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10.02.2005

07:35 Uhr

Konkurrent Indexchange reagiert mit Gebührensenkung – Experten erwarten Konsolidierung

Deutsche Bank startet eigene Indexfonds mit Kampfpreisen

VonIngo Narat

Die Deutsche Bank rollt den europäischen Markt für börsengehandelte Indexfonds auf. Sie stieg am Montag vergangener Woche mit Kampfpreisen in das Geschäft mit den so genannten Exchange Traded Funds (ETF) ein. Sie mischt mit laufenden Gebühren von 0,15 Prozent für zwei Produkte, die den Deutschen Aktienindex (Dax) beziehungsweise den Euro Stoxx 50 widerspiegeln, die Branche auf.

FRANKFURT/M. Der größte Konkurrent Indexchange reagierte mit Preissenkungen auf die Kampagne. Das zur Hypo-Vereinsbank gehörende Investmenthaus senkte die Gebühren für seine entsprechenden Produkte von 0,50 bzw. 0,40 Prozent auf die Deutsche-Bank-Sätze. Weitere Häuser dürften nach Ansicht von Experten folgen und eine heftige Konsolidierung unter den 16 ETF-Anbietern in Europa einläuten, da einige den Preiskampf nicht überleben würden.

Die Anbieter haben seit dem Start des ETF-Geschäftes in Europa vor fünf Jahren über 100 Produkte mit einem Volumen von inzwischen 25 Mrd. Euro aufgelegt. Die angesehene ETF-Analystin Deborah Fuhr von Morgan Stanley glaubt an einen anhaltenden Boom: „Ich rechne auf Dreijahressicht mit einem Volumen von mehr als 50 Mrd. Euro.“ Bei der Deutschen Bank ist sogar von 200 Mrd. Euro die Rede. Motor des Geschäftes ist das wachsende Interesse gerade institutioneller Anleger an den preisgünstigen, jederzeit handelbaren und vielseitig einsetzbaren Produkten.

Marktführer sind Indexchange, die Société-Générale-Tochter Lyxor Asset Management und die international agierende Barclays Global Investors (BGI). Das muss nicht so bleiben. Denn die führenden Handelsplätze für ETF in Europa, die Deutsche Börse und die Vierländerbörse Euronext, änderten die Spielregeln. Indexchange verlor das bisher exklusive Verwendungsrecht für den Dax und sieht sich nun der Konkurrenz der Deutschen Bank gegenüber. Analog strich Euronext die Regel, die Lyxor die exklusive Ausgabe von ETFs auf den französischen Standardwerte-Index Cac-40 sicherte. In Kürze legen auch BNP Paribas und Crédit Agricole ETFs auf den Aktienindex auf. Diese beliebten Indizes sind deshalb für den Markt entscheidend, weil sie einen Großteil des ETF-Geschäftes auf sich ziehen.

Die Offensive der Deutschen Bank hat auch hausintern eine pikante Note. Nicht nur, weil das Top-Institut in den vergangenen acht Jahren im ETF-Heimatland USA bereits zwei Mal den Einstieg probte und sich anschließend zurückzog. Sondern vielmehr auch, weil es das Indexgeschäft jetzt aus der Investment-Banking-Sparte heraus lanciert. Pikanterweise bringt die Deutsche Bank beide ETF-Produkte über die zur Fondstochter DWS gehörende DVG an den Markt. Die DWS ist jedoch seit jeher ein Verfechter des aktiven Managements von Fonds, das heißt der gezielten Suche nach Mehrrendite gegenüber einer Index-Messlatte – das genaue Gegenteil des Indexgeschäftes.

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