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27.04.2015

12:27 Uhr

Norwegens Staatsfonds

„Geldpolitik ist selbst zum Risiko geworden“

Der norwegische Staatsfonds schlägt Alarm: Aus seiner Sicht waren die Investmentrisiken, die aus der Geldpolitik herrühren, noch nie so groß wie jetzt. Der Staatsfonds-Chef spricht gar von „dramatischen Auswirkungen.“

Die EZB-Geldpolitik bewege die Kurse an den Aktienmärkten dramatisch. dpa

Norwegens Staatsfonds:

Die EZB-Geldpolitik bewege die Kurse an den Aktienmärkten dramatisch.

Wie die meisten globalen Investoren bewegt sich der 890 Milliarden Dollar (837 Milliarden Euro) schwere Fonds aus Oslo in unbekanntem Terrain, da die Zentralbanken weltweit beispiellose Anreizprogramme in Gang gesetzt haben, um das Wirtschaftswachstum zu stützen und die Inflation anzuheizen.

„Die Geldpolitik beeinflusst die Preisgestaltung im heutigen Markt in einem Ausmaß, dass die Geldpolitik selbst zu einem Risiko geworden ist, das man im Auge behalten muss,” sagte Yngve Slyngstad, CEO des Government Pension Fund Global, im Interview mit Bloomberg. „Die Investoren konzentrieren sich stärker auf die Veränderungen der Geldpolitik als das bislang der Fall war – zu keiner Zeit, soweit ich mich erinnern kann.”

ETFs versus Investmentfonds

Rechtsform

ETF: Sondervermögen. Es ist das Kapital, welches der Anleger seiner Investmentgesellschaft gegen die Ausgabe von Anteilsscheinen überlässt. Dadurch ist dieses Geld klar von den anderen Vermögenswerten der Gesellschaft getrennt und selbst vor dem Zugriff der Gläubiger im Insolvenzfall geschützt.

Investmentfonds: ebenfalls Sondervermögen

Erwerb

ETF: ETFs werden an der Börse gehandelt. Sie müssen, anders als normale Investmentfonds, nicht bei einer Investmentgesellschaft erworben werden. Weil sie an der Börse gehandelt werden, wird der Nettoinventarwert des Sondervermögens fortlaufend veröffentlicht.

Investmentfonds: Ein normaler Investmentfonds muss bei der Kapitalanlagegesellschaft physisch erworben werden. Diese gibt den Anlegern im Gegenzug ein Zertifikat und verwaltet das Kapital im eigenen Namen auf gemeinschaftliche Rechnung der Anleger.

Liquidität

ETF: ETFs sind deshalb beliebt, weil sie eine hohe Liquidität aufweisen und problemlos ganztägig an der Börse gehandelt werden können.

Investmentfonds: Anders als ETFs ist es nicht so leicht, einen normalen Investmentfonds zu verkaufen. Die Liquidität ist niedrig, verkauft wird einmal täglich zum Nettoinventarwert.

Transparenz

ETF: Das ETF-Sondervermögen muss täglich veröffentlicht werden.

Investmentfonds: Im Unterschied dazu ist die Transparenz der meisten Investmentfonds gering, veröffentlicht wird nur im Jahres- beziehungsweise Halbjahresbericht.

Gesamtkosten

ETF: ETFs werden passiv verwaltet, die Kosten sind niedrig.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds dagegen verwaltet ein Manager das Fondsvermögen und verfolgt eigene Strategien. Das kostet die Anleger unter Umständen mehr Gebühren.

Ausgabeaufschlag

ETF: Der Ausgabeaufschlag ist ein Aufgeld, das auf den Nennwert eines Wertpapieres erhoben wird. Bei ETFs entfällt er.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds kann der Aufschlag dagegen bis zu fünf Prozent des Net Asset Value, des Anteilswertes, betragen.

Verwaltungsgebühr

ETF: Die ETF-Verwaltungsgebühr ist niedrig und beträgt zwischen 0,05 und 0,75 Prozent pro Jahr.

Investmentfonds: Für Investmentfonds müssen Anleger dagegen hohe Gebühren zahlen, bis zu zwei Prozent pro Jahr plus weitere Fondsgebühren.

Wertpapierprovision

ETF: Wertpapierprovision wird bei ETFs für deren Kauf und Verkauf erhoben.

Investmentfonds: Beim Investmentfonds entfällt sie

Der weltgrößte Staatsfonds ist aufgrund rekordniedriger Anleiherenditen mit geringeren Erträgen konfrontiert. Im vergangenen Monat teilte der Fonds mit, er versuche von der quantitativen geldpolitischen Lockerung zu profitieren, indem er unter anderem spanische Staatsanleihen kaufe.

Die Europäische Zentralbank hat im vergangenen Monat damit begonnen, in großem Umfang Anleihen anzukaufen. Das hat in einer Reihe von Ländern zu negativen Renditen bei Staatspapieren geführt und darüber hinaus zu einem Anstieg der Aktienkurse beigetragen. Der Benchmarkindex European Stoxx 600 ist in dieser Woche auf einen Rekordstand geklettert und kommt für dieses Jahr auf ein Plus von 21 Prozent.

„Wie alles, was die Kurse bewegt, ein Risiko darstellt, das beobachtet werden muss, so sind doch die Auswirkungen der Geldpolitik auf die Kurse dramatisch”, sagte Slyngstad. „Das ist natürlich immer der Fall bei langfristigen Zinsen, und jetzt noch deutlicher bei der Währung. Es ist ein Faktor im derzeitigen Markt.” Der Fonds war Ende letzten Jahres in Anleihen in 31 verschiedenen Währungen investiert.

Der Government Pension Fund Global kam für 2014 auf ein Plus von 7,6 Prozent. Das war der geringste Ertrag seit einem Verlust im Jahr 2011. Der Fonds hat von der Regierung das Mandat, 60 Prozent seines Anlagevolumens in Aktien zu investieren, 35 Prozent in Anleihen und fünf Prozent in Immobilien. Zwar folgt der Fonds überwiegend globalen Indizes, doch hat er auch einen gewissen Spielraum, davon abzuweichen.

Kommentare (2)

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Herr Paul Rimmele

27.04.2015, 12:39 Uhr

Hoffenlich machen die Norweger nicht den Fehler und werten die Krone ohne Limit ab.
Nur die Europäer und die US-Amerikaner sind so skrupellos und vernichten die Existenz ihrer
Bevölkerung.

Herr Marco Hass

27.04.2015, 14:10 Uhr

Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Wie lange wird das noch gut gehen?
Sind Experten noch Experten, wenn sie keine Ahnung (mehr) haben wie es weitergeht?
Kann man Chaos als System bezeichnen oder braucht es tatsächlich ein definiertes System mit realen und moralischen Werten, Regeln und Entschleunigung?
Wer fängt an?
Wie lange willst Du abwarten?

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