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07.06.2011

14:47 Uhr

Neuer DWS-Fonds

Klaus Kaldemorgen im Fondsmantel

VonRalf Drescher

Die DWS fördert den Star-Kult. Der erste Hedge-Fonds von Klaus Kaldemorgen trägt den Namen des Star-Fondsmanagers im Titel. Ein Verkaufserfolg scheint der Deutsche-Bank-Tochter sicher. Anders sieht es für Anleger aus.

DWS-Fondsikone Klaus Kaldemorgen steht mit seinem Namen für einen neuen Fonds. Quelle: Bert Bostelmann/Bildfolio

DWS-Fondsikone Klaus Kaldemorgen steht mit seinem Namen für einen neuen Fonds.

DüsseldorfKlaus Kaldemorgen hat sich für 2011 viel vorgenommen. Pünktlich zum Jahreswechsel zog die Ikone der Fondsgesellschaft DWS einen Schlussstrich unter seine Doppelfunktion als Fondsmanager und Sprecher der Geschäftsführung. Kaldemorgen will – oder soll – jetzt wieder stärker den Anlageguru geben und sich vor allem um die Steuerung seiner Fonds-Flaggschiffe kümmern.

Die haben es nötig: Im vergangenen Jahr hinkten die von Kaldemorgen betreuten DWS Akkumula und DWS Vermögensbildung I dem Markt weit hinterher. Doch 2011 sieht es kaum besser aus: Während der Dax seit Januar immerhin noch knapp im Plus liegt, haben beide Kaldemorgen-Produkte rund fünf Prozent an Wert eingebüßt.

Die DWS kratzt das allerdings nicht. Im Gegenteil: Die Deutsche-Bank-Tochter setzt in der Kundenwerbung jetzt noch stärker auf ihren berühmtesten Mitarbeiter und benennt einen neuen Fonds nach ihm. Der „DWS Concept Kaldemorgen“ soll Anleger mit einem „Total Return Ansatz“ an Aktienkursgewinnen beteiligen, sie gleichzeitig aber in Krisenzeiten ein Stück weit absichern.

Möglich machen soll das eine „Multi-Strategie à la Kaldemorgen“, wie es in der Fondsbroschüre heißt. Je nach Marktlage kann der Fondsmanager die Gewichtung einzelner Anlageklassen verschieben. Neben Aktien, die den Schwerpunkt des Portfolios bilden sollen, kann er auch in Unternehmens- und Wandelanleihen sowie in Derivate investieren. Letztere können beispielsweise für Wetten auf fallende Kurse genutzt werden.

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Revolutionär ist dieser Ansatz nicht, zahlreiche andere Fondsgesellschaften haben derartige „Hedge-Fonds light“ bereits im Sortiment. Und auch bei der Themenauswahl betritt die DWS nicht gerade Neuland: Als Themen und Trends mit großer Relevanz bezeichnen sie in ihrer Werbebroschüre unter anderem Energieefizienz und Umwelttechnik, Infrastruktur, Zugang zu Rohstoffen, Bric und Schwellenländer der nächsten Generation sowie Gold – allesamt Themen, die seit Jahren als Trend oder sogar Megatrend gespielt werden.

Aber um Innovationen geht es ja auch nicht, sondern um den Namen. Dass sich Kaldemorgen diesen Namen in der Vergangenheit als Aktienfondsmanager, nicht aber als Manager von Hedge-Fonds gemacht hat, verschweigt die DWS den Anlegern. Dafür lässt sie sich die Dienste ihres Star-Managers sehr gut bezahlen. Neben einem Ausgabeaufschlag müssen Anleger jährlich 1,5 Prozent Verwaltungsgebühr bezahlen. Und sollte sich der Fonds besser entwickeln als der Referenzzinssatz Eonia, gehen 15 Prozent des Mehrertrags ebenfalls an die DWS.

Ein Erfolg für die DWS dürfte der Kaldemorgen-Fonds trotzdem werden. Der prominente Name und die Vertriebskraft des Fondshauses werden schon dafür sorgen. Ob sich ein Einstieg auch für Investoren lohnen wird, steht dagegen auf einem anderen Papier. Immerhin verspricht die DWS, dass Kaldemorgen und sein Team ein „asymmetrisches Ertrags-Risiko-Verhältnis“ anstreben – fügt aber vorsichtshalber direkt dazu, dass die Asymmetrie zugunsten des Anlegers wirken soll.

Fonds-Gebühren im Überblick

Ausgabeaufschlag

Der Ausgabeaufschlag fällt beim Kauf an. Je nach Anlagestrategie des Investmentfonds kann er relativ gering sein, bei Geldmarktfonds liegt der Satz etwa häufig bei rund ein Prozent. Er kann aber auch deutlich höher sein wie bei Aktienfonds, wo fünf Prozent keine Seltenheit sind. Dies bedeutet, dass bei einer monatlichen Sparrate von 50 Euro beim Geldmarktfonds für 49,50 Euro Anteile erworben werden, beim Aktienfonds hingegen nur für 47,61 Euro.

Fondskäufer können den Ausgabeaufschlag aber reduzieren. Direktbanken oder Fondssupermärkte im Internet bieten niedrigere Sätze an oder verzichten sogar ganz auf diese Gebühr. Zu den bekanntesten Fondssupermärkten zählen beispielsweise fondssupermarkt.net, avl-investmentfonds.de und infos.com. Gute Kunden dürfen außerdem auf Sonderkonditionen bei der Hausbank hoffen.

Je länger der Anleger investiert bleibt, desto weniger stark wirkt die Kaufgebühr. Wer monatlich 100 Euro in einen Sparplan mit 5 Prozent Ausgabeaufschlag einzahlt und durchschnittlich fünf Prozent Jahresrendite erzielt, steht nach drei Jahren bei 3.690 Euro. Ohne Kaufgebühren wären es 3.885 Euro. Wer zehn Jahre investiert bleibt, kommt mit dem Ausgabeaufschlag auf ein Guthaben von 14.725 Euro, ohne Gebühr wären es 15.500 Euro. 

Verwaltungsgebühr

Die Verwaltungsgebühr liegt im Regelfall zwischen null und zwei Prozent. Oft ist dieser Satz etwas höher, wenn der Ausgabeaufschlag gering ist und umgekehrt. Die Verwaltungsgebühr wird - einmal im Jahr oder auch monatlich - aus dem Fonds bezahlt. Wenn die Gebühr zum Beispiel 1,2 Prozent ist und der Fondswert 10.000 Euro, beträgt die Gebühr 120 Euro im Jahr und das neue Fondsvermögen noch 9.880 Euro. 

Depotbankgebühr

Die Investmentgesellschaft hinterlegt das Fondsvermögen bei einer sogenannten Depotbank. Für das Führen dieses Depots wird eine Gebühr erhoben, die im Regelfall aus dem Fondsvermögen bezahlt wird. Diese Gebühr kann bei großen Fonds bis zu 0,3 Prozent des Fondsvolumens per anno ausmachen.

Zusätzlich ist die Depotbank berechtigt, eine Transaktionsgebühr von bis zu 100 Euro je Transaktion, die nicht über die Depotbank getätigt wird, zu erheben. Auch eine zusätzliche Verwahrgebühr von bis zu 0,1 Prozent pro Jahr ist rechtens. Neben den genannten Vergütungen verlangen einige Gesellschaften eine weitere tägliche Vergütung in Höhe von bis zu 0,75 Prozent pro Jahr. 

Performance Fee

Die Performance Fee ist eine erfolgsabhängige Gebühr. Wenn ein aktiv gemanagter Fonds eine bessere Wertentwicklung aufweist als ein vorher festgelegter Vergleichsindex, wie zum Beispiel der DAX, wird die Performance Fee gezahlt. Wenn eine Performance Fee von 20 Prozent vorgesehen ist, bedeutet das zum Beispiel: Ein Kunde hat ein Fondsvermögen in Höhe von 20.000 Euro. Der Fonds hat in diesem Jahr sechs Prozent Plus gemacht, der Vergleichsindex nur vier Prozent. Das Mehr an Rendite von zwei Prozent sind 400 Euro. Davon bekommt die Gesellschaft 20 Prozent, also 80 Euro. 

Performance Fees sind an ganz unterschiedliche Bedingungen geknüpft. Die Investmentgesellschaft profitiert von einem besseren Abschneiden im Vergleich zum Vergleichsindex, muss sich aber nicht zwangsweise auch an Verlusten beteiligen, falls der Index besser war.

Es ist auch möglich, dass Anleger Performance Fee`s zahlen müssen, obwohl der Fonds Verluste gemacht hat. Wenn der Vergleichsindex zehn Prozent Minus gemacht hat, der Fonds aber nur sechs Prozent Minus, war er besser als der Vergleichsindex. Dann lässt die

Investmentgesellschaft es sich vergüten, dass der Fond zwar Verluste gemacht hat, aber eben nicht so viel wie andere. 

Transaktionskosten

Transaktionskosten entstehen, wenn im Fonds eine Umschichtung der Wertpapiere stattfindet, also beispielsweise Aktien verkauft und andere dafür gekauft werden. Bei einer solchen Umschichtung entstehen Transaktionskosten, die von den Anlegern bezahlt werden. Je öfter umgeschichtet wird, desto mehr Gebühren müssen gezahlt werden und desto geringer ist die Rendite.

Wegen mangelnder Transparenz bleibt die Höhe der Transaktionskosten in der Regel im Dunkeln. Eine Ausweisung der relevanten Daten im Fondsprospekt geschieht laut Studie der Verbraucherzentrale NRW kaum oder nur unzureichend. 

Sonstige Gebühren

Der Fantasie sind bei den sonstigen Kosten keine Grenzen gesetzt. Rechtliche Vorgaben gibt es so gut wie nicht. So kann es passieren, dass Anleger nicht nur den Ausgabeaufschlag beim Kauf bezahlen, sondern auch einen Rücknahmeabschlag bei der Rückgabe der Anteilsscheine. Und wenn ein Fonds Geld einnimmt, weil er Wertpapiere verleiht, dann kassiert die Gesellschaft dafür oft auch eine Gebühr. Hier empfiehlt sich eine genaue Prüfung der Fondsunterlagen und des amtlichen Verkaufsprospekts um herauszufinden, welche sonstigen Kosten anfallen können.

Eine Hilfe beim Vergleich von Fonds anhand der anfallenden Kosten ist die Total Expense Ratio (TER). Die TER ist eine Gesamtkostenquote, die für Transparenz sorgen soll. Das gelingt allerdings nur zum Teil. Grund ist, dass in der TER nicht alle Kosten enthalten sind. So sind weder die Ausgabeaufschläge enthalten, noch die erfolgsabhängigen Gebühren (Performance Fee`s). Die Aussagekraft der TER ist daher begrenzt. Laut Morningstar liegt sie bei Aktienfonds bei gut zwei Prozent.

 

 

 

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

07.06.2011, 16:53 Uhr

Einer der größten Geldvernichter. Dazu fällt mir nur ein senil und prost

Kannitverstan

07.06.2011, 17:32 Uhr

Also wer so was kauft, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen.

harleypuste

07.06.2011, 19:41 Uhr

Der Sprit für die eigene Harley wird wohl wieder mal zu teuer im Zuge steigender Rohölpreise. Vergreist sieht der Herr ebenso aus; sein Vermögensbildungsfonds I zeigt, wo die Fahrt hingeht: je schwerer die Masse desto weniger kann in kleine Unternehmen investiert werden, die Wachstum haben. Auch weil eine Position im Fonds nicht mehr als 10 Prozent inne haben darf. Und bei diesen Mischsuppen, die nur für Dummies gemacht sind, dass DER das schon richtig macht - gute Nacht im überschuldeten Europa, den überschuldeten USA. Das ist dann das Gleiche wie wenn man sein Cash auf ein Sparbuch legt: Entwertung!

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