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07.10.2011

06:47 Uhr

Joachim Faber, Jay Ralph

„Die Achterbahnfahrt wird noch Monate anhalten“

VonRolf Benders

Hedge-Fonds als Sündenböcke, Regierungen als Krisengewinner: Im Interview erklären Joachim Faber und Jay Ralph von der Allianz, welche Rolle Spekulanten in der Schuldenkrise spielen und wie es an den Märkten weitergeht.

Joachim Faber (l.) verlässt zum Jahreswechsel die Vermögensverwaltung des deutschen Versicherungskonzerns Allianz und geht mit 61 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger Jay Ralph (52) muss die zuvor als „Allianz Global Investors“ (AGI) bekannte Firma weiterentwickeln. Tobias  Everke für Handelsblatt

Joachim Faber (l.) verlässt zum Jahreswechsel die Vermögensverwaltung des deutschen Versicherungskonzerns Allianz und geht mit 61 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger Jay Ralph (52) muss die zuvor als „Allianz Global Investors“ (AGI) bekannte Firma weiterentwickeln.

Handelsblatt: Herr Faber, Herr Ralph, wann kommen die Märkte endlich zur Ruhe?

Faber: Ich fürchte, man kann den Anlegern wenig Hoffnung auf eine schnelle Stabilisierung machen. Diese täglichen Achterbahnfahrten werden noch einige Monate anhalten.

Ralph: Das wird nicht enden, bis sich nicht wenigstens eine Lösung der Krise in Europa abzeichnet.

Wann also werden die Märkte Ruhe geben?

Ralph: Sicher nicht, bis zumindest der Weg absehbar ist, der zu einer Fiskalunion Europas führt.

Und eine solche Fiskalunion ist unumgänglich?

Ralph: Naja, ich denke, man braucht zumindest eine europäische Einigung darauf, wie man die Ausgaben kontrolliert. Wenn die Märkte sehen, dass sich das abzeichnet, wird es ruhiger werden.

Im Moment suchen die Politiker und die Öffentlichkeit einen Schuldigen für die Reaktion der Märkte. Sind es wirklich die „bösen Hedge-Fonds“, die Griechenland und den Euro kaputtspekulieren?

Ralph: Zunächst muss man mal festhalten, dass nicht die Märkte die Probleme geschaffen haben.

Faber: Richtig. Die Märkte reagieren lediglich auf diese Probleme. Und Hedge-Fonds werden immer schnell als die Sündenböcke bezeichnet. Aber in der Realität haben die lediglich ein Marktvolumen von zwei Billionen Dollar, also ungefähr so viel, wie wir an Kundengeldern verwalten. Das ist im Vergleich zum Volumen des Gesamtmarkts wenig.

Wer ist denn dann der Schuldige?

Faber: Es gibt eine Menge Marktteilnehmer. Ich denke, die Eigenhandelsabteilungen der Banken mit ihren Geschäften an den Derivatemärkten tragen vor allem zu den Schwankungen bei.

Aber seien wir doch mal ehrlich. Wenn einer Ihrer Fondsmanager vom Wertverlust einer Währung profitieren kann, erwarten Sie doch auch, dass er dies tut, um Geld zu verdienen, oder?

Faber: Unsere Investoren sollen in Stärke investieren und Schwäche verkaufen. Und das ist ein Prinzip, das in der ganzen Welt gilt und absolut in Ordnung ist. Wenn es schwache Regierungen gibt, die schlechte Entscheidungen treffen, dann werden die Märkte das bestrafen, und das ist in Ordnung.

Und wo ist dann der Unterschied zwischen den Banken und Ihren Fondsmanagern?

Faber: Mit einem langfristigen Horizont produziert man meistens den richtigen Druck auf eine Regierung, zu den richtigen Entscheidungen zu kommen. Aber wenn man auf Tages- oder Monatsbasis investiert, wird es problematisch. Aber das tun unsere Investoren nicht.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

07.10.2011, 11:56 Uhr

Billionen für das "Retten" einer Währung. Und wie sagt Faber? Das ist nichts Beeindruckendes. Natürlich nicht! Sind ja nur zahlen. Und zahlen werden letztlich die Steuerzahler.
Es ist besser, die Eurozone fliegt auseinander und die ganzen Banken explodieren bei der Gelegenheit.

Kronecker

07.10.2011, 12:58 Uhr

Was die beiden Herren verschweigen, ist, dass z. B. im DAX® bis zu 20% nicht-diversifiziertes "spekulatives" Kapital herumgeistert. Das sind um die 40 Mrd. €. Werden diese 40 Mrd. € abgezogen, bricht der DAX® um 20% ein. Jetzt zu sagen, die Hedge-Fonds bewegen doch "nur" insgesamt zwei Billionen $, kann natürlich nur als Ablenkung bewertet oder Unwissenheit gesehen werden, wenn tatsächlich 40 Mrd.€ genügen, um den DAX® zum Einsturz zu bringen.

sailing

07.10.2011, 14:20 Uhr

Banken als Verursacher der Krise gehören reguliert.
Staaten die ihren HH nicht unter Kontrolle haben gehören "betreut" und zwar mit effektiven Maßnahmen.

Allerdings versteht die Politik nicht was zu unternehmen ist. Sie "schüttet" den Finanzsektor mit frischem Kapital zu ohne jegliche Forderungen und zwar zu Lasten des Steuerzahlers.

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