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25.06.2013

11:06 Uhr

Nachgerechnet

Die wahren Kosten alter Aktienfonds

VonGertrud Hussla

Vor 2009 gekaufte Fonds sind steuerlich besonders günstig. Kursgewinne kann der Anleger noch voll einstreichen, ohne dass der Fiskus zulangt. Doch hohe Nebenkosten können diesen Vorteil rasch zunichte machen.

Nachgerechnet: die wahren Kosten eines alten Aktienfonds

Interviews: Nachgerechnet: die wahren Kosten eines alten Aktienfonds

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DüsseldorfEin Handelsblatt-Abonnent aus Offenburg wollte von uns wissen, ob er seinen relativ teuren Aktienfonds, den Allianz Vermögensbildung Deutschland A (WKN: 8475062) behalten oder gegen einen deutlich kostengünstigeren Indexfonds eintauschen soll. Den Allianz-Fonds hat er noch vor 2009 gekauft, seine Kursgewinne sind also steuerfrei. Mit Steuerersparnissen hat auch seine Bank argumentiert: Unbedingt behalten. Doch auf den zweiten Blick zieht das Argument Steuern hier nicht unbedingt.

Die Fonds-Verwaltung, die in deutsche Aktien investiert, zog den Sparern zuletzt 1,79 Prozent ihres Vermögens für Verwaltungs- und Depotgebühren (Total expense ratio) ab. Hinzu kam 2012 noch eine erfolgsabhängige Gebühr von 0,9 Prozent. Macht 2,69 Prozent Nebenkosten. Das ist ziemlich viel. Ein Indexfonds auf deutsche Aktien, etwa von DBX-Trackers, würde dagegen nur rund 0,15 Prozent kosten. Wir haben hier also einen Gebührenunterschied von 2,54 Prozent. Würde der Anleger jetzt aber den Fonds durch ein kostengünstigeres Produkt ersetzen, dann müsste er alle künftige Kursgewinne am Ende mit einem Satz von mindestens 26,38 Prozent versteuern.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.


Ob es sich lohnt, den teuren Fonds zu behalten, hängt von den Kursgewinnen ab. Die Steuerersparnis muss mindestens so groß wie die Mehrkosten des Fonds sein, damit es sich lohnt, ihn zu halten. Das ist eine einfache Dreisatz-Rechnung: Kursgewinn mal gesparter Steuersatz muss mindestens gleich dem Gebührenunterschied von 2,54 Prozent sein. Stellt man die Gleichung um, kommt man auf einen Kursgewinn von mindestens 9,63 Prozent, ab dem sich der Fonds rechnet. Angenommen, die Entwicklung des Fonds läuft ähnlich wie bei einem breiten deutschen Aktienindex, dann müssten die Märkte also Jahr für Jahr um fast zehn Prozent steigen, wenn der Allianz-Fonds sein Geld wert sein soll.

Das hat das Produkt in den letzten viereinhalb Jahren locker geschafft, die Aktien sind ja, abgesehen von 2011, ordentlich gestiegen. Längerfristig werfen Aktien aber weniger ab. Man rechnet um die acht Prozent Plus im Jahr. Sollte es eine längere Seitwärtsphase geben oder gar Kurseinbrüche, schlagen die Kosten des Fonds voll auf das Vermögen durch.

Kommentare (6)

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25.06.2013, 11:23 Uhr

Die Rechnung ist bicht nachvollziehbar ? Und Es sind nicht mindestens 26,38% Steuer sondern Maximal 26,38% Steuern da es sich um die Abgeltungssteuer handelt

Account gelöscht!

25.06.2013, 11:33 Uhr

Richtig.

Übrigens: Sollte man mal einkommens-mäßig ein schlechtes Jahr haben und mit seinem ESt-Satz unter 25% liegen, kann man einen Fonds auch auflösen und dann nur mit seinem tatsächlichen Steuersatz unter 25% (+Soli) versteuern (Günstiger-Prüfung).

Account gelöscht!

25.06.2013, 11:42 Uhr

Was man auf jeden Fall aus dem Depot schmeißen sollte sind teure Geldmarktfonds von vor 2009.

Die Zinsen werden definitiv nicht mehr signifikant steigen (die finanzielle Repression lässt grüßen) und neben der Inflation zehren denn auch noch Gebühren an den Erträgen

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