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03.04.2011

12:31 Uhr

Nachgerechnet

Sündenfonds mit Pferdefuß

VonGertrud Hussla

Der neu aufgelegte Fonds "Prosperia Mephisto 1" verspricht gute Gewinne mit sündigen Anlagen. Gertrud Hussla hat nachgerechnet und festgestellt: Hohe Kosten und Provisionen fressen einen Großteil der erhofften Rendite.

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Düsseldorf„Sünder leben im Diesseits gut - Heilige im Jenseits.“ Unter diesem Motto wirbt derzeit die in Würzburg ansässige Fondsgesellschaft Prosperia für Anlagen ihren neu aufgelegten Fonds „Prosperia Mephisto 1“. Er appelliert an Sparer, die mit ihrem Geld nicht unbedingt die Welt retten wollen, sondern lieber eine ansehnliche Rendite erwirtschaften möchten. Entsprechend investiert er in „sündhafte Investments“: Rüstungsindustrie, Spielcasinos, Sexshops, Luxusgüter.  Ein Gegenstück zur Welle der grünen Investments also.

Doch der Name ist in jeder Hinsicht Programm: Die Sache hat einen ausgeprägten Pferdefuß. Während der Laufzeit bis 2016 gehen in einer Beispielrechnung 43  Prozent des Sparer-Einsatzes für Provision, Einrichtung und laufende Kosten drauf. 43 Prozent. Das ist auch für bekanntermaßen teure geschlossene Fonds ein stattliches Sümmchen.

Dabei ist die Idee äußerst verführerisch. Politisch inkorrekte Anlagen haben in den vergangenen Jahren eine erstaunlich gute und stabile Kursentwicklung hingelegt. Conrad Mattern,  der die Anlage konzipiert hat, verweist auf den US-amerikanischen „ISE-Sindex“, einen Index, der Casinos, Tabakhersteller und die Alkoholindustrie abbildet. Dieser Index hat seit Anfang 2000 um rund 400 Prozent zugelegt. Der breite, weltweite MSCI World hat sich dagegen immer noch nicht ganz von der Dot-Com-Blase erholt und liegt gegenüber dem Jahr 2000 rund 30 Prozent im Minus. Von solchen Daten ermutigt verheißen die Anbieter eine Rendite von 19,7 Prozent.

Doch wo genau das Geld der Sparer beim „Mephisto 1“am Ende landen wird, ist  noch offen. Die Anlageobjekte werden erst noch ausgewählt. Es handelt sich um einen „Blind Pool“. Korrekt verweist der Verkaufsprospekt auf das  Risiko eines Teil- oder Totalverlusts. Schließlich können sich die ausgewählten Engagements  als Flops erweisen. Es kann auch passieren, dass  gar nicht erst genug Geld zusammenkommt. Der Fonds sei damit nur als Beimischung geeignet, heißt es. Immerhin ist der Anleger im Kleingedruckten gewarnt.

Sicher sind nur die Kosten, die  im Prospekt mal hier und mal da erwähnt sind. Laut Seite acht beträgt das Agio fünf Prozent. Auf Seite 43 ist von Emissionskosten in Höhe von 10,5 Prozent  die Rede. Agio nicht mitgezählt.. Aus der Liquiditätsplanung auf Seite 45, einer Tabelle, errechnet sich, dass inklusive weiterer Kosten im ersten Jahr schon mal 18,1 Prozent der investierten Summe abgehen.

Die laufenden Abzüge sind auch in den Folgejahren deftig: Darunter zwei Prozent der Anlagesumme jährlich für das Management, plus Umsatzsteuer, und noch einmal zwei Prozent für die Fondsverwaltung, plus Umsatzsteuer.

Nur um die Nebenkosten zu decken, müssten die Investments des Fonds eine Rendite von rund zehn Prozent abwerfen.

Ich persönlich würde mir für so viel Geld (die Mindestanlagesumme ist 5000 Euro) lieber gleich einen schicken Pelzmantel kaufen – wenn es schon sündhaft und teuer sein soll.

 

Kommentare (4)

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info@finanzmarketingberatung.de

03.04.2011, 17:41 Uhr

Von Äpfeln und Birnen

Diesem Beitrag ging eine längere, offensichtlich nutzlose Kommunikation vorher. Es ist schon bedenklich zu nennen, wenn man an einem Fondskonzept nichts anderes finden kann, außer, dass man Äpfel und Birnen vergleicht und dabei die Grundsätze von geschlossenen Fonds als unternehmerische Beteiligungen übersieht.
Es ist mathematisch falsch, die gesamten Kosten während der Laufzeit eines Fonds auf die Ursprungssumme (das Investitionskapital des Anlegers) prozentual zu verteilen, hieraus eine Kostenquote zu kalkulieren und daraus eine möglicherweise notwendige Rendite abzuleiten. Diese Denkweise entspricht dem klassischen Investmentfondsgedanke mit dem Unterschied, dass der Anleger hier die operativen Kosten überhaupt nicht kennt.
Vielmehr müssen die laufenden Kosten ja aus dem operativen Geschäft heraus erwirtschaftet werden und belasten so nicht das Anlagekapital sondern sind Teil der Substanz schaffenden Investitionen, die nötig sind, um eine gewisse Rendite zu erwirtschaften und bei denen man abwägen muss, ob man sie eingeht, das heißt, ob der unternehmerische Gewinn dagegen steht. Das ist die unternehmerische Denkweise, die geschlossene Fonds prägt.
Ich rate der Kollegin, die Vergleichsrechnung mit einer Schiffsbeteiligung aufzumachen. Bei bspw. typischen 18 Prozent anfänglichen Weichkosten und laufenden Kosten von sagen wir fünf Prozent pro Jahr und einer Laufzeit von 15 Jahren, wäre faktisch in ihrer Rechnung kaum mehr Anlegerkapital da. Wie hoch wäre hier die rechnerisch nötige Rendite?
Wir finden es zum einen sehr schade, wenn kein Argument seitens des Anbieters Beachtung findet. Zum anderen Rechnungen aufgemacht werden, die unnachvollziehbar sind. Wenn man schon die Reaktionen seitens des Anbieters unberücksichtigt lässt, wäre es journalistisch ausgewogen, wenn man im Beitrag auf einen Vorwurf ein Statement zugelassen hätte.
Michael Oehme, Presseverantwortlich Prosperia AG

robby

04.04.2011, 09:57 Uhr

blind pool - kann ich ja gleich lotto spielen.
...noch so ein pervertiertes finanzprodukt was keiner braucht, ohne ethik, moral und nachhaltigkeit.
gier frisst hirn.

Realo

04.04.2011, 19:22 Uhr

Richtig Frau Hussla. Mit einem Pelzmantel erzielen Sie wenigstens noch einen Wiederverkaufswert, d.h. ein Totalverlust werden Sie nicht erleiden. Wenn man die Prospekte schon immer gelesen hätte, wäre vielen Sparern das böse Erwachen erspart geblieben.

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