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09.01.2009

10:00 Uhr

Kursabschläge wecken Begehrlichkeiten

„Aktivisten“ sehen Hedge-Fonds als leichte Beute

Börsennotierte Hedge-Fonds müssen sich 2009 auf verstärkten Druck von rebellischenInvestoren gefasst machen. Denn dort gibt es aller Voraussicht nach mehr zu holen als bei den von der Krise gebeutelten Konzernen.

NEW YORK. Nach Angaben der auf Aktionärsklagen spezialisierten Unternehmensberatung Okapi Partners in New York sind Aktionärsgefechte mit Hedge-Fonds bereits in den vergangenen Jahren überproportional gestiegen. "Aktivisten" kaufen Anteile von Firmen und Fonds, um dort aktiv auf das Management einzuwirken und eine hohe Rendite zu erzielen. "Im derzeitigen Umfeld sind Hedge-Fonds dankbarere Angriffsziele als Firmen", sagte Okapi-Chef Bruce Goldfarb dem "Wall Street Journal". Denn Konzerne könnten sich zurzeit kaum die nötigen Kredite verschaffen. Bei Hedge-Fonds dagegen sei die Differenz zwischen den niedrigen Kursen der Anteilsscheine und ihrem deutlich höheren Substanzwert augenscheinlich. "Diese Preisdifferenz liefert rebellischen Investoren eine gute Story", sagte Goldfarb. Sie sei der Kernpunkt potenzieller Aktionen.

Entsprechend hatte schon im Juni vergangenen Jahres der aktivistische Value Catalyst Fonds aus London angekündigt, er werde sein Portfolio, das zuvor zu jeweils 50 Prozent auf Aktien und Fonds verteilt war, stärker auf Fonds ausrichten. Rabatte von 20 bis 40 Prozent auf den Substanzwert der Anteilsscheine seien weltweit die Regel, heißt es bei Value Catalyst. Er investierte in die ASA (Bermudas), die australische Lion Selection und die britische Vermögensverwaltung Throgmorton Trust.

Im vergangenen Jahr richteten sich 19 von 124 Aktionärsgefechten mit US-Firmen gegen Hedge-Fonds. 2007 waren es elf gewesen, vor sieben Jahren, 2001, waren es nur sieben.

So werden die Jäger nun zu Gejagten. Die Hedge-Fonds selbst haben sich mit ihren Firmenbeteiligungen im abgelaufenen Jahr öfter eine blutige Nase geholt. Der Hedge-Fonds TCI unter Chris Hohn, der auch bei der Deutschen Börse beteiligt ist, hat sich in Japan einen Korb eingehandelt. Er wollte seinen zehnprozentigen Anteil beim Atomkraftversorger JPower verdoppeln. Die japanische Regierung lehnte dies ab. Kurz darauf verkaufte Hohn seine Anteile mit einem Verlust von 93 Mio. Dollar. Beim US-Eisenbahnbetreiber CSX gewann TCI zwar Sitze, doch TCI meldete zuletzt dennoch einen Quartalsverlust von 26 Prozent.

Der auf Aktionärsklagen spezialisierte Goldfarb warnt, dass der Erfolg auch bei Aktionen gegen Hedge-Fonds nicht garantiert sei. Denn sollten die Fonds gezwungen sein, Vermögensposten zu liquidieren, könnte der Erlös enttäuschen. Ein weiteres Risiko sind die Kündigungen vieler Investoren: Wenn die Hedge-Fonds zahlreiche Anleger ausbezahlen müssen, bleibt für Zukäufe kaum Geld in der Kriegskasse. wsj/hus

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