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03.02.2016

14:11 Uhr

Ölkrise

Abu Dhabi könnte seinen Staatsfonds plündern

Öl-Unternehmen beschert der niedrige Ölpreis Milliardenverluste, ölreichen Staaten Lücken im Haushalt. Nun will sich offenbar Abu Dhabi aus seinem Staatsfonds bedienen, um das eigene Defizit zu reduzieren.

Der Reichtum aus der Ölindustrie hat Abu Dhabi Luxus gebracht. Wegen des Ölpreisverfalls zehrt das Emirat nun von seinen Reserven. imago

Grüne Wiese im Wüstenstaat

Der Reichtum aus der Ölindustrie hat Abu Dhabi Luxus gebracht. Wegen des Ölpreisverfalls zehrt das Emirat nun von seinen Reserven.

Abu Dhabi/DüsseldorfDer Staatshaushalt für das Jahr 2016 steht noch nicht, da holt Abu Dhabi sein Defizit schon ein: 13,2 Prozent betrug die Lücke im vergangenen Jahr, in diesem Jahr sollen es erneut elf Prozent sein, kalkuliert die Ratingagentur Fitch. Etwa die Hälfte der Wirtschaftsleistung des Emirats stammt aus dem Ölgeschäft.

Nach den Informationen von Fitch soll das Problem wohl schon gelöst sein: Das Emirat am Persischen Golf will offenbar seinen Staatsfonds Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) anzapfen. Das Anlagevermögen soll von 460 Milliarden Euro im Jahr 2014 bis zum Ende dieses Jahres auf 435 Milliarden Euro sinken, um damit die Lücken im Haushalt zu füllen. ADIA gehört zu den größten Staatsfonds der Welt.

Um gegen das Staatsdefizit vorzugehen, könnte die Regierung Abu Dhabis ebenso Staatsanleihen begeben, sowohl auf dem heimischen Markt als auch in Fremdwährungen. Das Finanzministerium des Emirats führe dazu intensive Gespräche mit der Zentralbank und Geschäftsbanken, berichtet Fitch. Ganz frisch ist die Idee nicht: Mit Anleihen kämpft auch der größte Ölförderer der Welt, Saudi-Arabien, gegen sein Staatsdefizit.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Fitch glaubt, dass Abu Dhabi in diesem Jahr Anleihen in Höhe von 40 Milliarden Dirham, etwa zehn Milliarden Euro, auf dem heimischen Markt begeben könnte. 2017 könnte die Summe auf 60 Milliarden Dirham (15 Milliarden Euro) steigen.

„Der Verfall bei den Ölerträgen hat den Reformwillen in den Vereinigten Arabischen Emiraten angefacht. Davon profitiert Abu Dhabi, das den größten Beitrag zum Budget liefert“, erklärte Fitch. Die Wirtschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, die aus insgesamt sieben Emiraten bestehen, hängt zu etwa einem Drittel vom Ölgeschäft ab. Obwohl Abu Dhabi mit der Hälfte seiner Wirtschaftsleistung noch stärker vom Öl abhängt, bescheinigt die Ratingagentur Fitch dem Emirat eine gute Schuldenfähigkeit mit „AA“ und glaubt auch künftig an eine stabile Entwicklung.

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Erstmals in der Geschichte plant Saudi-Arabien, Anleihen auf dem internationalen Markt herauszugeben. Der schwache Ölpreis setzt dem mächtigen Staat zu. Im Haushalt klafft ein Milliardenloch, das gestopft werden will.

Abu Dhabi ist nur das neueste Mitglied in einer Reihe von Ölförderländern, die wegen des niedrigen Ölpreises zu den Reserven in ihren Staatsfonds greifen. Regierungen von Moskau über Riad bis hin zu Oslo tun es ihnen gleich. Sie alle leiden unter der Krise, die durch ein Überangebot am Ölmarkt ausgelöst wurde und nun von der schwächelnden Wirtschaft Chinas – einem der wichtigsten Nachfrager – noch befeuert wird.

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