Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.12.2012

10:36 Uhr

Nebenwerte

Immer auf die Kleinen (setzen)!

VonJessica Schwarzer

Alle schauen auf den Dax, doch in seinem Windschatten hat der Nebenwerteindex MDax längst ein neues Allzeithoch erklommen. Auch der kleinere SDax schlägt den Leitindex um Längen. Welche Aktien für Anleger taugen.

Kurschart: Viele Nebenwerte schlagen die Börsenschwergewichte um Längen. dpa

Kurschart: Viele Nebenwerte schlagen die Börsenschwergewichte um Längen.

Düsseldorf/FrankfurtSmall is beautiful – und verspricht an der Börse satte Kursgewinne. Meistens zumindest. Mehr als 30 Prozent hat der MDax seit Jahresbeginn zulegt und damit gut fünf Prozentpunkte mehr als der Dax. Der Indes für die mittelgroßen Werte hat in der vergangenen Woche sogar ein neues Rekordhoch erklommen. Davon ist der Dax noch mehr als 600 Punkte entfernt. Auch auf längere Sicht schlägt der Mid-Cap-Index seinen großen Bruder klar. „Nebenwerte sind im Allgemeinen wachstumsstärker“, sagt Björn Glück, Experte für deutsche Nebenwerte bei der Fondsboutique Lupus Alpha.

In den vergangenen drei Jahren hat der MDax fast 60 Prozent zugelegt, der Dax nur gut die Hälfte. Auf Sicht von fünf Jahren fällt die Bilanz noch deutlicher aus. Ein Plus im MDax von fast 20 Prozent steht einem Dax-Minus von etwas mehr als sechs Prozent gegenüber. Und wer vor zehn Jahren auf den MDax setzte, freut sich sogar über ein Plus von fast 270 Prozent, während der Dax „nur“ gut 130 Prozent zulegte.

Auch der Index für die ganz kleinen Werte, der SDax, hängt den Dax oft ab, aber nicht immer. Im laufenden Jahr liegt der Dax zwar noch vorne. Der Kleinstwerte-Index schaffte ein Plus von 16 Prozent und damit gut zehn Prozent weniger als der Dax. In den vergangenen zehn Jahren legt der SDax aber fast 190 Prozent zu und damit mehr als die Standardwerte.

Diese "Turnaorund"-Wetten haben funktioniert

Wette 1

Pro Sieben Sat 1. galt Anfang 2009 als sicherer Pleitekandidat. Zu hoch verschuldet, keine Wachstumsperspektiven. Die Aktie rutschte auf 0,90 Euro ab. Mittlerweile, rund drei Jahre später, kosten die Papiere wieder mehr als 18 Euro. Zeitweise notierte die Aktie sogar bei mehr als 25 Euro.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,90 Euro

Aktienkurs heute: 18 Euro

Wette 2

Hugo Boss hat eine ganz ähnliche Geschichte wie Pro Sieben Sat 1. Bei beiden Unternehmen stieg einst Finanzinvestor Permira ein. Den Kaufpreis durften die MDax-Konzerne freundlicherweise selbst bezahlen, die Schuldenquote stieg. Während der Finanzkrise mieden Investoren Aktien von Unternehmen, die hoch verschuldet waren, auch Hugo Boss. Doch der Modekonzern zahlt seine Schulden pünktlich zurück. Mehr noch: er verdient prächtig.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 8,82 Euro

Aktienkurs heute: 74 Euro

Wette 3

SAF Holland galt lange Zeit als sicherer Pleitekandidat. Die Banken wollten keine Kredite mehr locker machen, der Schuldenstand wuchs. Doch der LKW-Zulieferer hat die Krise überstanden, die Produkte von SAF sind gefragt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,35 Euro

Aktienkurs heute: 4,60 Euro

Wette 4

Infineon galt einst als die heißeste Wette im Dax. Monatelang bangten die Anleger 2008 und 2009 um den Chiphersteller. Wegen der Finanz- Und Wirtschaftskrise verbrannte Infineon das Geld in Windeseile. Wer damals an das Unternehmen glaubte, wurde reich belohnt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,39 Euro

Aktienkurs heute: 5,50 Euro

Wette 5

Continental wurde voll von der Finanzkrise, die zu einer Krise der Autoindustrie wurde, erwischt. Banken taten sich bei der Finanzierung schwer, der Aktienkurs rutschte. Schnäppchenjäger griffen zu.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 10,99 Euro

Aktienkurs heute: 80 Euro

Wette 6

Villeroy & Boch ist in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen geraten. Der Hersteller von Badezimmer-Ausstattungen musste eine Millionenstrafe wegen Preisabsprachen bezahlen, der Aktienkurs rutschte in der Folge ab. Wer einstieg, hat alles richtig gemacht

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 3,10 Euro

Aktienkurs heute: 7,50 Euro

Vorteil für die Kleinen also. Allerdings gelten Nebenwerte auch als riskanter, weil sie schwankungsanfälliger sind. Schließlich reichen manchmal schon vergleichsweise kleine Orders, um die Kurse kräftig zu bewegen. Außerdem stürzen sie in einer Krise früher und stärker ab, als die Dickschiffe im Dax. Frank Hansen sieht das nicht ganz so kritisch. „Das stimmt nur, wenn es eine wirklich heftige und auch länger andauernde Krise ist, wie beispielsweise die Bankenkrise nach der Lehman-Pleite“, sagt Leiter des Nebenwerte-Teams bei Allianz Global Investors . Bei kurzfristigen Kursrücksetzern seien die Schwankungen im Dax sogar häufig höher als bei den Aktien aus der zweiten und dritten Reihe.

Wer allerdings einen langfristigen Anlagehorizont von mehreren Jahren hat, kann solche Schwankungen locker aussitzen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn natürlich gibt es auch Nebenwerte, die Aktionären alles andere als Freude bereiten. Während Spitzenwerte im MDax wie eine Sky Deutschland im laufenden Jahr fast 180 Prozent zulegen, gehen Verlierer wie Wacker Chemie um mehr als 30 Prozent in die Knie. Noch größer sind die Unterschiede bei den kleineren Börsenzwergen. „Ausreißer gibt es in beide Richtungen“, so Lupus-Alpha-Experte Glück. „Das Risiko bei Nebenwerten ist sicherlich höher als bei Standardwerten, die Chancen sind es aber eben auch.“

MDax und SDax: Welche Nebenwerte Aktionäre erzittern lassen

MDax und SDax

Welche Nebenwerte Aktionäre erzittern lassen

Die kleinen Indizes der Dax-Familie haben seit Jahresanfang ein beachtliches Plus geschafft. Doch die Performance ist sehr unterschiedlich. Welche Werte Geldvernichter waren - und welche für Anleger zur Goldgrube wurden.

Bei den Börsenzwergen kommt es noch mehr als bei Standardwerten auf die Auswahl der Einzeltitel an, ist Allianz-Experte Hansen überzeugt. „Man kann mit seiner Marktmeinung grundsätzlich völlig richtig liegen, aber auf die komplett falschen Einzelwerte gesetzt haben“, sagt er. Wer beispielsweise in Delticom investiert hat, wird sich über das Kursplus des SDax kaum freuen, denn die Aktie hat sich seit Jahresbeginn halbiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×