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19.01.2007

09:52 Uhr

Missbrauch soll ausgeschlossen werden

Offene Immobilienfonds: Regierung schreibt Risikoklassen vor

VonFrank Matthias Drost

Die Bundesregierung zieht Konsequenzen aus der Krise der offenen Immobilienfonds vor gut einem Jahr. Im Rahmen der Novellierung des Investmentgesetzes erfolgt die Einteilung der Fonds in zwei Risikoklassen. Außerdem wird die Bewertung durch Sachverständige neu geregelt.

BERLIN/DÜSSELDORF. Die Bewertung der Immobilien und die Transparenz der Bewertung sollen verbessert werden, kündigte die Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Barbara Hendricks, gestern in Berlin an. Ferner werden Regelungen zur Haltedauer eingeführt. Der Fondsverband BVI ist mit den geplanten Neuregelungen nicht zufrieden.

„Prinzipiell macht die Aufteilung (in zwei Risikoklassen) in dieser relativ kleinen und vergleichsweise homogenen Assetklasse keinen Sinn“, sagte ein BVI-Sprecher. Die in einem Diskussionspapier vorgesehenen Neuregelungen sollen auch auf die bereits am Markt befindlichen Fonds angewandt werden. Jedoch geht der BVI von einer Übergangsregelung bis zum Jahr 2010 aus.

Während die sicherheitsorientierten Fonds eine tägliche Liquidität von zehn Prozent des Fondsvermögens sicherstellen müssen, sind es bei den renditeorientierten lediglich fünf Prozent – wie bislang. Ferner sind neue Bestimmungen zu Anlagegrenzen und Rücknahmeregeln bei den offenen Immobilienfonds vorgesehen. Außerdem wird das Projektentwicklungsgeschäft eingeschränkt.

Umgesetzt werden soll das Gesetz bis zum 1. Juli 2007. Ziel der Bundesregierung sei es, das für Fonds entscheidende Investmentgesetz zu entschlacken und zu deregulieren, sagte Hendricks. Jedoch sei bei offenen Immobilienfonds eine „Reregulierung“ notwendig.

Die Krise der offenen Immobilienfonds hatte im Dezember 2005 dramatische Ausmaße angenommen. Damals setzte die DB Real Estate die Rücknahme von Anteilen an dem Fonds Grundbesitz-Invest aus – ein in der fast fünfzigjährigen Geschichte der offenen Immobilienfonds einmaliger Vorgang. Kurze Zeit später setzte Fondsanbieter Kanam die Anteilsrücknahme der beiden Fonds Grundinvest und US Grundinvest nach hohen Mittelabflüssen aus. In der Folge wandten sich Anleger auch von anderen Fonds in Scharen ab, insbesondere von solchen mit Anlageschwerpunkt Deutschland. Heute verwalten die Fonds ein Vermögen von 78 Mrd. Euro, soviel wie im Jahr 2003. 2005 waren es noch 90 Mrd. Euro gewesen.

Ansetzen will die Regierung auch beim Sachverständigenwesen. Dabei nimmt sie aber die Vorschläge des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) nicht auf. Der BVI hatte vorgeschlagen, Immobilien-Sachverständige durch eine neutrale Stelle zu benennen. Nach Auffassung der Bundesregierung ist das aber nicht nötig. Künftig soll die für den offenen Immobilienfonds zuständige Kapitalanlagegesellschaft zwei Sachverständige benennen, die sich auf eine Bewertung einigen müssen. Nur wenn die Bewertungen zu weit auseinander klaffen, soll ein Dritter hinzugezogen werden. Die Interessenvertretung der Fondsbewerter (BIIS) sieht die Position der Sachverständigen dadurch geschwächt – und das auch noch zum falschen Zeitpunkt. Die Immobilienbewertung werde immer komplizierter, sagte ein BIIS-Sprecher.

Künftig solle ausgeschlossen werden, dass institutionelle Anleger offene Immobilienfonds als kurzfristige Anlagemöglichkeit „missbrauchen“, sagte Hendricks. So soll es nach dem Anlagebetrag gestaffelte Haltefristvereinbarungen mit Großanlegern ab 500 000 Euro zwischen ein und zwei Jahren geben. Bei den sicherheitsorientierten Immobilienfonds soll weiterhin die tägliche Rücknahme gelten.

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