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25.02.2012

12:09 Uhr

Investmentfonds

Renditeschwache Mogelpackung

Nachhaltig investieren, heißt auf Rendite zu verzichten - zumindest bei den meisten Aktienfonds. Diese Regel muss aber nicht für alle Zeiten gelten. Welche Fonds etwas taugen.

Weltkugel: Wer nachhaltig investiert, will mehr als nur Rendite. dpa

Weltkugel: Wer nachhaltig investiert, will mehr als nur Rendite.

FrankfurtEs gleicht einem Sammelsurium: Rund dreihundert Fonds am deutschen Markt für private Anleger schreiben sich „nachhaltig“ aufs Etikett. Deren Fondsmanager kaufen nach ökologischen, ethischen oder sozialen Kriterien Wertpapiere. Die Kriterien sind höchst unterschiedlich, hat doch jeder Fonds seine Definition von Nachhaltigkeit. Eines aber eint die Fonds: Kaum ein Produkt schaffte es in den vergangenen Jahren, seinen Vergleichsindex zu schlagen; herkömmliche Fonds, die auf möglichst hohe Renditen abzielen, stehen besser da. Wer nachhaltig investieren will, muss also offenbar auf Rendite verzichten.

Von den rund 300 Fonds mit Nachhaltigkeitsanspruch bleiben nach Einschätzung des Fondsresearch-Hauses Feri Eurorating etwa 150 Produkte übrig, die den Namen auch tatsächlich verdienen. Dort gelangen nicht einfach die relativ saubersten Anbieter einer Branche in den Fonds, sie müssen zusätzlich bestimmte Kriterien erfüllen. Das investierte Vermögen macht mit 30 Milliarden Euro nur einen Bruchteil der gesamten Fondsanlagen aus.

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Und der größte Teil des Geldes stammt sogar von professionellen Anlegern wie Stiftungen, Kirchen oder Pensionseinrichtungen, die dort aus politischen Gründen investieren, wie Kai Wiecking, Research-Chef beim Fondsanalysehaus FWW, sagt. Viele private Anleger wollten dagegen nicht wegen einer ökologischen oder anderen Ausrichtung auf Ertrag verzichten, meint er.

In der Tat: In der relativ großen Gruppe der weltweit anlegenden Aktienfonds gibt es mit Blick auf die vergangenen drei Jahre gerade mal drei von 41 nachhaltigen Fonds, die den Börsenindex MSCI World schlagen konnten, wie Feri ermittelte. Bei den herkömmlichen globalen Aktienfonds schaffte das zwar auch nur eine Minderheit, die aber immerhin 16 Prozent ausmacht.

Bei den gemischten Fonds, die in verschiedene Wertpapierarten investieren können, ist das Ergebnis noch frappierender: Kein einziger nachhaltiger Fonds entwickelte sich besser als die entsprechend gewichteten Aktien- und Anleihen-Indizes, mit denen Feri die Fonds vergleicht. „Das eingeschränkte Anlageuniversum führt derzeit zu einer schwächeren Performance“, resümiert Andre Härtel, Fondsanalyst bei Feri.

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Je enger die Kriterien, desto eingeschränkter die Anlagemöglichkeiten und desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Börsenentwicklungen verpasst werden, erklärt FWW-Fachmann Wiecking. „Wenn etwa klassische Energieversorger laufen, fehlt diese Wertentwicklung im Portfolio der auf neue Energien wie Windkraft setzenden Fonds“, sagt er. „Zum Teil sind die Fonds fast so eng zugeschnitten wie Sektorenfonds; das sorgt für relativ hohe

Wertschwankungen.“

Kommentare (1)

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Assecurancius

28.02.2012, 11:04 Uhr

Das Hauptproblem stellt dabei das Sammelsurium an halbgaren, selbstgestrickten und letzten Endes nichtwissenschaftlichen Nachhaltigkeitskriterien dar. Der pauschale Klassenausschluß von Waffenproduzenten ist so ein Beispiel: Die Sicherheitsleistung wird gern in Anspruch genommen. UN-Truppen, die Bundeswehr und die heimische Polizei trägt schließlich Waffen. Ein solcher Klassenausschluß hat mit Nachhaltigkeit also gar nichts zu tun sondern taugt allenfalls als billige Reklame für schlecht gemanagte Fonds.

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