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29.01.2008

15:30 Uhr

Krise als Chance

Fonds verbreiten Zuversicht

VonRalf Drescher und Ingo Narat

Fondsmanager werten den Kursrutsch an den Aktienmärkten seit Jahresanfang als günstige Gelegenheit für vorsichtige Zukäufe. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatts unter führenden deutschen Fondsgesellschaften. Die Privatanleger haben sich in der Börsenkrise nach Informationen der Investmentfirmen besonnen verhalten.

FRANKFURT. Es habe zwar begrenzte Mittelabflüsse aus Aktienfonds gegeben. Von einer Panik sei aber nichts zu spüren gewesen. Die Aktienmärkte in Europa und Asien waren in der vergangenen Woche heftig unter die Räder gekommen. Die Sorge vor einem Abrutschen der US-Wirtschaft in die Rezession und die Krise der amerikanischen Kreditversicherer hatten die Anleger aus Risikotiteln getrieben. Verstärkt wurde die Entwicklung, weil Investoren aus dem Dollar-Raum, die in den vergangenen Monaten von höheren Aktienkursen und steigendem Euro-Kurs doppelt profitiert hatten, den Rückschlag für Gewinnmitnahmen nutzten.

Erst die drastische Zinssenkung der US-Notenbank, die den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte zurücknahm, und die stabile Entwicklung an der Wall Street selbst haben den Abwärtstrend Ende vergangener Woche vorerst gestoppt. Abgehakt ist der Einbruch an den Börsen damit aber nicht, wie die gestrigen Verluste zeigten.

Bei den Fondsprofis macht sich dennoch vorsichtiger Optimismus breit: „Wir haben es mit einer mittelschweren Krise zu tun, die uns noch einige Zeit beschäftigen wird. Aber sie ist nicht so schwer ist wie die Asienkrise oder die LTCM-Krise vor etwa zehn Jahren“, meint Simon Davies, Chairman bei Threadneedle Investments. „Mit Blick auf den erwarteten Wirtschaftsabschwung glauben wir, dass eine Senkung der Schätzungen für die Unternehmensgewinne um 30 Prozent bereits in den heutigen Kursen enthalten ist.“

„Wir sehen die aktuelle Volatilität nicht nur als Risiko, sondern auch als Chance“, stimmt Christoph Berger, Fondsmanager der Cominvest, zu. Natürlich beobachte man die gestiegenen Risiken im makroökonomischen Umfeld genau. „Allerdings gibt es auch einige Einzelwerte, bei denen schon fast ein dramatisches Konjunkturszenario eingepreist ist. Davon gehen wir nicht aus und tätigen sehr selektiv auch Käufe“, ergänzt Berger.

Gerade für langfristige Investoren – und als solche verstehen die Fondsgesellschaften ihre Kunden – ergäben sich aus dem Rückschlag „günstige Gelegenheiten zum Einstieg oder Nachkaufen“, meint Thomas Wiesemann, Sprecher der Geschäftsführung von Allianz Global Investors. Er rät Anlegern, in der aktuellen turbulenten Situation einen „kühlen Kopf“ zu bewahren: „Wer denkt, er könne durch hektische Verkäufe langfristig ein besseres Ergebnis erzielen, dürfte in den meisten Fällen daneben liegen. Denn häufig kehrt der Anleger zu spät oder gar nicht zu dieser renditeträchtigen Anlageklasse zurück.“

Zumindest nach offizieller Darstellung der Fondsgesellschaften haben die Anleger diese Erkenntnis in der jüngsten Abwärtsbewegung beherzigt. „Die Nettomittelzu- und -abflüsse ließen keine Anzeichen von Panik erkennen“, heißt es bei der Cominvest. Und auch die anderen Fondsgesellschaften berichten zwar von einer steigenden Nachfrage nach weniger riskanten Produkten wie offenen Immobilienfonds, Mischfonds oder Geldmarktprodukten. Nennenswerte Mittelabflüsse aus Aktienfonds habe es aber nicht gegeben, lautet der allgemeine Tenor.

Konkrete Zahlen zu den Absatzbewegungen der Aktienfonds im Januar wird der Branchenverband BVI erst in einigen Wochen veröffentlichen. In den vergangenen Monaten hatten die Investmentfirmen mit hohen Mittelabflüssen aus Aktienprodukten zu kämpfen. Im Jahr 2007 hatten Anleger in Deutschland von Januar bis Ende November nach BVI-Daten Aktienfonds-Anteile im Wert von rund 14,5 Mrd. Euro zurückgegeben. Europaweit waren allein im November vergangenen Jahres 25 Mrd. Euro aus Aktienprodukten abgeflossen.

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