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10.04.2012

13:27 Uhr

Nachhaltige Fonds

Investitionen in die Rüstungsindustrie

Eine Studie zeigt, dass sogenannte nachhaltige Fonds oft Anlegergeld fragwürdig investieren - Geld landet in Atombranche, Rüstungswirtschaft oder Ölindustrie. Grünen-Finanzexperte Schick fordert Mindestkriterien.

Viele nachhaltige Fonds werben damit, beispielsweise erneuerbare Energien zu födern. Stattdessen fließt das Geld anscheinend oft in die Rüstungs- oder Atomenergie. dpa

Viele nachhaltige Fonds werben damit, beispielsweise erneuerbare Energien zu födern. Stattdessen fließt das Geld anscheinend oft in die Rüstungs- oder Atomenergie.

Sogenannte nachhaltige Fonds investieren Geld von Privatanlegern einer Studie zufolge häufig auch in allgemein nicht als ökologisch, sozial oder ethisch akzeptierte Kapitalanlagen. Neun von zehn untersuchten nachhaltigen Fonds hätten Geld von Anlegern etwa „direkt oder indirekt“ auch bei Rüstungsfirmen investiert, heißt es in einer am Dienstag in Berlin von der Grünen-Bundestagsfraktion veröffentlichten Untersuchung. Ein Fonds werbe mit dem Verzicht auf Investitionen in Kernkraft, habe aber Geld in einen Konzern gesteckt, der an einem Atomstrom-Produzenten beteiligt sei.

Jeder der zehn untersuchten Aktienfonds habe in den Bereich Öl und Gas investiert, heißt es in der Studie des Wirtschafts- und Finanzjournalisten Jochen Bettzieche im Auftrag der Grünen. Bei diesen Investitionen sei die komplette Bandbreite der Öl- und Gasproduktion und -vermarktung abgedeckt worden: Tiefsee-Bohrungen, die Förderung von Ölsanden sowie der Bau von Kraftwerken bis hin zur Versorgung von Endkunden.

Für an Nachhaltigkeit orientierte Anleger sei es ein Problem, dass heute «kein einheitlicher Mindeststandard» gelte, was bei Geldanlagen unter nachhaltig zu verstehen ist, heißt es in der Studie. Zudem sei das Angebot entsprechend beworbener Fonds groß und „äußerst unübersichtlich“. Da es keinen Standard für Nachhaltigkeit bei Geldanlagen gebe, bleibe Anlegern «nichts anderes übrig, als jeden Fonds selbst genau anzuschauen». Dies bedeute aufgrund des großen Angebots einen hohen Zeitaufwand.

Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick sprach sich angesichts der Studien-Ergebnisse für Mindestkriterien aus, die als nachhaltig beworbene Fonds erfüllen müssen. «Nötig sind klare gesetzliche Mindeststandards», erklärte Schick. Der Begriff der Nachhaltigkeit sei bislang nicht geschützt und daher beliebig verwendbar. Dies sorge dafür, dass die Angebotspalette für Verbraucher undurchsichtig sei und führe zu Verunsicherung. Jedoch sei das wachsende Interesse von Menschen an nachhaltigen Geldanlagen positiv, erklärte Schick. Daher müsse das Vertrauen in solche Investitionen gestärkt werden.

Von

afp

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