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03.05.2012

21:28 Uhr

Investmentfonds

Die Luft für Anleger wird dünner

VonIngo Narat

Investmentfonds haben Anlegern in letzter Zeit gute Gewinne eingebracht. Doch Experten prophezeien den Kursen durch das politische Umfeld stärkere Schwankungen. Anlegern raten sie deshalb jetzt zu Sachwerten.

Anleger sollen auf Aktien und Unternehmensanleihen setzen. dpa

Anleger sollen auf Aktien und Unternehmensanleihen setzen.

FrankfurtDiese Ergebnisse für das erste Quartal hat wohl kaum jemand erwartet: Viele Aktienfonds spielen allein in drei Monaten zweistellige prozentuale Gewinne ein; auch viele Anleiheprodukte kommen mit erstaunlich hohen einstelligen Wertgewinnen über die Runden. Das zeigt eine Auswertung von Feri Eurorating für das Handelsblatt. Deutsche und in Europa investierende Aktienfonds führen die Hitliste an.

Die Bilanz zeigt den durchschnittlichen Anlageerfolg aller zugelassenen Produkte für 36 Schwerpunkte. Als Orientierung listet sie zudem die durchschnittliche Wertentwicklung der vergangenen fünf Jahre auf.

"Nach vorne geschaut wird das Börsenklima rauer, die Kurse werden stärker schwanken, dafür sorgen schon die Wahlen in Frankreich und Griechenland und deren Folgen für die Euro-Zone", glaubt Feri-Analyst André Härtel. Der Hinweis auf die Wahlen erinnert an das große Thema für die Finanzmärkte: den Kampf zwischen den kontraktiven Kräften eines notwendigen Schuldenabbaus und der Geldflutung der Wirtschaftssysteme durch die großen Notenbanken, die eine Implosion um jeden Preis verhindern wollen.

Die vorliegende Fondsbilanz spiegelt den Optimismus der Anleger nach den zwei großen, insgesamt über eine Billion Euro schweren Kreditpaketen der Europäischen Zentralbank an die Banken wider. Aber Martin Hüfner, Volkswirt des Fondshauses Assénagon, blickt auf die aktuelle Lage: "Jetzt ist alles wieder so wie vorher. Die Krise ist sogar noch schlimmer." Seiner Beobachtung nach hat sich die Situation vor allem in Spanien und Italien weiter eingetrübt.

Die besten Fonds

Bester deutscher Aktienfonds

Wer über 22 Prozent Gewinn in nur einem Vierteljahr erzielt, muss etwas richtig gemacht haben. Tim Albrecht vom Deutsche-Bank-Fondshaus DWS hielt mit seinem „DWS-Deutschland“ im letzten Herbst Kurs - obwohl deutsche Aktien in dieser Phase tief stürzten. „Wir hatten eine gute Meinung von den deutschen Firmen und haben nicht verkauft“, sagt er. Jetzt freut er sich über die gestiegenen Kurse. Ein wenig Luft nach oben hat der Gesamtmarkt für ihn im laufenden Jahr noch. Er denkt an einen Dax von 7000 Punkten. „Aktien sind viel zu preiswert“, glaubt er. „Die Firmen liefern weitere Rekordgewinne ab“, erläutert Albrecht. Unternehmenserträge und Dividendenrenditen hält er nach wie vor für attraktiv.

Bester Osteuropa-Fonds

Die Türkei scheint vor Kraft nur so zu strotzen. Vor allem hier kauft sich Aziz Unan sein Aktiendepot zusammen. Der Fondsmanager von Renaissance Capital hat mit dem „Renaissance Ottoman“ im ersten Quartal 24 Prozent Rendite geschafft. Damit führt er die Gruppe der Aktienfonds für Osteuropa an. Das türkische Wirtschaftswachstum hat chinesische Dimensionen. „Die Raten sind dreimal so hoch wie in Westeuropa“, sagt der Manager. Er erkennt außerdem nach dem Sturz der Staatsanleihenrenditen eine neue Käufergruppe. „Noch heute sind Fonds im Land fast nur in Anleihen investiert, die Aktienquote liegt bei vier Prozent“, sagt Unan. Aber so, glaubt er weiter: „Diese kleine Quote wird exponentiell wachsen.“

Bester Fonds für Unternehmensanleihen

Klaus Blaabjerg von der dänischen Fondsgesellschaft Sparinvest hat gleich mit zwei Produkten für Unternehmensanleihen alle seine Konkurrenten geschlagen. Das sind die Fonds für Titel mit schlechtem Rating, der „Sparinvest-High Yield Value“, und der für Titel mit gutem Rating, der „Sparinvest-Investment Grade Value“. Dabei schaffte Blaabjerg in drei Monaten Fondserträge von über 14 und mehr als 13 Prozent. Im Hochzinsprodukt hat der Däne fast ein Drittel des Geldes in Firmen aus dem Öl- und Gasbereich investiert. Im Fonds für die Unternehmen mit besserer Bonität stecken 80 Prozent in Anleihen von Finanzhäusern. „Da sind auch die Kursschwankungen sehr hoch“, warnt er. Doch er beruhigt: „Wir haben Namen mit Überlebenskraft ausgesucht.“


Bester Fonds für Schwellenländer-Bonds

Anleihen aus den aufstrebenden Ländern sind gefragt. Auf diesem Feld hat Michael Discher-Remmlinger mit seinem „Deka-Global Convergence Renten“ im ersten Quartal das meiste für seine Anleger herausgeholt. Immerhin ein Plus von 5,3 Prozent schaffte er. Der Mann der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka macht Hoffnung auf mehr. „Viele Schwellenländer verringern ihre Schulden, die Staatshaushalte sind stabil“, beschreibt er einen wichtigen Unterschied zu vielen Industrieländern. Auch die Inflationsraten sinken. „Deshalb können die Kurse der Anleihen weiter steigen“, glaubt er. Da das Wirtschaftswachstum stimme, könnten die Anleger „wie schon in den letzten Jahren zusätzlich an den Aufwertungen der Lokalwährungen verdienen“.

In diesem schwierigen Fahrwasser versuchen Fondsmanager zu navigieren. "Heute haben die Notenbanken andere Aufgaben als früher", meint Markus Steinbeis vom Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen: "Sie müssen die Finanzsysteme stabil halten und die Zahlungsfähigkeit der Staaten sichern." Notenbanken halten die Zinsen deshalb künstlich tief. Deshalb glaubt der Verwalter: "Die relativ sichere Vermögensklasse mit positiven realen Zinsen und sicherem Emittenten gibt es praktisch nicht mehr."

Kommentare (1)

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Max

04.05.2012, 00:06 Uhr

Die Renditen für deutsche Staatsanleihen werfen in der Tat gegenwärtig negative reale Renditen ab. Dies kann sich in der Zukunft jedoch ändern, falls die Inflation sinken oder gar negativ werden sollte, was für den Euroraum aufgrund der Austeritätspolitik und Strukturreformen durchaus vorstellbar wäre.

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