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03.02.2011

16:23 Uhr

Kontroverse Debatte

Treiben Indexfonds die Rohstoffpreise?

Wenn an den Rohstoffmärkten die Preise nach oben schießen, werden börsennotierte Indexfonds häufig zu den Treibern dieser Entwicklung gezählt. Amerikanische Wissenschaftler zweifeln diese These jetzt allerdings an. Sie sehen keine Beweise für eine trendverstärkende Wirkung von Rohstoff-ETFs.

Rohstoffhändler an der Nymex. Wer ist für den Preisanstieg verantwortlich? ap

Rohstoffhändler an der Nymex. Wer ist für den Preisanstieg verantwortlich?

HB FRANKFURT. US-Agrarwissenschaftlern zufolge haben börsennotierte Indexfonds (ETFs) keinen erwiesenen Einfluss auf den Preisanstieg bei Rohstoffen in den vergangenen Jahren gehabt. "Bis heute ist kein schlagender Beweis dafür gefunden", schreiben Scott Irwin und Lawrence Norton von der Agricultural and Applied Economics Association in einem Aufsatz. "Die aktuelle Kontroverse um Indexfonds kann man einfach als die jüngsten einer langen Reihe von Vorwürfen in Bezug auf Spekulationen am Markt für Rohstoff-Futures ansehen."

In den Jahren 2007 und 2008 sind die Preise für verschiedene Rohstoffe stark gestiegen. Beispielsweise verteuerte sich WTI-Rohöl von Anfang 2007 bis Mitte 2008 von etwa 50 Dollar auf rund 140 Dollar. Der Kupferpreis legte von 5600 Dollar auf 8500 Dollar zu. Einige Experten führen diesen Anstieg auf die wachsende Anzahl von Rohstoff-ETFs und die verstärkten Investments in solche Produkte zurück.

Diese ETFs kaufen Futures, um die Preisentwicklung von Rohstoffen nachzuvollziehen. Ende 2010 waren in Rohstoff-ETFs 45,7 Milliarden Dollar investiert, wie ein Marktbericht des US-Vermögensverwalters Blackrock zeigt. Das waren rund 79 Prozent mehr als Ende 2009 und 357 Prozent mehr als Ende 2008. Je mehr Geld in die ETFs investiert ist, umso mehr Futures müssen die Fonds kaufen.

>"Auch wenn Indexfonds ein gewichtiger Teilnehmer am Rohstoff-Futures-Markt geworden sind, gibt es herzlich wenig Beweise dafür, dass diese neuen Spekulanten Preisbewegungen angetrieben haben", schreiben die Autoren. Stattdessen verweisen sie auf die wachsende Rohstoffnachfrage aus China und anderen Schwellenländern, die zunehmende Produktion von Biokraftstoffen, knappe Angebote und die lockere Geldpolitik, welche ebenfalls als Gründe infrage kämen. Aber auch in Bezug auf diese möglichen Ursachen gebe es bislang keine verlässlichen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Da der Effekt Futures-basierter ETFs auf Rohstoffpreise bislang nicht erwiesen sei, sind Regulierungsmaßnahmen den Wissenschaftlern zufolge fehl am Platz. "Neue Limits in Bezug auf Spekulationen sind empirisch nicht gut begründet und könnten die Preisfindung und die Risikoverteilung über diesen Markt erschweren." Denn Investoren, die momentan über Futures Risiken von anderen Marktteilnehmern übernehmen, könnten dann nicht mehr in dem gewohnten Umfang dazu in der Lage sein.

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