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25.10.2011

13:51 Uhr

Mikrokreditfonds

Anlegen fernab vom launischen Markt

VonAnnika Williamson

Deutsche Anleger können jetzt in Kredite für Arme investieren. Auch wenn die Produkte keine Renditeschlager sind, sollen Anleger durch sie zumindest den großen Ausschlägen am Finanzmarkt entkommen.

Eine Frau in Bangladesch zählt Geld, das sie durch einen Mikrokredit bekommen hat. Reuters

Eine Frau in Bangladesch zählt Geld, das sie durch einen Mikrokredit bekommen hat.

DüsseldorfEine Nähmaschine für eine Inderin oder Werkzeuge für einen Bauern in Kambodscha – das können Anleger in Deutschland jetzt über einen Mikrokreditfonds finanzieren. Bisher mussten Deutsche auf ausländische Fonds zurückgreifen, wenn sie in Kleinstkredite für Arme investieren wollten. Durch eine Gesetzesänderung können solche Fonds jetzt auch in Deutschland aufgelegt werden.

Als erster geht der Microfinance Fonds der Frankfurter Gesellschaft Invest in Visions an den Markt. Für den Fonds werden eine Verwaltungsgebühr von 1,4 Prozent und ein Ausgabeaufschlag von drei Prozent fällig, außerdem eine Erfolgsgebühr, falls der Fonds seine Zielrendite von vier Prozent übertrifft.

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Der Grund dafür, dass diese Fonds in Deutschland bisher nicht zugelassen waren, ist die große Vielfältigkeit im Markt: Kaum ein Mikrofinanzinstitut gleicht dem anderen. Es ist ein bunter Haufen an regulierten und unregulierten Unternehmen, einige sind Ausgründungen von Entwicklungsbanken oder Stiftungen, andere sind eigenständig entstanden. Erst jetzt dürfen in Deutschland Fonds aufgelegt werden, die bis zu 95 Prozent ihres Vermögens in unverbriefte Darlehensforderungen von regulierten Mikrofinanzinstituten anlegen.

Das Ganze funktioniert für den Anleger folgendermaßen: Die Mikrofinanzinstitute verleihen kleine Summen an die arme Bevölkerung. Dafür verlangen die Institute recht hohe Zinssätze von etwa 25 Prozent, manchmal auch noch mehr. Invest in Visions vergibt Darlehensverträge an diese Mikrofinanzinstitute mit einem Zinssatz von sieben bis neun Prozent. Für den deutschen Anleger, der sein Geld in den Fonds steckt, bleibt noch eine potentielle Rendite von etwa vier Prozent.

Die schlechte Nachricht für den Anleger: Die Rendite ist dadurch praktisch gedeckelt. Die gute Nachricht allerdings ist, dass das Geld der Anleger laut der Geschäftsführerin von Invest in Visions, Edda Schröder, sehr sicher und die Rendite beständig gut ist.

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