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30.09.2011

19:58 Uhr

Investment

Fondskrise greift auf Dachfonds über

VonReiner Reichel

Die gegenseitige Abhängigkeit der beiden Investmentvehikel verschärft deren Liquiditätsproblem. eine Analyse der Fondsratingagentur Scope kommt zu dem Ergebnis, dass offene Immobilienfonds weitere Dachfonds gefährden.

Offene Immobilienfonds investieren oft in Büro- oder Gewerbegebäude. PR

Offene Immobilienfonds investieren oft in Büro- oder Gewerbegebäude.

DüsseldorfOffene Immobilienfonds, die gegenwärtig keine Anteilsscheine zurücknehmen, gefährden weitere Dachfonds. Zu diesem Schluss kommt die jüngste Analyse der Fondsratingagentur Scope. Bisher wurden Dachfonds mit dafür verantwortlich gemacht, dass Immobilienfonds für Kleinanleger nach der Lehman-Pleite 2008 den Tausch Anteile gegen Geld einstellen mussten. Sie zogen große Summe ab und brachten so gemeinsam mit anderen Großanlegern ihre Zielfonds in Liquiditätsnot. Einige von ihnen haben sich bis heute nicht erholt.

Das Problem ist die gegenseitige Abhängigkeit. Aus beiden Vehikeln zogen Anleger nach der Krise hohe Geldsummen ab. Dachfonds, die in Immobilienaktien und -fonds investiert hatten, verkauften Aktien und gaben Immobilienfondsanteile zurück. Als die Immobilienfonds die Rückgabe von Anteilen mangels Geld in der Kasse verweigern mussten, waren Dachfonds gezwungen, dasselbe zu tun.

Wenn nun offene Immobilienfonds wieder öffnen, besteht die Gefahr, dass die ihrerseits unter Druck stehenden Dachfonds sofort ihre Gelder zurückfordern. Scope hat Dachfonds mit einem Vermögen von 3,1 Milliarden Euro untersucht und festgestellt, dass davon 60 Prozent in offenen Immobilienfonds steckt. Bei drei - nicht genannten - Dachfonds, die geschlossen sind oder abgewickelt werden, liege der Anteil zwischen 70 und 90 Prozent.

Ein Beispiel dafür, wie eingefrorene Immobilienfonds einen Dachfonds umwerfen, ist der Premium Management Immobilien-Anlagen der Allianz. Mitte August hatte Allianz Global Investors angekündigt, den Fonds aufzulösen und voraussichtlich noch im Oktober knapp 500 Millionen Euro, etwa 19 Euro je Anteilschein, auszuschütten. Für Anleger ein Verlustgeschäft. Viel Dachfonds-Geld steckt auch im Morgan Stanley P2 Value, der ebenfalls abgewickelt wird.

Die nächste Möglichkeit, die Kassen aufzufüllen, besteht für Dachfonds, die in Axa Immoselect und Degi International investiert sind, wenn diese bis Mitte November öffnen sollten. Gelingt dies nicht, müssen die Fonds abgewickelt werden, Dachfonds erhalten wie alle Anleger den Erlös aus den Immobilienverkäufen. Zurzeit stecken etwa 23 Milliarden Euro Anlegergelder fest.

Kommentare (1)

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Gerardryan

04.10.2011, 22:44 Uhr

Mit die jetzigen täglichen wilde Ausschlage an die internationalen Börsen, eine Hedgefonds oder Privateequity Pleite ist nicht auszuschließen.Und das konnte zu eine Bedrohung für die gesamte Finanzsystem. Solche Billionaireplayboys müssen reguliert werden.

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