

„Die Abstürze bei Nebenwerten sind nicht heftiger“

VonJessica Schwarzer

Mittelgroße und kleine Aktien aus MDax oder SDax entwickeln sich an der Börse langfristig besser als Dax-Titel. Und dabei schwanken sie noch nicht einmal stärker, sagt Götz Albert vom Fondshaus Lupus Alpha. Im Gegenteil.

Aktien kleinerer und mittlerer Unternehmen kommen bei Anlegern weniger gut an - zu Unrecht. dpa

Zwerg an der Frankfurter Börse

Aktien kleinerer und mittlerer Unternehmen kommen bei Anlegern weniger gut an - zu Unrecht.

Es gibt Konferenzräume, da beginnt jede Verhandlung und auch jedes Interview ein bisschen später – der Ausblick ist einfach zu schön und will genossen werden. Bei der Fondsboutique Lupus Alpha, einen Spezialisten für Nebenwerte, ist es der Blick auf den Frankfurter Westhafen. Der ist ein sehr teures Pflaster. Doch wer dort trotz der extrem hohen Preise vor ein paar Jahren investierte, freut sich heute über eine tolle Rendite. Ähnlich ist es mit Aktien, weiß Götz Albert, Head of Portfolio Management Small & Mid Cap bei Lupus Alpha. Ein Gespräch über Börsenzwerge, verpasste Chancen und höher erwartete Schwankungen.

Herr Albert, Anleger bevorzugen Aktien von Firmen mit großen Namen wie Siemens oder BMW. Warum?
Das hat leider ein bisschen damit zu tun, dass man sich wahrscheinlich nicht die Zeit nimmt, die Vielfalt der mittleren und kleinen Unternehmen zu erschließen. Wenn man Einzelaktien kauft, hat man hier nicht mit 30 oder 50 Namen zu tun, sondern gleich mit 1000 Namen. Das ist natürlich komplexer, als auf die großen wenigen Namen zu setzen.

Head of Portfolio Management Small & Mid Cap bei Lupus Alpha

Götz Albert

Head of Portfolio Management Small & Mid Cap bei Lupus Alpha

Also lieber BMW als seine Zulieferer?
Der Mensch neigt dazu, Dinge, die er kennt, für besser einschätzbar zu erachten. Jeder, der ein Auto hat und die Motorhaube öffnet, hat eventuell in dem Motorblock eine Zylinderkopfdichtung von Elring-Klinger, auf die er vertraut und mit der er auch Tempo 200 fährt. Aber die Aktie von Elring-Klinger zu kaufen, deren Namen er noch nie gehört hat? Da wird dann doch lieber die BMW-Aktie gekauft, denn BMW ist ein bekanntes Unternehmen, das es schon lange gibt. Das vermittelt Sicherheit.

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Die Aktien mittelgroßer und kleiner Unternehmen sind aber oft die bessere Wahl. Wie entwickeln sich die Nebenwerte?
Der europäische Standardwerte-Index Euro Stoxx hat in den vergangenen zehn Jahren pro Jahr eine Performance von 1,7 Prozent gehabt. Small und Mid Caps haben inklusive Dividende 6,5 Prozent pro Jahr zugelegt. Unsere Fonds haben 8,5 Prozent zugelegt.

Aber nicht in jedem Jahr sind die Nebenwerte die bessere Wahl. In der Krise 2008 beispielsweise haben die deutschen Nebenwerte stärker verloren als die Standardwerte.
Die Small und Mid Caps haben sich in den vergangenen 15 Jahren in zwölf Jahren besser oder deutlich besser entwickelt als die Large Caps und nur in drei Jahren schlechter. 2008 waren sie schlechter. Wenn wir Verlustjahre erlebt haben, war aber auch die Erholung deutlich stärker als bei den Large Caps.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Trotz ihrem deutlich besseren Abschneiden haben Nebenwerte nicht den besten Ruf bei Anlegern.
Sicherlich spielt eine Rolle, dass Nebenwerte den Ruf haben, dass sie volatiler sind, also stärker schwanken als Standardwerte. Was auch bis zur Jahrtausendwende stimmte. Aber seither gilt das nicht mehr.

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