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07.03.2014

12:14 Uhr

Pimco

Bill Gross schimpft auf El-Erian

Im Januar hatte sich der prominente Fonds-Manager Mohamed El-Erian aus der Führung der Allianz-Tochter Pimco zurückgezogen. Nun kritisiert ihn Mitbegründer Bill Gross scharf. Es soll zum Zerwürfnis gekommen sein.

Pimco-Mitbegründer Bill Gross kritisiert Mohamed El-Erian. Reuters, Sascha Rheker

Pimco-Mitbegründer Bill Gross kritisiert Mohamed El-Erian.

New YorkBei der Allianz-Tochter Pimco ist das Tuch zwischen den beiden Galionsfiguren Bill Gross und Mohamed El-Erian offenbar endgültig zerschnitten. Gross, der Gründer des legendären Fondshauses im kalifornischen Newport Beach, vermutet El-Erian hinter einem kritischen Artikel im „Wall Street Journal“ vom 24. Februar - gut einen Monat, nachdem der prominente Fondsmanager El-Erian überraschend seinen Rückzug aus der Firma angekündigt hatte. „Ich bin so verärgert darüber, dass Mohamed versucht hat, meine Stellung zu untergraben“, sagte Gross der Nachrichtenagentur Reuters am vergangenen Freitag am Telefon.

Er habe Beweise dafür, dass El-Erian den Artikel geschrieben habe. In dem Stück wird Gross als schwieriger Charakter mit einem Hang zu einsamen Entscheidungen porträtiert. Außerdem ist von einem offenen Streit zwischen den beiden Top-Managern vor Kollegen die Rede, der das Fass am Ende zum Überlaufen gebracht habe. El-Erian wurde in dem Artikel unter Berufung auf Insider mit den Worten zitiert, er sei es leid, immer hinter Gross aufzuräumen.

Jahrelang galt das Duo als absoluter Erfolgsgarant: Der an der Wall Street als „Anleihekönig“ gefeierte umtriebige und inzwischen fast 70 Jahre alte Gross mit seinem Gespür für lukrative Investments und der deutlich jüngere, wenn auch gesetzter wirkende Vorstandschef El-Erian, der im Fernsehen oder auf Konferenzen regelmäßig als natürliche Autorität das Geschehen an den Märkten kommentierte. Zusammen bauten sie das Fondshaus auf, das im Jahr 2000 von der Allianz geschluckt wurde und sich seither mit einem verwalteten Vermögen von fast zwei Billionen Dollar zu einer verlässlichen Gewinnmaschine im Konzern gemausert hat.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

Gross hatte seinen Kompagnon einst als selbstverständlichen Nachfolger bezeichnet. Gemeinsam managten sie auch das Aushängeschild von Pimco, den Fonds Total Return. Doch der rund 237 Milliarden Dollar schwere Anleihefonds hat das schlechteste Jahr seit 1994 hinter sich: Anleger zogen 2013 mehr als 40 Milliarden Dollar ab, der Fonds erwirtschaftete erstmals seit 1999 einen Verlust. Gross hatte vor allem auf US-Staatsanleihen gesetzt. Doch sie gaben nach, weil die meisten Investoren auf eine Verringerung der milliardenschweren Anleihe-Käufe durch die US-Notenbank spekulierten.

Selbst Allianz-Chef Michael Diekmann, der Pimco bisher an der langen Leine ließ, wird zunehmend nervös und mahnte in der vergangenen Woche ungewohnt deutlich: „Man darf sich nicht zu oft leisten, dass man da in der Performance nicht mithalten kann.“ Gross hat nun sechs Stellvertreter ernannt und wirbt in ganzseitigen Anzeigen um die Gunst der Kunden. El-Erian soll der Allianz als „Chief Economic Advisor“ erhalten bleiben.

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