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03.01.2011

13:33 Uhr

Klaus Kaldemorgen

Der Mann des Geldes kehrt zu seinen Ursprüngen zurück

VonIngo Narat

Klaus Kaldemorgen, ehemaliger DWS-Geschäftsführer, kehrt zu seinen Ursprüngen zurück: Geld managen. Und nur das. So bleibt der Fondstochter der Deutschen Bank ihr bekanntestes Gesicht erhalten. Vielleicht reicht das, um die Fondserträge aufzupolieren.

Klaus Kaldemorgen: Der Ex-DWS-Geschäftsführer widmet sich jetzt nur noch seinen Fonds. dpa

Klaus Kaldemorgen: Der Ex-DWS-Geschäftsführer widmet sich jetzt nur noch seinen Fonds.

FRANKFURT. Was wäre die DWS ohne ihn? Profillos, ein Körper ohne Kopf und ohne Gesicht. Das "Gesicht" heißt Klaus Kaldemorgen. Seit fast drei Jahrzehnten arbeitet der 57-Jährige bei der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Seit er Geschäftsführer ist, hat er sieben Kollegen in diesem Amt überlebt. Heute dankt er ab. Kaldemorgen schafft den Hattrick der besonderen Art: Er ist nicht mehr Sprecher der Geschäftsführung, nicht einmal mehr Geschäftsführer, auch nicht mehr globaler Leiter der Aktienstrategie im gesamten Asset-Management der Deutschen Bank.

Vier Jahre war er ganz oben, immer mehr gedrängt als gewollt. Führungsaufgaben übernehmen, Personalentscheidungen treffen, das ist nicht seine Welt. Und das bankpolitische Gezerre der Mutter in den letzten Jahren ist es schon gar nicht: die Richtungsänderungen im Fondshaus, Gerangel zwischen Alpha-Tieren, Kulturkämpfe zwischen Investmentbankern und traditionellen Fondsmanagern.

Der Bank kommt das gelegen. Sie installiert aus ihren eigenen Reihen mit Wolfgang Matis gleich einen globalen DWS-Chef. Er soll das Haus in Form bringen, das in einigen Bereichen nicht mehr den eigenen Anspruch erfüllt, die "Nr. 1" zu sein: bei der internationalen Expansion und bei den Fondsrenditen. Der Ex-Chef beharrt: "Der Umbau ist ausgelöst worden durch meinen Wunsch, von meinen Mandaten zurückzutreten."

Kaldemorgen will jetzt etwas anderes, das machen, wofür sein Herz schlägt und womit er begonnen hat. Der DWSler ist mit Leib und Seele Fondsmanager. So ist der gebürtige Essener 1982 gestartet. 1982: Es war zufällig das Startjahr für die größte Wertpapierhausse aller Zeiten. Am Anfang kümmerte sich der Newcomer um Anleihen, entdeckte dann aber schnell seine Leidenschaft für Aktien. Dabei blieb es. Das hätte er sich nicht träumen lassen. Schließlich wollte er nach dem VWL-Studium mit seinem Faible für Geldpolitik eigentlich zur Bundesbank.

Stattdessen profilierte er sich mit Aktien. Seine Sternstunde kam zur Jahrtausendwende. Die Internet-Aktienblase ging in die letzte Beschleunigungsphase - und platzte dann. Mit seinen Flaggschiff-Aktienfonds Vermögensbildungsfonds I und Akkumula spielte er die Hausse gut mit, konnte dann im Crash die Kursverluste begrenzen.

Der Chef sieht sich als Mitarbeiter

Auch andere Trends sah der Aktien-Mann früh, etwa den Aufschwung der Schwellenländer oder das Thema Klimawandel. Er hat sich seinen Anlegern auch noch anders ins Gedächtnis gebrannt: als Vertreter ihrer Interessen. Auf Hauptversammlungen erhebt er sein Wort. So schimpfte er gegen die Manipulation von Porsche im Fall VW oder wetterte bei Schäffler/Conti.

Im Gespräch über die Börse ist Kaldemorgen in seinem Element. Geht es um Zahlen zur Geschäftslage der DWS, um Firmenstrategie, um Verwaltungssachen, kommentiert er das eher notgedrungen. Er ist auch nicht der Typ Chef aus dem Karriere-Ratgeber. Wenn er Mittagspause macht in der Frankfurter Mainzer Landstraße, dann nicht mit Großkopferten, sondern mit Beschäftigten aus dem Hause, die ihm im Laufe der Jahrzehnte ans Herz gewachsen sind. Und natürlich sitzt er im Großraumbüro neben seinen Mitarbeitern. Hierarchie? Nein, danke.

Kein Wunder, dass er bei den Mitarbeitern beliebt ist. Für manchen ist er gar eine Art Vaterfigur. Kaldemorgen gilt als glaubwürdig. Auch privat geht er eigene Wege. Wenn er sich am Wohnort Rüsselsheim mit Kumpels trifft, haben die mit Finanzdingen nichts zu tun. Das ist der erste Teil der Biografie. Der zweite begann vor drei Jahren und steht unter ganz anderen Vorzeichen. Eine harte Zeit bricht an. Kaldemorgen zieht sich im Börsen-Krisenjahr 2008 fast ein halbes Jahr aus dem Geschäft zurück. Seine schwer kranke Frau stirbt. Nach ihrem Tod steht er mit seinen beiden minderjährigen Töchtern allein.

Beruflich bekommt er fast zeitgleich heftigen Gegenwind. Die DWS gerät wegen ihrer zu offensiven Anleihestrategie in Turbulenzen, Fonds taumeln, der zuständige Geschäftsführer muss seinen Hut nehmen. Noch heute erscheinen die Wertentwicklungen vieler Anleihefonds nach unabhängigen Analysen verbesserungswürdig.

Schlechtes Händchen bei Aktien

Auch Kaldemorgen selbst greift bei Aktienentscheidungen daneben. Im Jahr 2009 schafft er nur eine mäßige Rendite, im vergangenen Jahr laufen die beiden Flaggschiffe weit schlechter als die meisten Konkurrenzprodukte. So wird 2010 zum härtesten Jahr seiner Laufbahn. Typisch aber wieder für ihn, dass er keine Ausflüchte sucht, sondern seziert, was er falsch gemacht hat.

Jetzt startet Kaldemorgen den dritten Teil seiner Biografie. Neben seinen alten Fonds will er den Anlegern auch mit neuen Hedge-Fonds zeigen, was er kann. Vielleicht schafft er ohne den Ballast ungeliebter Verantwortlichkeiten ein Performance-Comeback. Für die Fondsgesellschaft ist die entscheidende Nachricht, dass er bleibt. Ohne Kaldemorgen würden die wichtigen Vertriebe wahrscheinlich auf die Barrikaden gehen, Anleger Milliarden zurückziehen.

Die DWS wahrt ihr Gesicht.

Kommentare (1)

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Edda Wiegand

15.01.2011, 12:45 Uhr

Aha der trickreiche Herr Kaldemorgen hat einen Hedgefonds aufgelegt. Zwar arbeitet der Fonds nach UCiTS- Regeln, aber wehe d e n Steuerzahlern, die Länder- und Währungsallokation ist verspekuliert. Wer die Rahmenbedingungen ändern will,sollte bei den integrationsgierigen Nachfragern ansetzen. Auch Toleranz hat Grenzen.

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