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07.01.2010

06:59 Uhr

Neues Selbstvertrauen

Hedge–Fonds drängen ins Kreditgeschäft

VonUdo Rettberg

Bei der Suche nach neuen Ertragsquellen wollen einige Hedge-Fonds den Banken Konkurrenz machen und aktiv ins Kreditgeschäft einsteigen. Die Fonds füllen damit ein in Folge der Finanzkrise von den Geschäftsbanken hinterlassenes Vakuum. Die aktuelle Innovationsfreude zieht die Branche aus ihrem wiedergewonnenen Selbstvertrauen.

Hedge-Fonds drängen ins Kerngeschäft der Banken - und schließen dort entstandene Lücken. Quelle: ap

Hedge-Fonds drängen ins Kerngeschäft der Banken - und schließen dort entstandene Lücken.

CHICAGO. Einige Akteure investieren nicht mehr nur in die Anlageklasse Kredit, sondern bieten auf der Suche nach Finanzierungen befindliche Unternehmen auch selbst Kredite zwischen 5 und 50 Mio. Dollar. Dies mache deshalb viel Sinn, weil Hedge-Fonds, die die Strategie Distressed Securities verfolgen, die Bilanzen von finanziell angeschlagenen Unternehmen sehr gut kennen, sagt Ken Heinz, Präsident der Researchgesellschaft Hedge Fund Research (HFR) in Chicago, gegenüber dem Handelsblatt.

"Dies ist ein sehr interessanter Weg", sagt auch Wolfgang Stolz, Gründer und Vorstand der auf Alternativ-Investments spezialisierten Frankfurter Prime Capital Asset Management AG. Sein Unternehmen setzt auf die Anlageklasse Kredit zunächst durch Bilanzrestrukturierungen und Bad-Bank-Lösungen. Es erwirbt also Kredite, verpackt diese und macht sie handelbar.

Die Innovationsfreude der Branche beruht auf einem neuen Selbstvertrauen. Das Jahr 2009 war für Hedge-Fonds ein Jahr der Rekorde - zumindest hinsichtlich ihrer Wertentwicklung. Angesichts der positiven Performance anderer Anlageklassen wie Aktien und Rohstoffe überrascht dies nicht. Der HFRX-Composite-Index hat mit einem Plus von rund 19 Prozent nicht nur die seit dem Jahr 1980 bei 11,5 Prozent liegende durchschnittliche Wertentwicklung übertroffen, sondern auch den alten Jahresrekord eingestellt, sagt HFR-Präsident Heinz.

"Das Schlimmste ist überstanden", meint auch Stolz. Doch noch immer gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Ähnlich wie andere Zweige der Finanzbranche haben diese Finanzinvestoren eine weite Wegstrecke bis zur Normalisierung zurückzulegen. "Die Branche erholt sich zwar langsam, ist von einer vollen Erholung jedoch noch weit entfernt", sagt type="unknownISIN" value="H.J. Heinz Co">Heinz.

Institutionelle Investoren hätten wieder mehr Vertrauen zu Alternativ-Investments wie Hedge-Fonds gefasst, beobachtet Stolz einen zunehmenden Kapitalstrom in diese Vehikel. Positiv wertet HFR-Mann type="person" value="? Heinz, Ken">Heinz, dass die Zahl der neu gegründeten Hedge-Fonds im dritten und vierten Quartal 2009 zum ersten Mal seit langem wieder die Zahl der geschlossenen Fonds übertraf. Die im Zuge der Finanzkrise zu beobachtende Schrumpfung wird nicht nur im Rückgang des verwalteten Volumens von rund 2 Billionen Dollar auf nur noch 1,5 Billionen Dollar, sondern auch an der von rund 10200 Mitte des Jahres 2008 auf nur noch rund 9000 gefallenen Zahl der Fonds deutlich.

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