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10.05.2012

16:45 Uhr

Monte Carlo

Wo es sich die Geldmanager gut gehen lassen

VonIngo Narat

Die Finanzwelt hat Probleme, die meisten Vermögensverwalter klagen über schlechtes Geschäft. Doch das hält sie nicht davon ab, es sich im Promi-Paradies Monte Carlo gut gehen zu lassen. Nebenbei geht's auch um's Geschäft.

Die hochrangigen Vertreter der Geldbranche treffen sich im mondänen Monaco. gms

Die hochrangigen Vertreter der Geldbranche treffen sich im mondänen Monaco.

An keinem anderen Punkt Europas treffen sich mehr Entscheider der Geldbranche. In der letzten Woche im Juni kommen hochrangige Vertreter zum „Fund Forum International“ zusammen; nicht irgendwo, sondern in der Stadt der Reichen und Schönen, in Monte Carlo. Alles teuer, sehr exklusiv – so mag es die betuchte Klientel.

Weit über 1.000 Teilnehmer treffen sich nahe am Hafen, im Grimaldi Forum. Schon früh am Morgen um 8 Uhr wird es losgehen, wenn die Besucher es aus einem der noblen Hotels den Berg hinab in die Veranstaltungsarena geschafft haben. Jeder ist froh, wenn er die felsige Dauerschwüle verlassen und das gut klimatisierte Veranstaltungsgelände betreten hat. Der Fußweg ist am bequemsten, denn Monte Carlo ist klein und Taxis sind Mangelware.

Man sollte meinen, eine Veranstaltung mit so viel Pomp sei in Jahren der Schuldenkrise fehl am Platz. Doch seit Jahren ist der Ansturm groß. Der Veranstalter ICBI hat die mondäne Umgebung zum Geschäftsmodell gemacht.

Fonds-Gebühren im Überblick

Ausgabeaufschlag

Der Ausgabeaufschlag fällt beim Kauf an. Je nach Anlagestrategie des Investmentfonds kann er relativ gering sein, bei Geldmarktfonds liegt der Satz etwa häufig bei rund ein Prozent. Er kann aber auch deutlich höher sein wie bei Aktienfonds, wo fünf Prozent keine Seltenheit sind. Dies bedeutet, dass bei einer monatlichen Sparrate von 50 Euro beim Geldmarktfonds für 49,50 Euro Anteile erworben werden, beim Aktienfonds hingegen nur für 47,61 Euro.

Fondskäufer können den Ausgabeaufschlag aber reduzieren. Direktbanken oder Fondssupermärkte im Internet bieten niedrigere Sätze an oder verzichten sogar ganz auf diese Gebühr. Zu den bekanntesten Fondssupermärkten zählen beispielsweise fondssupermarkt.net, avl-investmentfonds.de und infos.com. Gute Kunden dürfen außerdem auf Sonderkonditionen bei der Hausbank hoffen.

Je länger der Anleger investiert bleibt, desto weniger stark wirkt die Kaufgebühr. Wer monatlich 100 Euro in einen Sparplan mit 5 Prozent Ausgabeaufschlag einzahlt und durchschnittlich fünf Prozent Jahresrendite erzielt, steht nach drei Jahren bei 3.690 Euro. Ohne Kaufgebühren wären es 3.885 Euro. Wer zehn Jahre investiert bleibt, kommt mit dem Ausgabeaufschlag auf ein Guthaben von 14.725 Euro, ohne Gebühr wären es 15.500 Euro. 

Verwaltungsgebühr

Die Verwaltungsgebühr liegt im Regelfall zwischen null und zwei Prozent. Oft ist dieser Satz etwas höher, wenn der Ausgabeaufschlag gering ist und umgekehrt. Die Verwaltungsgebühr wird - einmal im Jahr oder auch monatlich - aus dem Fonds bezahlt. Wenn die Gebühr zum Beispiel 1,2 Prozent ist und der Fondswert 10.000 Euro, beträgt die Gebühr 120 Euro im Jahr und das neue Fondsvermögen noch 9.880 Euro. 

Depotbankgebühr

Die Investmentgesellschaft hinterlegt das Fondsvermögen bei einer sogenannten Depotbank. Für das Führen dieses Depots wird eine Gebühr erhoben, die im Regelfall aus dem Fondsvermögen bezahlt wird. Diese Gebühr kann bei großen Fonds bis zu 0,3 Prozent des Fondsvolumens per anno ausmachen.

Zusätzlich ist die Depotbank berechtigt, eine Transaktionsgebühr von bis zu 100 Euro je Transaktion, die nicht über die Depotbank getätigt wird, zu erheben. Auch eine zusätzliche Verwahrgebühr von bis zu 0,1 Prozent pro Jahr ist rechtens. Neben den genannten Vergütungen verlangen einige Gesellschaften eine weitere tägliche Vergütung in Höhe von bis zu 0,75 Prozent pro Jahr. 

Performance Fee

Die Performance Fee ist eine erfolgsabhängige Gebühr. Wenn ein aktiv gemanagter Fonds eine bessere Wertentwicklung aufweist als ein vorher festgelegter Vergleichsindex, wie zum Beispiel der DAX, wird die Performance Fee gezahlt. Wenn eine Performance Fee von 20 Prozent vorgesehen ist, bedeutet das zum Beispiel: Ein Kunde hat ein Fondsvermögen in Höhe von 20.000 Euro. Der Fonds hat in diesem Jahr sechs Prozent Plus gemacht, der Vergleichsindex nur vier Prozent. Das Mehr an Rendite von zwei Prozent sind 400 Euro. Davon bekommt die Gesellschaft 20 Prozent, also 80 Euro. 

Performance Fees sind an ganz unterschiedliche Bedingungen geknüpft. Die Investmentgesellschaft profitiert von einem besseren Abschneiden im Vergleich zum Vergleichsindex, muss sich aber nicht zwangsweise auch an Verlusten beteiligen, falls der Index besser war.

Es ist auch möglich, dass Anleger Performance Fee`s zahlen müssen, obwohl der Fonds Verluste gemacht hat. Wenn der Vergleichsindex zehn Prozent Minus gemacht hat, der Fonds aber nur sechs Prozent Minus, war er besser als der Vergleichsindex. Dann lässt die

Investmentgesellschaft es sich vergüten, dass der Fond zwar Verluste gemacht hat, aber eben nicht so viel wie andere. 

Transaktionskosten

Transaktionskosten entstehen, wenn im Fonds eine Umschichtung der Wertpapiere stattfindet, also beispielsweise Aktien verkauft und andere dafür gekauft werden. Bei einer solchen Umschichtung entstehen Transaktionskosten, die von den Anlegern bezahlt werden. Je öfter umgeschichtet wird, desto mehr Gebühren müssen gezahlt werden und desto geringer ist die Rendite.

Wegen mangelnder Transparenz bleibt die Höhe der Transaktionskosten in der Regel im Dunkeln. Eine Ausweisung der relevanten Daten im Fondsprospekt geschieht laut Studie der Verbraucherzentrale NRW kaum oder nur unzureichend. 

Sonstige Gebühren

Der Fantasie sind bei den sonstigen Kosten keine Grenzen gesetzt. Rechtliche Vorgaben gibt es so gut wie nicht. So kann es passieren, dass Anleger nicht nur den Ausgabeaufschlag beim Kauf bezahlen, sondern auch einen Rücknahmeabschlag bei der Rückgabe der Anteilsscheine. Und wenn ein Fonds Geld einnimmt, weil er Wertpapiere verleiht, dann kassiert die Gesellschaft dafür oft auch eine Gebühr. Hier empfiehlt sich eine genaue Prüfung der Fondsunterlagen und des amtlichen Verkaufsprospekts um herauszufinden, welche sonstigen Kosten anfallen können.

Eine Hilfe beim Vergleich von Fonds anhand der anfallenden Kosten ist die Total Expense Ratio (TER). Die TER ist eine Gesamtkostenquote, die für Transparenz sorgen soll. Das gelingt allerdings nur zum Teil. Grund ist, dass in der TER nicht alle Kosten enthalten sind. So sind weder die Ausgabeaufschläge enthalten, noch die erfolgsabhängigen Gebühren (Performance Fee`s). Die Aussagekraft der TER ist daher begrenzt. Laut Morningstar liegt sie bei Aktienfonds bei gut zwei Prozent.

Nirgendwo sonst können sich die Geldmanager auf so engem Raum austauchen. Natürlich geht es auch ums Geschäft. „Ich komme seit Jahren hierher, weil wir nirgendwo sonst so viele Entscheider treffen können“, sagt etwa Oliver Roll, Geschäftsführer der Vertriebs-Beratungsgesellschaft max.xs. Was man wissen sollte: Angelsachsen sind überrepräsentiert.

Wenn die Top-Entscheider einfliegen, so der Gedanke, können sie auch schon mal Frau oder Freundin mitbringen und ein paar Tage anhängen. In der Woche laden viele Firmen abends zu kleinen Meetings in eines der exquisiten Lokale am Hafen. Oder in einer angesagten Disco, wo man durchaus Boris Becker, Sting oder Pamela Anderson begegnen kann – alles schon vorgekommen. Arbeiten und es sich gut gehen lassen, so die Devise. Auch der Veranstalter legt sich ins Zeug, trommelt traditionell am Montag zur „White Night Welcome Beach Party“, am Dienstag zur „Drinks Reception“, am Mittwoch zum „Gala Dinner“.

Kommentare (3)

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Realo

10.05.2012, 20:14 Uhr

a) Zahlt der dumme Kunde die Auslagen ja zurück
b) finanziert dank Steuerreduzierung (wenn dies als Betriebs- und Marketingkosten abgesetzt wird) die Mehrheit der Steuerzahler! Kleine können kaum einen Sprachkurs absetzen, aber diese Firmen haben ganze Trupps von Steuerberatern, die bei Steuerreduzierung helfen. Ich kenne solche: Flug in Bussinessclass, 3 ÜN im 5-Sterne-Hotel, ein paar Bla-Bla-Meetings von max. 2-3 Stunden (das kann ja hier kein Finanzamt nachprüfen) insgesamt Kosten von rd. 6000 EUR. Falls die Partnerin mit fährt das Doppelte. Die wird als Assistenz eingeschleust. Aber hier schaut ja Herr Schäuble weg. Wenn Frau Wagenknecht reist, geht sie auch lieber in 5-Sterne-Häuser. Wahrscheinlich haben sich die Linken auf die Fahnen geschrieben: alle sind gleich - wenn wir erst mal oben sind!

Caveman

13.05.2012, 11:28 Uhr

Jetzt wird also auch beim Handelsblatt gespart und die Redaktion darf nicht mehr nach Monte Carlo. Und siehe da: Plötzlich wird kritisch über dieses seit Jahren beliebte (dienstliche) Reiseziel berichtet. Natürlich versehen mit dem Hinweis, man möge als Veranstalter ein Einsehen haben mit den klammen Pressevertretern. Gehts noch? Die Veranstaltung ist doch seit Jahren eine Ausgeburt an eitlem Zusammentreffen von Leuten, denen es nicht ums Geschäft sondern um ein paar finanzierte Urlaubstage geht. Bestes Beispiel ist der der erwähnte Dr. Roll.

MaWo

19.05.2012, 09:23 Uhr

@ Realo,
gut, dass hier keine isländische Justiz tätig wird:
http://blog.snaefell.de

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