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12.08.2014

19:40 Uhr

Neuer Indexfonds

Anlegen wie die milliardenschweren Börsengurus

VonWalter Epp

Viele Investoren träumen davon, einen Blick ins Depot eines Buffett, Icahn oder Soros zu werfen. Ein Indexfonds baut nun die Lieblingsaktien der reichsten Investoren der Welt nach. Und schlägt einen alten Konkurrenten.

Milliardär und Investor Warren Buffett applaudiert während eines Seminars in Omaha. Ein neuer ETF ist den Superinvestoren auf der Spur. ap

Milliardär und Investor Warren Buffett applaudiert während eines Seminars in Omaha. Ein neuer ETF ist den Superinvestoren auf der Spur.

DüsseldorfWozu selbst erfinden, wenn man doch kopieren kann? Diesem Motto folgt ein neuer ETF mit dem vielversprechenden Namen Direxion iBillionaire Index ETF (IBLN), der bei Bloomberg vorgestellt wurde. Der neu aufgesetzte Indexfonds verfolgt eine einfache Strategie: Die Investments milliardenschwerer Investoren à la Buffett werden nachgebildet.

Die Gründer des ETFs haben keinen besonderen Zugang zu den Konten der Milliardäre, sondern arbeiten mit öffentlichen Daten. Zuerst nutzen sie die Milliardärslisten von Forbes und Bloomberg, um die reichsten Menschen der Welt auszumachen. Aus diesen wählen sie dann diejenigen aus, die ihr Geld mit Investments verdienen. Ex-Microsoft Chef Bill Gates scheidet deshalb beispielsweise aus. Zu den milliardenschweren Investoren, die der ETF verfolgt, gehören große Namen wie Warren Buffett, Carl Icahn, George Soros und David Einhorn.

Die reichsten Investoren werden dann ein weiteres Mal unterteilt: Nur die zehn mit der besten Performance werden beim ETF berücksichtigt. Woher die Gründer des ETFs die Performance der Börsengrößen kennen? Von der Securities and Exchange Comission (SEC), der Börsenaufsicht der USA.

Jeder Investor, der mehr als 100 Millionen Dollar in US-Aktien verwaltet, muss an die Börsenaufsicht den sogenannten 13F-Bericht abgeben. In diesem Bericht, der quartalsweise erstellt werden muss, sind die Aktienbestände aufgelistet, die in US-Dollar gehandelt werden.

Anhand dieser Berichte können die Aktienbestände der Börsengurus nachgebildet werden. Die 30 Aktien, die das meiste Geld auf sich vereinen, fließen in den iBillionaire ETF. Alle 30 Aktien sind im ETF gleich gewichtet – jede Aktie macht damit 3,3 Prozent des ETFs aus.

Im ersten Quartal 2014 vereinte die Apple-Aktie das meiste Geld der Großinvestoren auf sich. Die Apple-Aktie machte 16 Prozent des Aktienbestandes bei David Einhorn aus. Bei Carl Icahn machte sie zwölf Prozent, bei David Tepper acht und bei George Soros ein Prozent der Bestände aus. Die zweitbeliebteste Aktie war Micron Technology, gefolgt von Priceline Group.

Wer ist Warren Buffett?

Die Grundlagen

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.

Der Förderer

Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdienten Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.

Buffett Partnership , LTD

Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.

Der Aufstieg

Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.

Berkshires Umwandlung

Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre währt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.

Buffetts Bilanz

Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommen- wie auch der Kapitelertragsteuer.

Das Prinzip

Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.

Das Dilemma

Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.

American Express

Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren einen Profit von 20 Millionen Dollar ein.

Das Versicherungsgeschäft

Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re. 

Washington Post

Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.

Coca-Cola

Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Gillette

Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam, aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.

Fruit of the Loom

Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.

Clayton Homes

Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.

Wells Fargo

Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.

Investoren sollten allerdings beachten, dass im 13F-Bericht nur „Long“-Positionen angegeben werden müssen. Die „Short“-Positionen, also bei welchen Aktien der Investor auf Kursverluste setzt, sind nicht enthalten. Die Anlagestrategie der Gurus kann deshalb nur bedingt nachgebaut werden. Außerdem sind Investments, die nicht in US-Dollar gehandelt werden (wie z.B. Dax-Aktien), nicht enthalten.

Die Idee, einfach die Großen zu kopieren, ist nicht neu. So gibt es bereits seit einiger Zeit den Global X Guru Index ETF. Dieser ähnelt stark dem iBillionaire, hat aber auch einen entscheidenden Unterschied: Der iBillionaire ETF berücksichtigt nur Aktien mit großer Marktkapitalisierung und dürfte deshalb nicht so volatil sein.

Ein Zahlenvergleich: Auf Jahressicht hatte der S&P 500 bis Ende Juli eine Performance von Plus acht Prozent. Der Guru-ETF schaffte, wegen schwacher Performance kleinerer Werte, nur zwei Prozent. Der iBillionaire-ETF hätte zurückgerechnet um 7,7 Prozent zugelegt.

Mit Material von Bloomberg

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