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30.04.2012

10:12 Uhr

Ölkonzerne und Atomkraft

Wie schmutzig die sauberen Fonds sind

VonKatharina Schneider

Nachhaltige Fonds versprechen mehr als sie leisten. Die Grünen fordern deshalb Mindeststandards und klarere Definitionen. Bei den Fondsanbietern stößt das auf Ablehnung, fördert aber auch konstruktive Ideen.

Selbst Nachhaltigkeitsfonds haben Ölkonzerne im Portfolio. 2010 verursachte die BP-Ölplattform "Deepwater Horizon" eine Ölpest im Golf von Mexiko. dpa

Selbst Nachhaltigkeitsfonds haben Ölkonzerne im Portfolio. 2010 verursachte die BP-Ölplattform "Deepwater Horizon" eine Ölpest im Golf von Mexiko.

DüsseldorfAnbieter nachhaltiger Kapitalanlagen wünschen sich schon seit Jahren mehr Aufmerksamkeit. Dank der Studie mit dem spitzen Titel „Von ethischen Maschinenpistolen und ökologischem Uranabbau“, die im Auftrag der Bundesfraktion der Grünen erstellt worden ist, haben sie diese jetzt bekommen.

Unglücklich nur, dass es wieder einmal keine positiven Meldungen waren. Die Studie zeigt, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ extrem dehnbar ist. In Fonds, die ethische, soziale und ökologische Kriterien als Basis für ihr Investment angeben, finden sich auch Hersteller von Kampfhubschraubern und Waffen sowie Betreiber von Atomkraftwerken und Ölbohrungen. Jeder Anbieter legt ethische, ökologische und soziale Kriterien eben anders aus.

So viel Rüstung und Atomkraft steckt in den Fonds

Dexia Sustainable World

Anzahl der Titel im Portfolio: 241
- aus dem Bereich Atomkraft: 26
- aus dem Bereich Öl und Gas: 64
- aus dem Bereich Rüstung: 14
- Hersteller von Kraftfahrzeugen: 5

Quelle: Kurzstudie „Von ethischen Maschinenpistolen und ökologischem Uranabbau“ von Jochen Bettzieche.

DNB – Global SRI

Anzahl der Titel im Portfolio: 105
- aus dem Bereich Atomkraft: 8
- aus dem Bereich Öl und Gas: 25
- aus dem Bereich Rüstung: 2
- Hersteller von Kraftfahrzeugen: 2

Liga Pax Cattolico Union

Anzahl der Titel im Portfolio: 38
- aus dem Bereich Atomkraft: 3
- aus dem Bereich Öl und Gas: 11
- aus dem Bereich Rüstung: 5
- Hersteller von Kraftfahrzeugen: 2

Öko-Aktienfonds

Anzahl der Titel im Portfolio: 103
- aus dem Bereich Atomkraft: 16
- aus dem Bereich Öl und Gas: 30
- aus dem Bereich Rüstung: 8
- Hersteller von Kraftfahrzeugen: 3

ÖkoWorld ÖkoVision Classic

Anzahl der Titel im Portfolio: 69
- aus dem Bereich Atomkraft: 2
- aus dem Bereich Öl und Gas: 5
- aus dem Bereich Rüstung: 0
- Hersteller von Kraftfahrzeugen: 0

Pioneer Funds - Global Ecology

Anzahl der Titel im Portfolio: 74
- aus dem Bereich Atomkraft: 10
- aus dem Bereich Öl und Gas: 26

- aus dem Bereich Rüstung: 8
- Hersteller von Kraftfahrzeugen: 1

Postbank Dynamik Vision

Anzahl der Titel im Portfolio: 198
- aus dem Bereich Atomkraft: 35
- aus dem Bereich Öl und Gas: 57
- aus dem Bereich Rüstung: 25
- Hersteller von Kraftfahrzeugen: 5

Sarasin Oekosar Equity

Anzahl der Titel im Portfolio: 88
- aus dem Bereich Atomkraft: 7
- aus dem Bereich Öl und Gas: 30
- aus dem Bereich Rüstung: 5
- Hersteller von Kraftfahrzeugen: 0

Swisscanto Portfolio Fund Green Invest Equity A

Anzahl der Titel im Portfolio: 110
- aus dem Bereich Atomkraft: 8
- aus dem Bereich Öl und Gas: 15
- aus dem Bereich Rüstung: 7
- Hersteller von Kraftfahrzeugen: 0

Triodos Sustainable Equity Fonds

Anzahl der Titel im Portfolio: 93
- aus dem Bereich Atomkraft: 4
- aus dem Bereich Öl und Gas: 13
- aus dem Bereich Rüstung: 6
- Hersteller von Kraftfahrzeugen: 2

Das Fazit der Grünen-Studie sorgt in der Branche für heftige Abwehrreaktionen. Einen gesetzlichen Mindeststandard oder ein Siegel lehnen die meisten Anbieter ab. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bayern, Margarete Bause, hält dagegen: „Wir brauchen eine Vergleichbarkeit und das geht nur mit klaren Kriterien, die man dann an die Vergabe eines Siegels knüpfen kann.“

Nachhaltiges Investment: So haben sich die Fonds entwickelt

Nachhaltiges Investment

So haben sich die Fonds entwickelt

Von Nachhaltigkeitsfonds versprechen sich Anleger eine ethische, soziale und ökologische Geldanlage. Eine Studie zeigt aber, dass die Anbieter bei der Titelauswahl großzügig sind. Die Fonds und ihre Ausschlusskriterien.

Es ist nicht das erste Mal, dass das heitere Bild der nachhaltigen Geldanlage getrübt wird. Die Enthüllungen kommen im Jahrestakt: Im April 2011 kam durch das Unglück in Fukushima ans Licht, dass auch Fonds mit Anspruch auf Nachhaltigkeit in den japanischen Atomkonzern Tepco, den Betreiber des Fukushima-Atomkraftwerks, investiert hatten. Und etwa ein Jahr davor führte die Explosion einer Ölplattform von BP im Golf von Mexiko dazu, dass der Ölkonzern aus dem Dow Jones Sustainability Index und verschiedenen anderen nachhaltigen Fonds verbannt wurde.

Die Fondsanbieter sind dennoch gegen ein Siegel. „Einen einheitlichen – und, wie im Moment diskutiert, extrem strengen – Standard für nachhaltige Fonds lehnen wir ab“, sagt Andreas Knörzer, Leiter Asset Management bei der Privatbank Sarasin. „Dieser würde die Wahlmöglichkeiten der Anleger zu stark einschränken, das Risiko nachhaltiger Fonds aufgrund stark abnehmender Diversifikationsmöglichkeiten erhöhen und somit schlussendlich dazu führen, dass Nachhaltigkeit zu einer kleine Nische in der Kapitalanlage verkümmert.“

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

24.04.2012, 15:00 Uhr

Da werden die ganzen links-alternativen Gutmenschen aber blöd aus der Wäsche gucken.

Ich habe auch schon vorher in Rüstung, Öl, anderen Rohstoffe und Getreide/Nahrungsmittel investiert und dazu gestanden.

Das geschieht den Heuchlern recht.


Das feiere ich.

TobG

24.04.2012, 15:40 Uhr

Ökoworld ist der einzige Anbieter in der Kategorie Nachhaltigkeit der hält was er verspricht. Alle anderen Anbieter betreiben nur Greenwashing.

Account gelöscht!

24.04.2012, 17:42 Uhr

Ich habe mir gerade interessenshalber den New Energy Fund exemplarisch angesehen. So nachhaltig scheint mir das nicht zu sein:
Platz 1: AES Corp., ein Kraftwerksbetreiber, Energiequellen u.a. Kohle und Diesel.
Platz 4: Siemens AG, baut u.a. Elektromotore und Generatoren mit Neodym-Magneten für Windkraftwerke. Dabei handelt es sich um eines der sog. Seltene-Erden-Metalle. Deren Gewinnung verursacht große Mengen an giftigen Rückständen. Auch kommen die seltenen Erden meist in Verbindung mit radioaktiven Stoffen vor.

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