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19.05.2017

13:17 Uhr

Lyxor Euro Stoxx 50

Wie sich Anleger gegen Europas Wahlrisiken absichern

Viele Anleger investierten zuletzt in einen ETF, der vor fallenden Kursen in Europa schützen soll. Das Volumen erreichte Rekordniveau. Doch in Sachen Wertentwicklung ist der Fonds ein großer Verlierer.

Das Anlagevolumen des sogenannten Lyxor Euro Stoxx 50 Daily Double Short ETF stieg zuletzt auf Rekordniveau. Reuters

Händler in Frankfurt

Das Anlagevolumen des sogenannten Lyxor Euro Stoxx 50 Daily Double Short ETF stieg zuletzt auf Rekordniveau.

FrankfurtNicht wenige Investoren sorgten sich zuletzt vor Unruhen auf den Aktienmärkten, ausgelöst durch die Wahlen in Europa. Viele, die sich dagegen absichern wollen, nutzen einen börsennotierten Indexfonds (ETF) auf das europäische Börsenbarometer Euro Stoxx 50. Solch eine Investition macht sich im großen Stil bezahlt, falls die europäischen Aktien einbrechen sollten.

Der Lyxor Euro Stoxx 50 Daily Double Short ETF (WKN A0MNT7) verzeichnete im April, im Vorfeld der Präsidentschaftswahl in Frankreich, den besten Monat aller Zeiten – es gab einen Nettozufluss von 168,7 Millionen Euro, wie Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg zeigen. Das Anlagevolumen des Fonds verharrt weiterhin in der Nähe eines Allzeithochs, während sich der politische Fokus der Anleger nun auf die deutsche Bundestagswahl im September 2017 richtet.

Die Wertentwicklung des ETFs verläuft gegensätzlich zur Performance des Euro Stoxx 50. Steigt der Index, fällt der ETF-Kurs. Double Short bedeutet zusätzlich, dass die Gewinne und Verluste verdoppelt werden. Würde beispielsweise der Euro Stoxx 50 an einem Tag um fünf Prozent steigen, läge der Index zehn Prozent im Minus. Zu den größten Werten im europäischen Börsenbarometer zählen französische und deutsche Unternehmen wie Total und Siemens.

Welche politischen Stolperfallen Anlegern 2017 drohen

Aktien

Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax im Schnitt bis Ende 2017 bei rund 11.470 Punkten. Das wäre in etwa auf dem Niveau vom Jahresende 2016 "Die Dividendenrendite ist im Vergleich zu den Anleihe-Renditen weiterhin so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist in Ordnung", sagt Lars Thörs, Aktien-Chef der Fondsgesellschaft Danske Capital. Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, verweist auf einen weiteren Aspekt: „Angesichts weiterhin extrem günstiger Finanzierungsbedingungen dürften Unternehmen auf das bislang nur verhalten eingesetzte Instrument der Aktienrückkaufe zurückgreifen.“

Über weite Strecken kam der Dax 2016 kaum vom Fleck. Das Plus von knapp sieben Prozent seit Jahresbeginn geht zum größten Teil auf die Kursentwicklung im Dezember. Anfang des Monats übersprang der Dax die 11.000er Marke.

Als großen Risikofaktor für die Aktienmärkte sehen Börsianer die Wahlen in Deutschland, Frankreich den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien. „Die Welle der populistischen Ergebnisse ist für Europa 2017 eine große Bedrohung“, sagt Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Ein zunehmender Nationalismus könnte der Anfang vom Ende der Euro-Zone sein.

Anleihen

An den Rentenmärkten werde es 2017 kaum etwas zu verdienen geben, ist sich Lars Edler, Co-Chefanleger des Bankhauses Sal. Oppenheim sicher. „Bei zehnjährigen Bundesanleihen gehen wir von einer negativen Gesamtrendite von etwa einem Prozent aus.“ Wenig besser dürfte es Anlegern mit US-Staatsanleihen ergehen: Hier sei eine Nullrendite zu erwarten. Die Ökonomen der Rabobank geben sich ähnlich skeptisch: „Wir sind nicht davon überzeugt, dass Donald Trumps Politik der Wirtschaft nachhaltigen Schub verleiht.“ Mögliche politische Spannungen könnten zudem die Attraktivität deutscher und US-Bonds als relativ sichere Anlagen erhöhen und damit die Renditen drücken.

Wegen der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen derzeit mit rund 0,3 Prozent etwa halb so hoch wie zu Jahresbeginn. Ihre US-Pendants rentieren mit knapp 2,3 Prozent zwar höher als Anfang 2016. Jenseits des Atlantik erwarten Börsianer aber auch eine Serie von Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Staatsanleihen sind seit Jahren für Investoren ein schlechtes Geschäft, da die großen Notenbanken diese Papiere in großem Stil aufkaufen. Damit sollen die Finanzierungskosten für Staaten niedrig gehalten und die Konjunktur angekurbelt werden.

Devisen

Wegen der unterschiedlichen Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantik ist der Euro den Analysten der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank zufolge 2017 auf dem Weg zur Parität. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei Kursen um die 1,04 Dollar - rund vier US-Cent weniger als Anfang Januar. Die Experten der Rabobank sagen dagegen ein Ende des Dollar -Höhenfluges voraus. Der konjunktur- und damit inflations- und zinstreibende Effekt höherer Infrastruktur-Investitionen in den USA werde voraussichtlich durch eine restriktivere Handelspolitik zunichte gemacht.

Die Talfahrt des chinesischen Yuan wird dem Commerzbank-Analysten Peter Kinsella zufolge weitergehen. „Der Yuan gilt zwar als künstlich billig, doch ist er die mit Abstand teuerste Schwellenländer-Währung.“ Um Börsenturbulenzen zu vermeiden, werde China seine Valuta aber nur behutsam abwerten. Kinsella sieht den Dollar Ende kommenden Jahres bei 7,15 Yuan. In den vergangenen Monaten kletterte er um rund sechs Prozent auf etwa 6,90 Yuan. Anfang 2016 hatte eine rasche Abwertung der chinesischen Währung ein weltweites Börsenbeben ausgelöst.

Erdöl

Im Januar treten die niedrigeren Förderquoten für die Opec-Staaten in Kraft. Viel hängt davon ab, ob sich die Mitglieder des Export-Kartells sowie Russland an die Vereinbarung halten. Viele Analysten rechnen für das erste Halbjahr mit Preisen um 55 Dollar je Fass (159 Liter). Danach werden die Preise der US-Bank Goldman Sachs zufolge aber fallen. Denn geringere Exporte der Opec und Russlands ließen Raum für Konkurrenten wie die US-Schieferölindustrie.

Dank der geplanten Kürzung der Fördermengen durch die großen Exportländer verteuerte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee binnen Jahresfrist um etwa die Hälfte auf 56 Dollar je Barrel (159 Liter).

Andere Rohstoffe

Auf Kursverluste müssten sich Anleger an den Metallbörsen einstellen, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Zwar steige durch die geplanten Infrastruktur-Investitionen in den USA und China die Nachfrage, gleichzeitig wachse aber auch das Angebot. Außerdem sei die Rally nach der US-Präsidentschaftswahl überzogen gewesen. Weinberg sieht den Kupfer -Preis bis Ende 2017 bei rund 5600 Dollar je Tonne. Seit September ist der Preis für das wichtige Industriemetall um ein Fünftel auf rund 5538 Dollar gestiegen.

Die Nachfrage nach der „Anti-Krisen-Währung“ Gold wird Analysten zufolge wegen der politischen Unwägbarkeiten anhalten. Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass der Preis für eine Feinunze Gold bis Ende 2017 auf rund 1300 Dollar von derzeit etwa 1150 steigt. 2016 verteuerte sich das Edelmetall um rund zehn Prozent.

Doch nicht aufgrund des doppelten Kursrisikos überrascht das hohe Investitionsvolumen. Denn die Sorgen über eine Populisten-Welle ebben auch nach dem Ausgang der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen nicht ab. In NRW haben die bürgerlichen Parteien hohe Stimmenanteile bekommen. Und in Frankreich unterlag Marine Le Pen bei der Präsidentenwahl zwar Emmanuel Macron. Doch ihr rechtsradikaler Front National könnte bei den Parlamentswahlen im Juni genügend Sitze einheimsen, um zu einem potenziellen Königsmacher zu werden.

„Wir haben hohes Interesse an diesem Fonds in den vergangenen Wochen im Umfeld der europäischen Wahlen beobachtet”, sagt Adam Laird, Leiter ETF-Strategie bei Lyxor Asset Management in London. „Investoren berichten uns, dass sie diesen ETF nutzen, um sich gegen Markteinbrüche abzusichern, besonders angesichts der politischen Risiken in Europa im Moment.”

Dabei ist dieser Lyxor 2017 in Sachen Wertentwicklung ein großer Verlierer. Starke Unternehmenszahlen und eine Verbesserung der Wirtschaft in der Euro-Zone haben den Euro Stoxx 50 im bisherigen Jahresverlauf um 8,3 Prozent steigen lassen. Dieser ETF liegt im selben Zeitraum rund 20 Prozent im Minus.

Wie die Welt im Jahr 2015 ihr Geld anlegt

Nordamerika

Anlageklassen in Prozent des Brutto-Geldvermögens

Bankeinlagen: 14 Prozent

Wertpapiere: 51 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 32 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Quellen: Allianz Wealth Report (Nationale Zentralbanken und Statistikämter, Allianz SE)

Westeuropa

Bankeinlagen: 30 Prozent

Wertpapiere: 27 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 40 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Osteuropa

Bankeinlagen: 54 Prozent

Wertpapiere: 28 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 10 Prozent

Sonstige Forderungen: 8 Prozent

Asien

Bankeinlagen: 44 Prozent

Wertpapiere: 41 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 13 Prozent

Sonstige Forderungen: 2 Prozent

Hinweis: Japan ist in dieser Kategorie nicht gelistet

Japan

Bankeinlagen: 53 Prozent

Wertpapiere:18 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 28 Prozent

Sonstige Forderungen: 1 Prozent

Ozeanien

Bankeinlagen: 23 Prozent

Wertpapiere: 24 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 52 Prozent

Sonstige Forderungen: 1 Prozent

Lateinamerika

Bankeinlagen: 23 Prozent

Wertpapiere: 41 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 33 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Dennoch: Das Anlagevolumen des Fonds kletterte am 21. April auf ein Allzeithoch von 256,7 Millionen Euro, wie die Daten weiter belegen. Nach der ersten Runde der Wahlen in Frankreich und nach der Stichwahl, die Macron gewann, zogen Investoren Gelder ab. Doch das Volumen blieb zuletzt stabil bei 211 Millionen Euro.

Das gehebelte Engagement in einen Index sei ein höheres Risiko für ETF-Investoren, sagt Cameron Brandt, Direktor der Analyse beim Marktforscher EPFR Global. Ein weiteres Risiko: Die doppelte Wertentwicklung wird täglich neu festgezurrt. Und je länger Investoren solche „Daily Fonds“ halten, desto weniger akkurat bilden die Fonds ihre Benchmark ab. „Das endet für unbedarfte Investoren häufig nicht gut“, erläutert Brandt.

Laird zufolge belegen die Zuflüsse beim ETF allerdings die zunehmende Erfahrung von Investoren, die das Instrument als Werkzeug für Risiko-Management sehen – und nicht nur für die langfristige Portfolio-Allokation. Denn Short-ETFs, sagt er, „können vor einem Marktkollaps schützen.“

Kommentare (1)

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Herr Tom Schmidt

19.05.2017, 14:36 Uhr

Also irgendwie verstehe ich den Artikel nicht... wenn ich mein Depot gegen Kursverluste mit dem Fonds absichern will, dann darf ich mich doch nicht beschweren, dass der Kurs fällt wenn die Indizes steigen....

Das ist bei jedem Instrument so, mit dem ich ein Depot versichere... man partizipiert an den Steigerungen eben nicht mehr mit!!!

Wenn so ein Fonds Zugewinne hat, dann meinen ganz einfach viele Investoren, dass aktuell ein hohes Kursniveau erreicht ist, man will sich gegen Rückschläge versichern. Der ganze Zusammenhang zur Politik ist dann einfach nur noch "Drum-rum-Geplapper". Viele Analsysten stellen gerne Verbindungen zur Politik her, sie liegen in den letzten Monaten immer falsch... es bleibt nur das aktuelle Kursrisiko und das hängt einfach vom aktuellen Niveau ab. Übrigens wissen die meisten erfahrenen Anleger, dass politische Börsen kurze Beine haben, eine Absicherung wegen Politik lohnt sich daher nicht. (allerdings wollen viele Banker im Falle von Problemen den Hintern gepudert bekommen, darum wird die Politik gerne für deren Probleme verantwortlich gemacht...)

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