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04.11.2014

08:02 Uhr

Pensionsfonds

Mehr Investitionen in langfristige Anleihen

Eine Umfrage zeigt: Pensionsfondsmanager wollen verstärkt auf Investments in längerfristige Anleihen setzen. Im Trend sind Produkte aus Europa und USA – ganz im Gegensatz zu denen aus Asien.

Längerfristige Anleihen stehen bei Managern von Pensionsfonds hoch im Kurs. gms

Längerfristige Anleihen stehen bei Managern von Pensionsfonds hoch im Kurs.

Pensionsfonds wollen ihre Investments in Anleihen mit langer Laufzeit erhöhen, da die weltweite Konjunkturerholung Prognosen zufolge die Renditen in Industrieländern nach oben treiben wird. Das geht aus einer Umfrage von Fidelity Investments unter Pensionsfondsmanagern hervor.

Demnach werden Pensionsfonds, die ein Anlagevolumen von neun Billionen Dollar in Nordamerika, Europa und Asien betreuen, die Umschichtung von Anleihen in Aktien – die sogenannte „große Rotation“ – verlangsamen. Die Investoren bezeichneten sich verändernde Zinsen als größtes Risiko. Sie wollen Gelder in Langläufer stecken, um die Laufzeiten der Anlagen ihren Zahlungsverpflichtungen anzupassen, wie Derek Young, Präsident der globalen Asset-Allocation-Gruppe von Fidelity, berichtete.

Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie einen an ihren Zahlungsverpflichtungen orientierten Investmentansatz erfolgreich verfolgt haben, derzeit verfolgen oder für die Zukunft in Betracht ziehen. Die Umfrage wurde im Juni und Juli unter 811 Investoren aus 22 Ländern durchgeführt.

„Zu einer Zeit, da Investments in Bonds am wenigsten erwartet werden, wird genau das wohl stattfinden, denn es gibt eine Tendenz hin zu einem an den Zahlungsverpflichtungen orientierten Investieren“, sagt Young. „Langläufer sind wirklich wichtig, um diese Portfolios gegen Zinsrisiken zu immunisieren. Die Anlagen sollen dabei mit den Verpflichtungen abgeglichen werden.“

Das Wirtschaftswachstum in der Gruppe der zehn wichtigsten Industrieländer (G10) wird sich Prognosen zufolge im Jahr 2015 auf durchschnittlich 2,2 Prozent erholen, nach 1,7 Prozent in diesem Jahr. US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren werden laut einer Umfrage von Bloomberg unter Ökonomen Mitte 2015 im Median mit 3,85 Prozent rentieren, zehnjährige Treasuries mit 3,1 Prozent. Am heutigen Montag rentierten die 30-jährigen Papiere mit 3,063 Prozent und die Zehnjährigen mit 2,293 Prozent.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Young zufolge schraubt Fidelity die Investments in Asien zugunsten von Europa und den USA zurück. Der Vermögensverwalter setzt darauf, dass die Anreize der Europäischen Zentralbank das Wirtschaftswachstum auf Touren bringen werden, und dass die US- Konjunkturerholung an Stärke gewinnen wird. In China gebe es für die Wirtschaft Risiken im Immobilienmarkt, fügte er an.

„Wir sehen Europa in der Mitte eines Zyklus. Wenn die EZB mit weiteren Anreizen einspringt, wird das mehr Chancen schaffen“, sagte Young. „Wir sind weniger konstruktiv im Hinblick auf Asien, China und Japan. Unsere größte Sorge ist, dass in China das Wachstum kreditgetrieben ist und nicht produktivitätsgetrieben. Diese Art Wachstum überlebt normalerweise nicht.“

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