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07.11.2012

10:51 Uhr

Niedrige Renditen

Der Niedergang der Hedge Fonds

Bei Hedge Fonds ist der Lack ab. Die berühmt-berüchtigten Superinvestoren fahren nur noch mickrige Renditen ein. Mit jedem langweiligen Indexfonds hätten Anleger in diesem Jahr mehr erzielt. Ist die Branche am Ende?

Hedge-Fonds-Manager beklagen, dass ihre Strategien nicht mehr aufgehen. dpa

Hedge-Fonds-Manager beklagen, dass ihre Strategien nicht mehr aufgehen.

Frankfurt/LondonSie waren die Stars der Finanzbranche, doch die Reihen der Hedge-Fonds lichten sich, denn die Zeit der überdurchschnittlichen Ergebnisse scheint vorbei. In der vergangenen Woche musste der einstige Goldman-Sachs-Veteran Pierre Henri Flamand nach zwei Jahren seinen Hedge-Fonds Edoman schließen. Ebenso erging es Ex-Goldmann Geoff Grant, der seinen Fonds bei Moore Capital aufgab und sich in den Ruhestand verabschiedete.

Die Branche sorgt bei Anlegern zunehmend für Enttäuschung. Seit Anfang Januar bescherten die spekulativen Fonds ihren Investoren zwar eine Rendite von knapp fünf Prozent, hätten die Anleger ihr Geld aber in einen simplen Aktienfonds auf den S&P-500-Index an der New Yorker Börse gesteckt, hätten sie zwölf Prozent verdient.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Doch warum ist das so? Haben die Manager versagt oder sind die Märkte durch den massiven Einfluss der Politik und die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken tatsächlich so verzerrt, dass sie selbst für die Elite der Händler völlig unberechenbar geworden sind?

Hedge-Fonds-Manager beklagen, dass ihre Strategien nicht mehr aufgehen, weil sich die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen grundlegend geändert hätten und die Märkte unberechenbar geworden seien. Das gilt vor allem für Manager, die neue Trends aufspüren und so die Märkte schlagen wollen. So besinnen sie sich auf bewährte Anlagestrategien, indem sie trotz der hohen Aktienbewertung überwiegend auf steigende Aktienkurse setzen.

Einiges spricht dafür, dass die Spätfolgen der Finanzkrise die alten Regeln an den Märkten ausgehebelt haben. Es sind nämlich nicht nur die menschlichen Stars der Hedge-Fonds, die mit der neuen Realität nicht zurechtkommen, sondern auch die Computer.

Knapp 190 Milliarden Dollar haben die Anleger weltweit sogenannten Managed Futures Fonds anvertraut. Diese Investoren versuchen, mit ausgeklügelten Computerprogrammen Trends an den Märkten aufzuspüren und auszunutzen. Die erfolgreichsten Fonds stecken Jahr für Jahr Millionen in die Weiterentwicklung ihrer Algorithmen. Aber trotz dieser Anstrengungen scheinen die komplexen Prognosemodelle lange nicht mehr so reibungslos zu funktionieren wie in der Vergangenheit. Im Schnitt haben die Managed Futures Fonds in diesem Jahr über fünf Prozent an Wert verloren.

Kommentare (4)

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MannDerVernunft

07.11.2012, 11:30 Uhr

Alles Unsinn... "Märke funktionieren nicht..." "Investmentstrategien schwer umzusetzen...". Jeder der sich ein bisschen mit Statistik auskennt, weiss, dass langfristig eine bessere Performance als der Gesamtmarkt extrem unwahrscheinlich ist. Kurse lassen sich nicht prognostizieren. Anders gesagt: Die Hedgefondsmanager hatten vorher Glück, jetzt haben sie Pech. So einfach ist das.

Rumpelstilzchen

07.11.2012, 13:02 Uhr

Zitat: "Ist die Branche am Ende?" - HOFFENTLICH!!!

Account gelöscht!

07.11.2012, 15:46 Uhr

@Mann der Vernunft:

Ganz so einfach ist das sicherlich nicht, das müssten Sie wissen.
Man schaue sich bspw. Buffetts Performance an.
BH ist zwar kein Hedgefond, hat jedoch eine deutlich bessere Bilanz.
Die gestiegenen Anforderungen der Hedgefond Kunden, die nicht wie vor einigen Jahren zum Großteil reiche Privatanleger sind, sondern institutionelle Anleger, fordern genauere Berichte und stabilere Gewinne und Prognosen.
Das steigert die Kosten ungemein.
Zum anderen ist die Konkurrenz zwischen Hedgefonds stark gestiegen, es sind wesentlich mehr Akteure beteiligt und viele Privatanleger kopieren Hedgefond-Strategien.
Zudem ist in der Finanzkrise die Korrelation zwischen verschiedenen Anlageklassen gestiegen, was Absicherungsgeschäfte erschwert.

In einem Punkt muss ich Ihnen aber Recht geben:
Märkte funktionieren immer.
Bis auf extrem seltene Ausnahmen, wo es zum Marktversagen kommt.
Das ist hier natürlich nicht der Fall, vor allem nicht in diesem Zusammenhang.
Das ist VWL Grundwissen.

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