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28.04.2016

16:21 Uhr

Norwegischer Staatsfonds

Der Ölfonds leckt

VonMatthias Streit

Der norwegische Staatsfonds ist schlecht ins Jahr 2016 gestartet. Im ersten Quartal verlor der Fonds mehr als neun Milliarden Euro. Vor allem die sinkenden Ölpreise und die Börsenturbulenzen machen dem Fonds zu schaffen.

Im „Statens Pensjonsfond utland“, wie der Ölfonds offiziell heißt, soll der Wohlstand Norwegens für die Zeiten nach der Öl- und Goldära gewahrt werden. dpa

Ölförderung vor Norwegen

Im „Statens Pensjonsfond utland“, wie der Ölfonds offiziell heißt, soll der Wohlstand Norwegens für die Zeiten nach der Öl- und Goldära gewahrt werden.

Frankfurt am MainDer norwegische Ölfonds hat den Start in das Jahr 2016 verpatzt. Nach den ersten drei Monaten stehen 85 Milliarden norwegische Kronen Verlust zu Buche (umgerechnet 9,2 Milliarden Euro). Der größte Staatsfonds der Welt verliert Geld – schon wieder.

„Die ersten Monate des Jahres waren von hoher Marktvolatilität und der Sorge vor einem schwächeren Wachstum in China geprägt“, sagte Trond Grande, der stellvertretende Vorsitzende von Norges Bank Investment Management, die das Vermögen des Staatsfonds verwaltet.

Verantwortlich für die Einbußen waren nicht zuletzt die Aktieninvestments, die mit einem Minus von 2,9 Prozent besonders schlecht liefen. Doch auch bei den Anlagen in Immobilienwerte verloren die Norweger mit einem Minus von 1,3 Prozent viel Geld. Nach dem Rückzug aus einer Reihe von Kohleinvestments wollen die Fondsmanager in dieses Segment stärker investieren. Zudem macht das anhaltende Niedrigzinsumfeld Investitionen in Immobilen derzeit attraktiv.

Mit einem Gesamtverlust von 0,6 Prozent hält sich die Negativbilanz insgesamt zwar im Rahmen, dennoch bereiten die Einbußen den Norwegern Sorge. Erst im dritten Quartal 2015 verbuchte der „Statens pensjonsfond utland“ (Staatlicher Pensionsfonds Ausland) den größten Verlust in seiner Geschichte. Damals betrug das Minus gar 29 Milliarden Euro.

Die größten Staatsfonds der Welt

Wo Geld langfristig angelegt werden soll

Sie horten Devisen oder gehören zu den größten Einzelanteilseignern von Konzernen: Staatsfonds. Der Marktführer etwa hält allein 1,3 Prozent an den börsennotierten Unternehmen der Welt. Einmal im Jahr gibt das Sovereign Wealth Fund Institute ein Ranking über die größten Staatsfonds heraus. Dies sind die Ergebnisse.

Stand: 31. Dezember 2015

„Statens pensjonsfond utland“ (Norwegen)

Der „Statens pensjonsfond utland“, wie der norwegische Staatsfonds offiziell heißt, ist mit einem Volumen von 824,9 Milliarden Dollar der weltweit größte seiner Art. Der Fonds wurde 1990 gegründet, um den Wohlstand der Nation aus dem Ölgewerbe für zukünftige Generationen zu erhalten. Deshalb wird er inoffiziell auch „Ölfonds“ genannt. 60 Prozent des Vermögens sind in Aktien, 35 Prozent in Zinspapieren und fünf Prozent in Eigentum wie Immobilien investiert.

Abu Dhabi Investment Authority

Ölreichtum ist auch der Hintergrund für den zweitgrößten Staatsfonds der Welt, die Abu Dhabi Investment Authority. Dessen Ziel ist es, über breit gestreute Investments in Aktien, Immobilien oder etwa Hedgefonds für die Zeit nach dem fossilen Zeitalter vorzusorgen.

Wert: 773 Milliarden Dollar

China Investment Corporation

Dieser chinesische Staatsfonds wurde 2007 gegründet, um einen Teil der riesigen Devisenreserven des Landes zu managen und beispielsweise in ausländische Firmen zu investieren. Von einst 200 Milliarden US-Dollar in seinem Gründungsjahr wuchs der CIC bis Ende 2015 auf 746,7 Milliarden US-Dollar an.

SAMA Foreign Holdings (Saudi-Arabien)

In dem Foreign Holdings-Fonds verwaltet die saudische Zentralbank „Saudi Arabien Monetary Agency“ die Einkommen aus der Ölindustrie des Staates. Fondsvolumen Ende 2015: 668,6 Milliarden Dollar.

Kuwait Investment Authority

Auch der arabische Staat Kuwait möchte seine Einnahmen aus dem Öl möglichst gewinnbringend anlegen – und diversifiziert seine Investments an den internationalen Märkten. Das Volumen des Fonds beträgt 592 Milliarden Dollar. Einen Teil davon hat Kuwait bei einem deutschen Autobauer angelegt: Kuwait hält 6,8 Prozent der Anteile an Daimler.

SAFE Investment Company (China)

Am liebsten sicher möchte China sein Geld anlegen, wie das Akronym vermuten lässt. Dahinter verbirgt sich die „State Administration of Foreign Exchange“. Diese unterhält eine Tochtergesellschaft in Hongkong, die SAFE Investment Company, welche sich wie auch schon die China Investment Corporation um die Anlage der Devisenreserven des Landes kümmern soll. Das Volumen des zweitgrößten chinesischen Staatsfonds wird auf 547 Milliarden Dollar geschätzt.

Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio

Der Exchange Fund, ein Vorläufer des Fonds, wurde bereits im Jahr 1935 gegründet. Knapp 60 Jahre später, 1993, wurde schließlich die Hong Kong Monetary Authority gegründet, welche den Fonds managt. Ende 2015 wachte verfügte der über 417,9 Milliarden Dollar. Diese werden vor allem in die Hongkonger Börse Hang Seng investiert.

GIC Privat Limited (Singapur)

Der größte Staatsfonds Singapurs wurde bereits im Jahre 1981 gegründet. Zuletzt wachte er über eine Anlagevermögen von 344 Milliarden Dollar. Die Summe teilt sich auf gleich drei einzelne Fonds, die alle von der Mutter verwaltet werden. International deutlich bekannter ist indes der Singapurer Staatsfonds Temasek. Der landet mit einem Volumen von „nur“ 193,6 Milliarden Dollar lediglich auf Rang 11 der weltweit größten seiner Art.

Qatar Investment Authority

Das kleine Emirat Qatar am persischen Golf erfreut sich großer Öl- und Gasressourcen. Um den Gewinn daraus möglichst langfristig anzulegen, wurde 2005 die Qatar Investment Authority gegründet. Sie wacht über 256 Milliarden Dollar. Die für Deutsche wohl bekannteste Beteiligung besitzt die Investmentgesellschaft an Volkswagen: Insgesamt 17 Prozent hält der Staatsfonds über die Qatar Holding LLC am Wolfsburger Konzern.

National Social Security Fund (China)

Die Top Ten der größten Staatsfonds der Welt rundet ein chinesischer Fonds ab. Der National Social Security Fund wurde 2000 gegründet, um die Anlagen der sozialen Leistungen zu verwalten. Sein Volumen beträgt 236 Milliarden Dollar. Damit stammen von den zehn größten Staatsfonds der Welt gleich vier aus dem Reich der Mitte – das Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio inbegriffen.

Darüber hinaus zog die norwegische Regierung im ersten Quartal diesen Jahres erstmals in der Geschichte des 1996 aufgelegten Fonds Geld für den Staatshaushalt ab. Insgesamt 2,7 Milliarden Euro sind es in den zurückliegenden drei Monaten gewesen. Bis Jahresende hat die Finanzministerin, Siv Jensen, von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei weitere Abflüsse geplant. Insgesamt werden es wohl 8,7 Milliarden Euro sein, schätzt der norwegische Zentralbankchef Øystein Olsen. Normalerweise ist es dem Staat nur erlaubt, vier Prozent des Überschusses aus dem Fonds für seinen Haushalt zu nutzen. Doch nun greift die Regierung an die Substanz.

Damit ist der Fonds gleich doppelt getroffen: Einerseits von den Abflüssen an den Staat. Andererseits sind die Zuflüsse aus den Öleinnahmen in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Waren es 2012 noch 30 Milliarden Euro, belief sich der Betrag 2015 auf gerade noch 4,5 Milliarden Euro.

Die Aufgabe der Staatsfonds-Manager ist es, den Wohlstand des Landes zu bewahren, wenn die Öl- und Gasquellen des Landes versiegen. Dafür haben sie das Geld breit angelegt: 59,8 Prozent in Aktien, 37 Prozent in Anleihen und 3,1 Prozent in Immobilien.

Der norwegische Staatsfonds zählt zu den größten Aktionären der Welt: Insgesamt gehören ihm 1,3 Prozent der börsennotierten Konzerne der Welt. In Europa sind es gar 2,4 Prozent. Auch in Deutschland hat der Staatsfonds stark investiert. Er hält beispielsweise 1,2 Prozent der VW-Stammaktien. Aktuell beläuft sich das Vermögen des weltgrößten Staatsfonds auf 7,1 Billionen Kronen – umgerechnet 770 Milliarden Euro.

Dabei schwächen nicht nur der niedrige Ölpreis (der die Einnahmen schmälert), die niedrigen Zinsen (die kaum noch Rendite liefern) und die schwache Investmentperformance (die zum jüngsten Verlust führten) den Fonds. Kämpfen müssen die Norweger derzeit auch mit Wechselkurseffekten. Denn ihre Krone wertete in den vergangenen Monaten auf. Das machte den Staatsfonds um 31 Milliarden Euro leichter.

Bei all den negativen Zahlen fällt auch den Verwaltern ein positiver Ausblick schwer. Doch sie bleiben optimistisch: „Die Unruhe an den Märkten hat im März beträchtlich abgenommen“, sagt Fondsverwalter Grande. Das ist zumindest ein kleiner Trost. Allein: Für die Fondsentwicklung der kommenden Monate hat das noch nichts zu bedeuten.

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